Cradle Of Filth - Godspeed on the devil's thunder

Cradle Of Filth- Godspeed on the devil's thunder

Roadrunner / Universal
VÖ: 24.10.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

IG Metal

Die Schande der frühen Geburt: Hätte Papa Osbourne in den 90ern sein großes Coming Out als Rampensau gefeiert, er hätte garantiert nicht zu einer dieser tranfunseligen Generation-X-Bands gehört, sondern bei Cradle Of Filth gespielt. Eine gewisse optische Ähnlichkeit ist sowieso nicht von der Hand zu weisen. Ähnlich Black Sabbath waren auch Cradle Of Filth gerade zu ihren Hochzeiten eine der kontroversesten Populärmetalbands der Insel. Danach ist das passiert, was bei den meisten Künstlern passiert, die schon seit Weihnachten '45 unterwegs sind, Alben aufnehmen und in der Rehabilitationspause dazwischen an der Ehefrau und/oder Fledermausköpfen nuckeln: Es hat sich etwas Routine eingeschlichen. Routine, die sich auch auf die Musik abgefärbt hat. Man kennt dieses Spielchen auch als Hörer. Die Platten kommen immer noch ähnlich vieler Legislaturwechsel im Zwei- bis Vierjahrestakt, man kann seine Uhr danach stellen. Die eine mag man mal mehr, die eine weniger. Je nach Gusto. "Godspeed on the devil's thunder" ist übrigens absolut eines der besseren Cradle Of Filth-Alben geworden.

Vielleicht hat es eines bindenden Elements bedurft, das die unzähmbaren Mini-Operetten ihrer Alben wieder ein bisschen näher zusammenrücken ließ. Eines Elements, wie der Geschichte des Gille de Rais, eines französischen Aristokraten aus dem 15. Jahrhundert, der der Alchemie, Hokuspokus und Menschenopferung verfiel. Die diesem Album als Konzept dient. Und die Dani Filth hier auf seine Weise zum Besten gibt: hibbelnd, bebend und natürlich kreischend - eine Horde Bill-Kaulitz-Fans ist ein Pups gegen ihn. Die dazugehörige Musik ist auch auf "Godspeed on the devil's thunder" mit über siebzig Minuten Blankospielzeit wieder öffentlich ausgelebter Größenwahn in der Extended Edition - wer also noch mal schnell aufs Örtchen muss, soll das doch bitte tun, bevor er diese Platte auflegt, danke.

Trotzdem findet sich bemerkeswert viel Profil und Wiedererkennungswert in diesem unaussprechlichen Gemenge aus Metal, Klassik, Gruftmief, B-Movie-Ästhetik und den Munsters. So bringen Cradle Of Filth ihr "The death of love" bedrohlich nahe an Gothic-Bodensatz, den man seit dem Geht-Gar-Nicht-Posing von Within-Temptation-Videoclips so richtig fürchten gelernt hat, überschreiten diese Grenze jedoch nicht. Sondern kriegen die Kurve zu Handgemachtem: zweistimmigen Gitarrensoli und mindestens einem Riff, das einen mit der Zunge schnalzen lässt. Und wenn Dani Filth in "Darkness incarnate" von den Gräueltaten des de Rais berichtet, dann ist er hörbar in seinem Element. Ganz der Performer. Ganz der Grimassenschneider, den dieses bisschen Horrorshow braucht.

Alleine schon der Einstieg in dieses Album ist beachtlich: An "Shat out of hell" ist nicht nur der Titel kurzweilig. Auch sonst vereint es viele Stärken von Cradle Of Filth in sich. Rasende Gitarren, infernalisches Geklimper und Dani Filth, dem wohl gerade mal wieder jemand den Lümmel in die Schraubzwinge geklemmt haben muss. Wäre da nicht ein Mittelteil, in dem die Band das Klimbim um ihre Musik herum mal wieder bis zum Anschlag aufdreht, ein Mittelteil, in dem sie ihren ohnehin schon immer vorhandenen Hang zu Überlängen strapaziert, dann hätte man "Godspeed on the devil's thunder" erst recht als Alternative zur Hand. Nämlich dann immer, wenn man jemandem erklären möchte, warum Cradle Of Filth so gut sind. Warum sie in ihren besten Momenten mehr sind, als eine plakative Schockband, mit der man Muttis vergrault. Gut, das sind sie natürlich auch. Bis auf weiteres immer noch griffbereit in der Westentasche: "Dusk and her embrace" von 1996.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Shat out of hell
  • The death of love
  • Darkness incarnate

Tracklist

  1. In grandeur and Frankincense devilment stirs
  2. Shat out of hell
  3. The death of love
  4. The 13th Caesar
  5. Tiffauges
  6. Tragic kingdom
  7. Sweetest maleficia
  8. Honey and sulphur
  9. Midnight shadows crawl to darken counsel with life
  10. Darkness incarnate
  11. Ten leagues beneath contempt
  12. Godspeed on the devil's thunder
  13. Corpseflower

Gesamtspielzeit: 71:21 min.

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