Holly Golightly & The Brokeoffs - Dirt don't hurt

Holly Golightly & The Brokeoffs- Dirt don't hurt

Damaged Goods / Cargo
VÖ: 04.10.2008

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Flieg, kleine Plastiktüte, flieg

Es gibt Dinge und Menschen, die werden irgendwann von Leuten, die sich angeblich damit auskennen, zu Kunst ernannt. So machte Kate Moss in den neunziger Jahren den extremen Skelett-Look bei Models zur Kunst, Anfang des neuen Jahrtausends dann den allseits beliebten Kokain-Look (auch bekannt als "CoKate") und zu guter Letzt eben den Ich-bin-ein-Groupie-Look. Was in musikalischen Gefilden als Kunst bezeichnet wird, lässt manchmal viele Fragen offen, statt wirkliche kulturelle Befriedigung zu schenken. Und dann gibt es da noch die berüchtigte Plastiktütenkunst. Zur Schau gestellt im Film "American beauty", in dem ein junger Mann einen kleinen Film über eine Plastiktüte im Wind dreht, zeigt, wie sie davongetragen wird, wieder landet, umher weht und sich wieder aufschwingt. Genau damit hat Holly Golightly eine Menge gemeinsam. Zum Einen ist auch sie eine Art der Kunst, die man nicht ganz versteht, aber als schön betrachtet. Und auf der anderen Seite ist auch bei ihr eine Menge heißer Luft im Spiel.

Rechnet man das im letzten Jahr erschienene Bootleg-Album "Nobody will be there" mit, ist "Dirt don't hurt" die dritte Golightly-Veröffentlichung mit The Brokeoffs - das heißt, mit Lawyer Dave. Trotz des bluesigen Folks, der auch auf dieser Platte nicht zu kurz kommt, holt Golightly aber des Öfteren wieder das Country-Gewand aus dem Schrank und klingt in Songs wie "Clock old hen" und "Three times under", als wären die Stücke im tiefsten Süden der USA auf der Veranda eines alten Holzhauses am See aufgenommen worden. "Slow road" ist düster und schwer und scheint sein Ende niemals zu erreichen - als es dann doch kommt, verwirrt es an dieser Stelle nur noch mehr. Für "Accuse me" wiederum kann der Schluss gar nicht früh genug kommen, was daran liegt, dass der Song so klingt, als wäre er bei einem drittklassigen Hahnenkampf aufgenommen worden.

Kunst kann aber auch reduziert sein und muss nicht immer in einer ausgefallenen Verkleidung stattfinden. "For all this" ist eines dieser wahren Kunstwerke, so ruhig und rein, und verlässt sich ganz auf Golightlys Stimme, mit der sie noch den letzten Cowboy auf dem Brokeback Mountain bekehren könnte. Geheimnisvoll und mysteriös kommt dafür dann "Indeed you do" daher. Es ist eines dieser Stücke, die vom Titel her das perfekte Liebeslied sein könnten - wobei solche Rechnungen in Golightlys kunstvoller Welt natürlich niemals aufgehen. "But don't go diggin' your own grave / I already made you one" singt sie da, und man glaubt es ihr. Ihr eigenes Grab hat sie mit "Dirt don't hurt" sicher nicht geschaufelt, auch wenn es eine ihre sperrigsten Platten ist und ungewöhnllich viel Aufmerksamkeit von den Zuhörern einfordert. Wer dazu bereit ist, kann einmal mehr plastiktütengleich durch die seltsame Welt der Holly Golightly geweht werden - ein echtes Kunststück.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Slow road
  • Indeed you do
  • For all this

Tracklist

  1. Bottom below
  2. Up off the floor
  3. Burn your fun
  4. Slow road
  5. My 45
  6. Cluck old hen
  7. Indeed you do
  8. Gettin' high for Jesus
  9. Three times under
  10. Accuse me
  11. Boat's up the river
  12. For all this
  13. Cora
  14. I wanna hug ya, kiss ya, squeeze ya

Gesamtspielzeit: 42:47 min.

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