Declan De Barra - A fire to scare the sun

Declan De Barra- A fire to scare the sun

Rogue Goat / Black Star Foundation / Cargo
VÖ: 31.10.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Ein Kind von Traurigkeit

Im Frühling klingt diese ganz bestimmte Musik, welche die Jahreszeit klar und deutlich erkennen lässt. Fröhliche Melodien, gerne auf einer Akustikgitarre gezupft, ein paar knackige Takte, die Texte drehen sich um Liebe, das Verlieben, die Liebste, den Liebsten, das Liebste. Und so weiter. Im Sommer wird alles etwas schneller, noch zackiger. Songs, zu denen man den Hintern bewegen und die Bierflaschen heben kann. Textlich geht alles - wer hätte das gedacht? - darum, wie der Interpret die Liebe am Strand entdeckt hat. Im Sommer war das, die Sonne schien, und es war heiß. Die plötzliche Wende kommt spätestens im Oktober. Die Beziehung, die vor wenigen Wochen noch den Lebensmittelpunkt darstellte, wird für tot erklärt. Der einst geliebte Mensch ist weg und die Liebe im emotionalen Arsch. Dann kommen sie aus ihren Löchern: die fiesen, meist folkigen Singer-Songwriter, die uns vollends in den Abgrund reißen mit ihren verzweifelten Stimmen und traurigen Songs. Die Botschaft: Die Welt ist schlecht, du bist traurig, und du wirst es nun für immer sein. Declan De Barra hat das seinen Hörern schon auf "Song of a thousand birds" offenbart und legt nun nach. "A fire to scare the sun" ist noch trauriger, noch verzweifelter, noch düsterer - und noch schöner. So kann es kommen.

Auf dem Zweitling des Iren geht es jedoch auch nicht einfach nur um das Verlassen und Verlassenwerden, sondern auch um die Hoffnung, dass alles besser wird. Dass diese Hoffnung nicht immer hilft, wird bereits im Opener "Until the morning comes" klargestellt. Es fängt zwar wie ein typisches Liebeslied an und bringt sogar den Wunsch nach einer Umarmung, wie es sie noch nie vorher gegeben hat, mit. Am Ende kommt dann aber doch der Abschied für immer. "On and on" verhandelt dieses Thema nicht mehr mit einer zwischenmenschlichen Beziehung, sondern vielmehr mit der Gesellschaft im Ganzen. Immer geht es weiter, manchmal auch ins Aussichtslose, und von dort gibt es kein Zurück: "Do you think there is another world? / Do you think it will be as cruel?" Eine andere Welt, so die recht unmissverständliche Ahnung, werden wir auch brauchen, wenn wir immer nur weitermachen wie bisher. Düster wird es mit "Beautiful one", welches den Tod und die damit oft verbundene Sehnsucht behandelt. Man kann einen Menschen so sehr vermissen, dass man sich wünscht, man könnte sich einfach an einem anderen Ort wiedersehen.

Die vergangene Liebe im Herbst greift "Johanna" auf. Ganz ohne Ironie oder Zynismus erklärt De Barra das Ende der Beziehung, die Verwunderung darüber, dass sie nicht halten konnte, und die Einsicht, dass er selbst auch Fehler macht. Zum Schluss wünscht er sich, dass es der besungenen Person doch hoffentlich gut geht. "57 years" ist hingegen eine wütende Abrechnung mit einer höheren Instanz, die aus einem einst starken Mann den sprichwörtlichen Schatten seiner selbst gemacht hat. De Barra legt all seinen Zorn in seine sonst so ruhige Stimme, und nach nicht einmal drei Minuten ist es schon wieder vorbei.

"A fire to scare the sun" stimmt nachdenklich und geht an einigen Stellen auch gehörig an die Nieren. Das Gute an sich kommt in Text und Musik nur selten durch. Doch De Barra scheint selbst daraus Kraft zu schöpfen, dass das Leben manchmal eben tatsächlich eines der Schlimmsten ist. Der Mensch sollte schließlich trotzdem immer wieder aufstehen. "And all of the things that brought you down / Just may raise you up again" singt er im abschließenden "Red forests". Wieder schimmert die Hoffnung durch. Wer weiß wie traurig der Ire tatsächlich ist? Er selbst macht zumindest mit diesem Album etwas wirklich Positives daraus.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Until the morning comes
  • On and on
  • Johanna
  • Red forests

Tracklist

  1. Until the morning comes
  2. Brightest star
  3. On and on
  4. Diamonds
  5. Johanna
  6. Beautiful one
  7. Ghetto 101
  8. 57 years
  9. Scraps to feed bones
  10. Red forests

Gesamtspielzeit: 28:43 min.

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