Chris Eckman - The last side of the mountain

Chris Eckman- The last side of the mountain

Glitterhouse / Indigo
VÖ: 14.11.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Briefe vom Balkan

Zwei Informationen über Musik aus Slowenien sind erwähnenswert. Erstens: Es gibt welche. Zweitens: Diese stammt nicht ausschließlich von den der Subtilität eher unverdächtigen Rammstein-Vorbildern von Laibach. Im Rahmen dieser Rezension soll es aber weder um das eine noch um das andere gehen. Und doch steht die slowenische Kultur im Mittelpunkt. Chris Eckman, leider immer seltener Kopf und Antrieb der Walkabouts, verbringt seit einiger Zeit immer mehr derselben in dem nördlichen Balkanstaat. Er heiratete dort, jammte mit einheimischen Musikern und verliebte sich in die Poesie von Dane Zajc.

Dieser wohl bedeutendste Dichter Sloweniens schrieb wortgewaltige Poeme, die nicht nur für Eckman so voller Musikalität stecken, dass dieser sie unbedingt vertonen wollte. Als er sich aber aufraffte, um Zajs Genehmigung einzuholen, stammelte er nur am Telefon herum - und bekam trotzdem die Erlaubnis. Kurz danach, im Oktober 2005, starb Zajc, und Eckman traute sich aus Respekt und Trauer erst einige Zeit später an diese Aufgabe, die ihm durch Zajcs Tod noch viel anspruchsvoller erschien. Glück gehabt: Eckman braucht sich für "The last side of the mountain" keineswegs schämen.

Eckmans sonore Heiserkeit trifft auf Zajcs sorgsam ins Englische übertragene Metaphern und Bilder. "And you fear night's treachery / Creeping beneath your window sill / With the footsteps of a cat", heißt es in "Eyes". Mit herber Melancholie begegnet dort Eckmans amerikanische Folkrock-Prägung auf die südosteuropäische Emotionalität seiner Mitmusiker. Seine Frau Anda setzt mit Wärme den so wichtigen Kontrapunkt zu Eckmans Stimme. Im berührenden "Who will light your path?" zerfließt Anita Lipnicka so voll Sorge und Leidenschaft, dass man sich an die besten Momente der Walkabouts oder gar an Nick Caves Duett mit Kylie Minogue erinnert fühlt.

Das muntere "Stranger" holpert mit molliger Wucht und sägenden Gitarren in die Dunkelheit. "Night arrives from the other side of the world / With the face of a mysterious beast." Die Mundharmonika jault dazu wie ein Wolf im Licht des Vollmonds. Das stille "Scorpions" hat zum Glück wenig mit den Hannoveraner Rock-Rentnern zu tun, sondern viel mehr mit Einsamkeit und Hoffnung. In "The same" singt Kumpel Steve Wynn mit, und in gleich mehreren Stücken erklingen die Streicher des Apollon Chamber Orchestras. Gelegentlich schwebt sanfte Elektronik durch die Songs, die der Wärme der Musik nicht nur nichts anhaben kann, sondern sie sogar unterstreicht. Zwar erreichen nicht alle Songs von "The last side of the mountain" die Tiefe seiner Mitte. Wenn aber am Ende Zajcs Stimme mit einem Auszug aus seinem "Tihi škrbetavec" erklingt und man kein Wort versteht, ist man trotzdem gebannt: Es gibt noch einiges zu entdecken in Slowenien.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Eyes
  • Who will light your path?
  • Stranger
  • Scorpions

Tracklist

  1. Bells of a new day
  2. Down, down
  3. Eyes
  4. Ransom
  5. Who will light your path?
  6. Stranger
  7. Scorpions
  8. Hours
  9. The same
  10. With what mouth
  11. The last side of the mountain
  12. Fragment

Gesamtspielzeit: 41:56 min.

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