Lunatic Soul - Lunatic Soul

Lunatic Soul- Lunatic Soul

K-Scope / Snapper / SPV
VÖ: 17.10.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Raus aus der Tretmühle

Wo nehmen manche Musiker eigentlich diese Kreativität her? Bei Riverside zum Beispiel könnte man meinen, sie seien nach ihrer nicht eben unambitionierten "Reality dream"-Trilogie geistig ausgewrungen. Hat sich was, sie sind bereits im Studio für den Nachfolger. Und der Frontmann und Chefdenker? Macht zwischendurch noch mal eben ein Solo-Album. Nun ist Lunatic Soul für Mariusz Duda wahrlich kein Abfalleimer für gescheiterte Ideen, sondern eher Ventil für Einflüsse, die so gar nicht zu Riverside passen wollen. Als da wären: Ambient, orientalische Klänge, keyboardgenerierte Klangteppiche statt satter Gitarren.

Damit gleich gar keine falschen Befürchtungen in Richtung "Ausschuss" kommen, ist "Lunatic Soul" en passant ein Konzeptalbum über den Tod, die eigene Vergänglichkeit und die Kernfrage "Was bleibt?" geworden. Dies im Hinterkopf, muss man wahrlich kein Prophet mehr sein, um tendenziell düstere Klänge zu erwarten. Umso effektiver ist ein Stück wie "Out on a limb", das wie Riverside unplugged beginnt, dem Hörer dann aber mit gesampeltem (und alles andere als kitschigem) Schluchzen im Mittelteil fulminant den Boden unter den Füßen wegzieht.

Und wenn man schon fällt, kann man auch gleich voll abtauchen. Nämlich in dichte Arrangements, kongenial instrumentiert durch Gastmusiker wie Riverside-Kollege Michal Lapaj. Ergänzt durch eine Fülle von Instrumenten, die im Genre immer mal wieder auftauchen, wenn die Krachfraktion Ruhe hat, wie E-Bows und diverse Flöten. Auch wenn es Duda damit beim Instrumental "Where the darkness is deepest" ein bisschen übertrieben hat, sollte der Kopfhörer also wieder einmal mehr in Griffweite sein. Dennoch wirkt "Lunatic Soul" zu keiner Weise verkopft, eher wuchtig wie Antimatter und entrückt wie eine Steven-Wilson-Produktion - in seiner ganzen Schönheit am deutlichsten bei "The final truth".

An dessen Ende steht ein Neuanfang, eine Wiedergeburt. Etwas Neues musste Mariusz Duda auch mit "Lunatic Soul" starten. Raus aus der Tretmühle, die eigenen Gedanken treiben lassen. Selbstreflexion galore. Was also bleibt (um auf eine der eingangs gestellten Fragen zurückzukommen)? In Dudas Konzept zunächst Zweifel: "What will survive of me / A cardboard box with thoughts inside." In der realen Welt allerdings entsteht so ein Stück Musik, das man nach dem nächsten Riverside-Album vielleicht einmal "kathartisch" nennen wird. Wir nennen es für den Moment "wunderschön".

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Out on a limb
  • Lunatic soul
  • The final truth

Tracklist

  1. Prebirth
  2. The new beginning
  3. Out on a limb
  4. Summerland
  5. Lunatic soul
  6. Where the darkness is deepest
  7. Near life experience
  8. Adrift
  9. The final truth
  10. Waiting for the dawn

Gesamtspielzeit: 46:49 min.

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