John Mellencamp - Life death love and freedom

John Mellencamp- Life death love and freedom

Hear / Concord / Universal
VÖ: 17.10.2008

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

König Donnerbart

Lange nichts gehört von John Mellencamp. Genau genommen so lange, dass manche Großhirnrinde sich fragen mag, wo jetzt eigentlich das "Cougar" geblieben ist. Nun, dieses Beinamens entledigte sich Mellencamp bereits mit dem Album "Whenever we wanted". 17 Jahre ist das jetzt her. Erstaunlich. Und seitdem? Oft kokett nur als Springsteens kleiner Stiefbruder tituliert, zog sich Mellencamp lange Zeit in einen Albumwust zurück, der seine Musik zwischen traditionellen Country- und Folkweisen und seichten Experimenten mit Hip-Hop und R'n'B eher zaudernd aussehen ließ. Erst 2007 gelangte er mit "Freedom's road" wieder zu mehr Unerschrockenheit. Der Gutmensch in ihm half ihm dabei, wie so vielen, die sich im Amerika des neuen Jahrtausends von lauter Galgenvögeln umgeben sahen. Der musikalische Kampf um "das wahre Amerika" wurde hier zwar ebenso erzpatiotisch geführt, wie von der Gegenseite, allerdings mit lauteren Motiven. Sprich: Mehr Springsteen geht ja eigentlich gar nicht.

"Life death love and freedom", produziert von T-Bone Burnett, zeigt sich demgegenüber nicht besonnener, aber facettenreicher. Rassismus ist ein Thema, der Krieg, Jesus und "all die Kinder". Es ist leicht, etwas dagegen zu sagen, doch letztlich gilt: Wenn keiner das Maul aufmacht, hat niemand was zu sagen. Weder die Kritiker noch die Kritiker der Kritiker. Musikalisch ist ohnehin vieles im Lot: Das gütig vor sich hin poppende Lamento von "A ride back home" und das hintergründig zuckelnde "Jena" bilden die Sahnestücke eines Stils, in dem man nach wie vor ebenso schnell alles falsch wie richtig machen kann. Mellencamps Stimme wird nicht ausgestellt, befindet sich sattelfest mitten im Mix. Von hier aus kann sie ihr grummelndes Timbre hochfahren, das auch im wunderbar rumpligen Country von "My sweet love" und "For the children" derart eng im Duett mit Karen Fairchild (Little Big Town) sitzt, dass man schon Sauereien bemühen müsste, um ein klares Bild zu bekommen.

Überhaupt ist Fairchild einer der großen Coups von "Life death love and freedom". Half auf "Freedom's road" noch die gesamte Little-Big-Town-Bande bei der Vokal-Stimulanz, so ist nun Fairchild weitgehend allein mit König Donnerbart. Ebenso Klischee-informiert wie Mellencamp, ist sie dennoch der perfekte Counterpart, um ihm ein wenig das Grollen wegzumassieren. Manchmal hat er das leider bitter nötig. Denn während der verrauschte Blues von "If I die sudden" noch untergründige Spannung erzeugt, geraten "Troubled land" oder "Don't need this pony" doch deutlich zu sehr ins Fahrwasser der Dire Straits. Weshalb im Blues-Rock nach wie vor derart streng formatierte, tausendfach gehörte Standards gespielt werden müssen, bleibt ein echtes Mysterium.

Insgesamt aber ist es Mellencamp durchaus gelungen, Hinterlist und Entschlossenheit in seine Musik zu drücken. Die Gitarren schlieren, züngeln und kratzen, der Hinweis auf Giant Sand ist oft gar nicht fehl am Platze. Der Rhythmus gibt sich ratternd und rastlos, und die Arrangements suchen sich ihre Stärke aus dem Rauen und Abgespeckten. Was natürlich auch das hausbackene "Back to the roots" eines neuen Amerika ist, aber nun gut. Nur wenn Mellencamp sein Organ zu sehr nach vorne stellt oder die Formatierungen nicht mehr wirklich aufgestört werden können, zeigt sich die konservative Haltung dieses "modernen, elektrischen Folks" (O-Ton Mellencamp). Das ist zwar ebenso groß getönt, wie es nicht gehalten werden kann. Aber auch hier gilt: Hauptsache, es sagt mal einer.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • My sweet love
  • A ride back home
  • Jena

Tracklist

  1. Longest day
  2. My sweet love
  3. If I die sudden
  4. Troubled land
  5. Young without lovers
  6. John Cockers
  7. Don't need this body
  8. Ride back home
  9. Without a shot
  10. Jena
  11. Mean
  12. County fair
  13. For the children
  14. A brand new song

Gesamtspielzeit: 49:41 min.

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