The Audience - Dancers and architects

The Audience- Dancers and architects

Hazlewood / Indigo
VÖ: 07.11.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Stein auf Bein

Ja, klar: "Über Musik zu schreiben, ist wie zu Architektur zu tanzen." The Audience nennen den Sachverhalt im Albumtitel beim Namen und spalten die Rezipienten ihrer Musik in zwei Lager. Dort die Losgelösten, die Feuerfangenden, die Schreier. Hier die Grübler, die Statiker, die Ganzgenauen. "Dancers and architects" sieht's auf dem zweiten Blick aber gar nicht so eng, sondern schnürt für die Stehenden und Tanzenden ein Gemeinschaftspaket, das erfreulicherweise immer mehr Gehör findet. Und damit dieser Trend weiter voranschreitet, soll hier einmal mehr der Versuch werden, Architektur tanzbar aussehen zu lassen.

Der Hersbrucker Fünfer zwirbelt auf seinem zweiten Album noch ein bisschen mehr am eigenen Sound herum und liefert damit eine wunderbare Fortführung der Ereignisse, mit denen sie auf dem feinen Debütalbum "Celluloid" von 2007 schon jeden beglückten, der es zuließ. Da hört man die Beatles in ihrer "Revolver"-Phase, da erkennt man die Talking Heads und kann auch die Bruderschaft zu The Robocop Kraus ausmachen. Die geographisch deutsche Provinz ist musikalisch schon längst ihrer Dörflichkeit entwachsen, klingt längst urban und international.

Beweise findet man auf "Dancers and architects" zur Genüge. Der trockene Bass und das wütende Schlagzeug sorgen für atemberaubende Dynamik, der singende Bernd Pflaum wandelt zwischen melodischem Genie und überschlagender Stimmakrobatik. Hits wirft diese stimmige Kombination am laufenden Band ab. Erst recht, wenn die Gitarre in "The shy runner" sticht, sich die Orgel in Rage manövriert und mindestens ganz Hersbruck lauthals am Singen ist. Das funktioniert fantastisch.

Die Songs spielen mit Überraschungsmomenten, schlagen den Erwartungen ein ums andere Mal einen großen Haken. Sie kommen mit Soundeffekten um die Ecke, die der quirligen Energie der Songs niemals im Wege stehen, legen sie sogar noch eine ganze Etage tiefer. Neben dem Verlangen nach irrem Gezappel, unauffälligem Fußgewippe und rhythmischem Springen, deckt "Dancers and architects" auch das Interesse an großen Songs, guter Unterhaltung und mitreißendem Tohuwabohu. Ein weiterer Beweis, dass man für gute Musik oftmals Phantasie mitbringen muss, um sie im geschriebenem Worte zu verstehen.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • The shy runner
  • Fusty lines
  • A.M.

Tracklist

  1. Teal missing
  2. Picture's motion
  3. Kill the octaves
  4. The shy runner
  5. Fusty lines
  6. Ice cubes
  7. Paperboy's soul
  8. Nobody is safe
  9. Marble St. 108
  10. A.M.The red echo
  11. Lucy

Gesamtspielzeit: 37:47 min.

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