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Veljanov - Porta Macedonia

Veljanov- Porta Macedonia

Premium / Soulfood
VÖ: 07.11.2008

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Osterweiterung

Seit über zwanzig Jahren trägt Veljanovs außergewöhnliche Stimme zur Faszination von Deine Lakaien bei. Quantitativ ist das keine allzu fruchtbare Verbindung, aber alle paar Jahre gibt's eine spannende neue Platte. Bevor 2009 sogar ein Sprung nach China auf dem Plan steht, durfte Veljanov zuletzt auch wieder ein wenig an seiner Solokarriere basteln. "Porta Macedonia" heißt das dritte Album unter seinem eigenen Namen. Benannt ist es nach Veljanovs ferner Heimat auf dem Balkan, weil er sich von byzantinischen Gesängen und mazedonischer Folklore inspirieren ließ. Mehr als eine Ahnung bleibt dies aber nicht.

Gleich der erste Song von "Porta Macedonia" bietet gleich schwere deutsche Kost. "Der Kongress" übt für die Dreigroschenoper mit einer Art Schifferklavier und windschiefem Steckdosen-Orchester. Veljanov croont dazu über die Zwecklosigkeit gewisser Gefühlsregungen: "Es steht nun mal in manchem Buch / Nichts weiter drin als / Liebe macht keinen Sinn." Das klingt wie der bislang verleugnete Bastard von Sven Regener und Kurt Weill. "Nie mehr" rupft dann ein paar Gitarren aus dem Schrank, die mit atmosphärischem Plingpling und schweren Lidern die Darkwave-Ästhetik der späten Achtziger nachstellen. "Ich liebte blasse Lügen aus dem Land der Mittelmäßigkeit", gesteht Veljanov da. Ein Versuch der Rechtfertigung?

Veljanov probiert sich an diversen dunklen Künsten, weil er weiß, dass seine Stimme noch jeden Versuch gemeistert hat. An künstlichen Aromastoffen und Gothic-Nachbauten mangelt es "Porta Macedonia" nicht. Es scheppert und grummelt gerne, ohne dass viel Song dabei passiert. "His vita" hat ein Riff und eine verdammt große Geste, die aber leider im Genremorast stecken bleibt. Die Doppel-A-Seiten-Single hat ebenso Probleme: "Mein Weg" wirft mit schweren Metaphern um sich, von denen "Dein schönster Traum erhellt die Nacht tief in mir" nicht mal die kitschigste ist, und "Königin aus Eis" hätte sogar Joachim Witt einfallen können - wenn der plötzlich zu singen gelernt hätte, that is.

"We can't turn back" lässt hingegen zu einigem Brokat viel Platz für Resignation, die sich mit dicken Streicher und wimmernder Orgel versöhnen darf. Das überlange "Dirt" punktet mit dem schalmeienartigen Geleier der mazedonischen Zurla, und die tänzelnde Diplomaten-Farce "Zwei vor und drei zurück" setzt einen mulmigen Schlusspunkt. "The new order" ist in der Albummitte die längst erwartete Electro-Hymne mit knackigem Bass, Gitarrenpicking, östlichen Strings und Veljanovs warmem Bariton in Höchstform. Dieser Höhepunkt des Albums zeigt aber auch gleich das Problem von "Porta Macedonia" auf: Spätestens seit "The sweet life" nähert sich Veljanovs Soloschaffen immer mehr seiner Hauptband an. Die Verwebung von organischen Sounds mit wuchtiger Elektronik wären für Deine Lakaien ebenso wenig fremd wie die offensiv eingesetzte Theatralik. Gegen einige der teilweise arg beliebigen Songs und die vielen dünnen Sounds hätte Lakaien-Partner Ernst Horn aber bestimmt sein Veto eingelegt.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Der Kongress
  • The new order

Tracklist

  1. Der Kongress
  2. Nie mehr
  3. His vita
  4. We can't turn back
  5. Mein Weg
  6. The new order
  7. Königin aus Eis
  8. Dirt
  9. Lilly B.
  10. Your house on the hill
  11. Zwei vor und drei zurück

Gesamtspielzeit: 68:41 min.

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