Exits To Freeways - Spilling drinks, spelling names

Exits To Freeways- Spilling drinks, spelling names

Nois-O-Lution / Indigo
VÖ: 31.10.2008

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Der Puzzlewahn

Musik selbst zu machen, das ist wie Puzzeln mit Tönen. Bei manchen Bands gleicht das manchmal sogar dem 18.000-Teile-Monster namens "Tropische Impressionen" von Ravensburger: überdimensional groß, kribbelbunt, vielfältig - und zum Verzweifeln. Erstaunlich ist allerdings, dass es scheinbar immer ein paar Verrückte gibt, die die Zeit und vor allem die Nerven und Ruhe für so etwas haben, wo das doch kaum allein zu bewältigen ist. Genau das Gleiche denkt man sich nämlich auch, wenn man erfährt, dass zu dem hübschen Bandnamen Exits To Freeways optional noch ein Spread Like The Veins On The Back Of My Hand dazugebastelt werden kann. Gut, die Hamburger puzzeln immerhin zu dritt, aber dafür ist im Gegenzug die Anzahl der Einzelteilchen noch etwas größenwahnsinniger. Das macht ihr Debüt "Spilling drinks, spelling names" nicht einfacher.

Schon der erste Song "Perfect perverts (taking pictures)" deutet somit die Richtung des Albums an: vielseitig, frickelig, auf irgendeine Weise auch überladen, selbst wenn es nie wirklich überfrachtet wirkt. Und natürlich zum Verzweifeln. Man braucht nämlich vor allem zwei Dinge, um das Debütalbum von Exits To Freeways wirken zu lassen, zu verstehen oder gar zu mögen: reichlich Zeit und noch mehr Aufmerksamkeit. Doch beides ist heutzutage oftmals schwer aufzubringen. Oberflächlich betrachtet könnten die Songs auf erster Ebene trotzdem sogar Indiehörern der mittelruppigen Gangart gefallen: nervöse Gitarren, schnell zappelnde Füße und ein teils ein leicht anstrengender, unbequemer und somit angesagter Gesang. Out ist schließlich das neue In. Alles halb so wild erstmal.

Anstrengend wird es allerdings ab genau dem Moment, in dem man versucht, die Songs zu verstehen oder zu analysieren. Wenn man mit System und Konzept zu puzzeln versucht, statt einfach die vielen, bunten Teilchen irgendwie blind zusammenzubringen. Denn zu viele Brüche, zu viele Stimmungen und zu viele Gefühlslagen durchziehen die fünfzig Minuten, die nur deswegen nicht zu lang sind, weil mit "H-smile" eine siebenminütige, halbinstrumentale Auf-und-ab-Halbballade ans Ende gepackt wurde - wo sie ausnahmsweise nicht einmal fehl am Platz ist. Was danach dennoch oder gerade deswegen zurückbleibt sind: viele Fragen, zwei Puzzelteilchen zu wenig, dafür aber ein nervös zappelndes Bein und ein kleiner Kopfschmerz an der Schläfe. Ein gutes Zeichen immerhin.

(Christoph Schwarze)

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Highlights

  • Perfect perverts (Taking pictures)
  • H-smile

Tracklist

  1. Perfect perverts (Taking pictures)
  2. Six years after glamorama
  3. Neocon love rites
  4. It's so hard to know you now
  5. Narcissus as a fuckboy
  6. Shoegazer Inc.
  7. Pageant wipeout interlude
  8. Bliss bluff
  9. A list for actions
  10. Tourette red (A monster in my language)
  11. Desire_construction_disaster
  12. No votes
  13. H-smile

Gesamtspielzeit: 50:11 min.

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