Snow Patrol - A hundred million suns

Snow Patrol- A hundred million suns

Polydor / Universal
VÖ: 24.10.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Länge mal Breite

Es gäbe viele Gründe, Snow Patrol inzwischen abgrundtief zu hassen. Man hat die flachen Ansagen der verachtenswerten Schar anbiedernder Radiomoderatoren satt! Man hat "Chasing cars" in seinem Leben schon viel zu oft gehört. Und man hat Gary Lightbody unlängst in die Reihe der James Blunts dieser Welt einsortiert. Kaum hat man sich in einen Rausch der heilsamen Echauffierung verzettelt, sorgt "A hundred million suns" für Verwirrung. Es ist mal wieder so gut, dass all den schönen Vorbehalten das Feuer unterm Hintern gelöscht wird.

Würde man Lightbodys Stimme auch zu gerne vorsätzliche Heulsusigkeit vorwerfen, da windet er sie im finalen, 16-minütigen Opus "The lightning strike: (I) What if this storm ends, (II) The sunlight through the flags, (III) Daybreak" so erwärmend über die wuchernde Melancholie, dass einem das Herz gefriert. Sie bleibt die Geheimwaffe der Band. Die Melodien erheben sich über tragische lyrische Szenarien, traurige Bilder bauschen sich in der Phantasie des Hörers auf, bis der ergreifende Hoffnungsschimmer die Wogen glättet. Der Choral, die Trompeten, der marschierende Rhythmus, das Piano, die Elektronik: Die Trilogie "The lightning strike" ist waghalsig, mutig und schlicht: ganz groß.

Bis der wundervolle Abschluss der Platte allerdings Einzug erhält, ereignet sich so allerlei. Der aufgeladene Gitarrenpop von "If there's a rocket tie me to it" bricht als Hymne hervor. Die Verehrung vor Ex-Mitglied Iain Archer mit dem tieftraurigen "Lifeboats" ist wunderbar, das Ende grandios. Auffallend viele elektronische Spielereien verzieren die Songs, Streicher werden häufig sehr dezent eingesetzt, leise Chöre erzeugen eine aufbauende Wärme. All diese Attribute sorgen dafür, dass "A hundred million suns" sehr elegant wirkt. Doch warum ausgerechnet das vergleichsweise eher langweilige, konventionelle "Take back the city" als Single ausgekoppelt werden musste, beantwortet die Platte nicht.

Dass auf einer Länge von knapp 60 Minuten nicht immer alles in den geordneten Bahnen verlaufen kann, beweist neben besagter Single auch das schlicht übers Ziel hinausschießende "Please just take these photos from my hands". Ein fulminanter Klopfer, der sich als "You're all I have" viel besser angehört hatte. Doch sind dies nur winzige Wermutstropfen, kleine Schwächen einer überzeugenden Platte. Und noch eine Bitte: Liebe "Ich höre alles, was im Radio läuft"-Fans, hört auf, Euch auf Snow-Patrol-Konzerten zu vereinigen. Es ist nicht zu ertragen.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • If there's a rocket tie me to it
  • The golden floor
  • The lightning strike: (I) What if this storm ends; (II) The sunlight through the flags; (III) Daybreak

Tracklist

  1. If there's a rocket tie me to it
  2. Crack the shutters
  3. Take back the city
  4. Lifeboats
  5. The golden floor
  6. Please just take these photos from my hands
  7. Set down your glass
  8. The planets bend between us
  9. Engines
  10. Disaster button
  11. The lightning strike: (I) What if this storm ends, (II) The sunlight through the flags, (III) Daybreak

Gesamtspielzeit: 58:16 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
a thousand suns
2011-07-22 17:18:20 Uhr
das ironische ist ja, dass sie selbst mit diesem relativ billigem kram immer noch besser klingen als dredg und der dan-automator-unfall...
Traurig
2011-07-21 23:08:54 Uhr
Was ist dieser neue Song nur wieder für eine glattgebügelte Dance-Scheiße!?
Ich habe echt gehofft, dass die Band sich nochmal fängt und wieder anfängt, weniger Musik für zahnspangentragende Grey's Anatomy-Fans zu machen und wieder richtig gute Musik für musikbegeisterte rausbringt. Aber das kann man dann wohl vergessen. Traurig. Sehr sehr traurig.
order plz
2011-07-21 22:56:26 Uhr
und was hat das ganze noch mit den million suns zu tun?
Tintin
2011-07-21 22:45:01 Uhr
Neue Single, gar nicht mal schlecht
http://www.youtube.com/watch?v=wH70oczxqOU
jo
2008-11-09 14:38:52 Uhr
Ich finde sie auf jeden Fall besser als die letzte. Ein dickes Plus ist auch, dass keine Martha Wainwright mehr mitmacht...
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