Ryan Adams & The Cardinals - Cardinology

Ryan Adams & The Cardinals- Cardinology

Lost Highway / Universal
VÖ: 31.10.2008

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Herz lass nach

Ein Jahr ohne eine neues Album von Ryan Adams ist ein schlechtes Jahr. So gesehen ist die aktuelle Dekade durchaus fein geraten. Und was hätte im Jahr 2004 nicht alles verhindert werden können, wenn der kleine Mann aus Jacksonville doch noch ein Herz bewiesen und eine Platte veröffentlicht hätte? Den EM-Gewinn der griechischen Rumpelfußballer etwa. Den Literaturnobelpreis für Elfriede Jelinek, ein paar Hits des ewigen Timbaland oder auch Elli Erl als solche. Wer? Eben. Doch zum nunmehr vierten Mal in Folge hat der seit "Gold" mittlerweile erneut kommerziell erfolgreiche Singer/Songwriter sein altes Jahrespensum wieder erreicht. Es kann also nichts mehr schiefgehen.

Für "Cardinology" hat sich der Folkbarde, wie der Titel unschwer verrät, erneut mit seiner Hausband The Cardinals zusammengetan. Diese unterstützte ihn nicht nur beim fabulösen "Jacksonville city nights", sondern auch beim eher mediokren, weil nur selten leidenschaftlichen "Easy tiger". Natürlich waren sie auch Teil des meisterhaften Doppel-Albums "Cold roses", bei dem alle Fäden von Adams' bisherigem Schaffen zusammenliefen. "Cardinology" ist somit die vierte Kollaboration auf Albumlänge. Und wie es manchmal mit längeren Beziehungen so ist, geht beizeiten das Feuer etwas verloren. Was sich auf "Easy tiger" bereits ankündigte, setzt sich auf also "Cardinology" konsequent fort.

Die ersten Stücke auf dem zehnten Studioalbum des Kardinologen - die getrennte Veröffentlichung von "Love is hell" zählen wir einfach mal zusammen -, der nur zu gerne am offenen Herzen operiert, kündigen zunächst Großes an. "Born into a light", "Go easy", "Fix it" und "Cobwebs" reichen nahe an Adams' frühe Sternstunden heran und erzählen die altbekannten und liebgewonnenen Geschichten über unerfüllte Liebe. "I love you still / And I always will" ("Go easy") oder "Look what I did to you / Look what you did to me / I'd fix it if I could" ("Fix it") schmachtet Adams über eine herzerweichende Pedal-Steel. "Magick" ist das verloren geglaubte Prachtstück von "Rock n roll", dem bisher schwächsten Album von Adams, und beweist, dass der gute Mann es nicht nur cheesy kann, sondern auch mit Kante, ohne dabei an Intensität zu verlieren.

Ab der Mitte verliert sich "Cardinology" aber leider zu oft in selten erquicklichen Midtempo-Songs, die im übergroßen Backkatalog von Ryan Adams ein wenig beachtetes Dasein fristen werden. Letztendlich gehört vieles zum Standardrepertoire des Musikers und ist damit trotzdem immer noch gutes Songmaterial. Die richtig großen Momente hingegen sind selten. Ein schöneres Fazit als der Hausherr selbst im Opener "Born into a light" kann man daher gar nicht ziehen: "You gotta keep the faith.". Das nächste Meisterwerk kommt bestimmt. Spätestens nächstes Jahr.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Fix it
  • Magick
  • Cobwebs

Tracklist

  1. Born into a light
  2. Go easy
  3. Fix it
  4. Magick
  5. Cobwebs
  6. Let us down easy
  7. Crossed out name
  8. Natural ghost
  9. Sink ships
  10. Evergreen
  11. Like yesterday
  12. Stop

Gesamtspielzeit: 40:31 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Phyllis
2009-01-20 14:44:18 Uhr
Ja, gut beobachtet. Die Platte fällt nach "Cobwebs" deutlich ab, sprich: die besten Songs werden (mit Ausnahme von "Go Easy") gleich am Anfang verbraten. Ich hab' die Platte trotzdem irgendwie ins Herz geschlossen, wäre allerdings froh, wenn die Cardinals bald mal Geschichte wären.
alea iacta est
2009-01-19 18:27:03 Uhr
Mit fällt grade auf, dass das album eigentlich locker 8/10 bekommen könnte, wenn die reihenfolge anders wäre. Weil richtig schwach ist vor allem evergreen, aber wenn er nicht gleich die besten 5 am anfang raushauen würde, fiele das nicht so auf. Schwache songs finden sich auch auf der cold roses, aber immer zwischen sehr grossen songs....und bei einer doppel-cd ist man da nicht so pitzelig.
alea iacta est
2009-01-15 18:29:13 Uhr
Ich bin nicht der meinung, dass easy tiger ein rückschritt war, ich mag es gerne, die melodien waren gross wie immer, nur das ganz herzzerreissende element ist nicht immer dabei gewesen...dafür gibts keinen song den ich nicht mag, was mann von cold roses nicht behaupten kann (dafür sind aber die guten songs besser als alles auf easy tiger)
Ich bin eben ein albummensch und möchte nicht skippen.

Und nun Cardinology. Fix it ist wahnsinnig groovy und herrlich melodieselig, magick ist zwar ein antreiber, klingt gut aber es hätte nicht sein müssen. Nach cobwebs kommt kein song mehr, der besonders heraussticht, auch stop nicht. Trotzdem insgesamt 7/10
sadcaper
2008-11-07 21:05:30 Uhr
Also höre gerade die neue Platte von Ryan. Schönes weißes Vinyl. Sehr cool. Easy Tiger fand ich persönlich herrlich. Richtig klasse Scheibe. Und nun bin ich mit dieser fast durch. Die weiße Scheibe wird sich noch sehr oft bei mir drehen. Finde das Album total geil. Bis auf Rock and Roll, fand ich bisher jedes Ryan Album auf seine Weise klasse. Und gerade seit er ein wenig mehr wieder "Country" spielt, höre ich ihn am liebsten.
kingsuede
2008-11-07 17:52:18 Uhr
Hier:

http://www.amazon.de/Cardinology-Vinyl-LP-Ryan-Adams/dp/B001GJ7ZN4
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