Anthony Green - Avalon

Anthony Green- Avalon

Warner
VÖ: 24.10.2008

Unsere Bewertung: 2/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Von und zu Valium

Die Geschichte vom Mittteilungsbedürfnis der Menschen ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Wenn abends im Programm der Privaten die versammelte Riege der Feierabendkomiker und Schnabbeltassen ihre Quoten-Zoten durchzieht, dann mag manch einer einfach weghören. Wenn unter dem Banner des Web-2.0-Booms Millionen Blogs und Myspace-Profile Nichtigkeiten verbreiten, dann mag manch einer einfach wegklicken. Wehe jedoch, wenn mal ein Musiker meint, alles, was er mache, sei es wert, publiziert, beworben und veröffentlicht zu werden! Vielleicht lässt sie sich ja mittlerweile dann und wann wegklicken, die Musik. Die Technik macht so einiges möglich. Doch Weghören, das gelingt keinem Musikfan, der was auf sich hält. Der Ärger ist also vorprogrammiert. Im Falle von Anthony Green, der sonst am ehesten als Sänger von Circa Survive bekannt ist, ist dieser ganz besonders bittere Drops anlässlich seines Soloalbums "Avalon" schnell gelutscht.

Der Rocksänger, der alleine loszieht, um mit Akustikgitarre und Eigenbau-Stücken ein bisschen Ausgleich zum Bandalltag zu schaffen, auch mal was anderes zu versuchen – er mag ein Phänomen sein, das beinahe selbst schon zu seinem eigenen Klischee geworden ist. Bei Green jedoch wünscht man sich, dass er das mit dem Alleingang in Zukunft besser hinter verschlossener Türe tut. Keine zehn Minuten ist "Avalon" alt, da stellen sich bereits die ersten dringenden Fragen. Es sind Fragen, liebe Leserinen und Leser, die sich ein jeder schon einmal gestellt haben mag. Es sind Fragen, wie sie sich ein jeder Künstler als Reaktion auf sein Schaffen nur wünschen kann. Es sind Fragen wie: "Kommt da jetzt noch was?" Es sind Fragen wie: "Ist das denn alles?" Und es sind Fragen wie: "Hallo, wach?"

Dabei ist bis dahin eigentlich nicht mal sonderlich viel passiert. Gut, Anthony Green hat mittlerweile zum vierten Mal den Dackelblick aufgesetzt und mit seiner durchaus bemerkenswerten Stimme, die Höhen ersteigt, wie sie die meisten seiner weiblichen Kollegen nie zu Gesicht bekommen, ein paar Stücke angestimmt. Dazu ein bisschen auf seiner Klampfe rumgezupft, den ganz netten Chris-Carrabba-Gedächtnisfonds-Song "Dear child (I've been trying to reach you)" fertig gespielt und dabei eigentlich ganz fesch ausgesehen. Aber großartig passiert? Ist eben nichts. Dass man ihm dennoch nicht auf die Schulter klopfen, sondern in den Hintern treten möchte, liegt an dreierlei Ursachen. Die erste: dass bis dahin nicht mal sonderlich viel passiert ist. Die zweite: ebenso. Die dritte: Macht jetzt bitte das Licht aus! Denn es scheint früh offensichtlich, dass sich Anthony Green den unaufgeregtesten Schlafliedern verschrieben hat, die man sich überhaupt nur vorstellen kann. Mehr seicht und mehr gepflegte Langeweile geht kaum. Wir haben das eben erst noch ausprobiert, auch deshalb die lange Vorrede. Entschuldigung.

Um das wieder gutzumachen, im folgenden eine gut gemeinte Warnung. Es mag sie ja geben. Ausschließen kann man das nie so ganz. Eine Paralleldimension zu unserer eigenen, in der man sich zu Anthony Greens "Miracle sun" in den Armen liegt, in der man zu Anthony Greens "Califone" den Sonnenaufgang beobachtet und zu Anthony Greens "She loves me" am Lagerfeuer schunkelt. Es muss eine Dimension sein, in der Menschen zu Cat Stevens "The first cut is the deepest" Polonaise tanzen. Eine Dimension, in der Menschen zu Simon & Garfunkels "Bridge over troubled water" Kickbox-Weltmeisterschaften eröffnen. Eine Dimension, in der man sich zu "Ein bisschen Frieden" die Fresse poliert. Eine Dimension, die kein Mensch je erleben möchte.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Stonehearted man

Tracklist

  1. She loves me so
  2. Dear child (I've been trying to reach you)
  3. Drugdealer
  4. Stonehearted man
  5. Babygirl
  6. Miracle sun
  7. Califone
  8. Springtime out the van window
  9. Slowing down (long time coming)
  10. The first day of work the the microscope store
  11. Devils song (this feels like a nightmare)
  12. Babysong (High and driving EP version)
  13. The first day of work at the microscope store (Hight and driving EP version)
  14. The fisherman will be bewildered (High and driving EP version)
  15. Plays ugly for daddy (High and driving EP version)
  16. She loves me so (Demo)
  17. Stone hearted man (Demo)
  18. Slowing down (Demo)
  19. Devils song (Demo)
  20. Dear child (I've been trying to reach you) (Good old war version)

Gesamtspielzeit: 65:15 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Eurodance Commando
2009-04-13 14:44:38 Uhr
Wenn Green hier für seine Solo-songs 2/10 bekommt, wer schreibt denn da die tollen Circa-Survive-Songs ???
Eurodance Commando
2009-04-13 14:44:27 Uhr
Wenn Green hier für seine Solo-songs 2/10 bekommt, wer schreibt denn da die tollen Circa-Survive-Songs ???
Eurodance Commando
2009-04-13 14:44:06 Uhr
Wenn Green hier für seine Solo-songs 2/10 bekommt, wer schreibt denn da die geilen Circa-Survive-Songs ???
J.R
2008-12-30 18:59:02 Uhr
war dann doch eher einer der Reinfälle in diesem Jahr

5/10
rocko
2008-12-30 14:17:01 Uhr
Die Platte ist jetzt nicht das musikalische Highlight des Jahres, aber 2/10 finde ich schon ein bisschen mager.
Gut, vielleicht wirken einige Songs ein bisschen kitschig, aber "Dear Child" oder "Stone Hearted Man" halte ich für wirklich gute Stücke. Auch dass die zweite Hälfte des Albums beinahe nur aus Demo-Versionen der vorangegangen Liedern besteht, ist vielleicht nicht optimal, aber je öfter ich mir die Platte anhöre, umso mehr gefällt sie mir.
Ist natürlich alles Geschmackssache, aber mich haut allein schon die Stimme so um, dass ich die Bewertung bedeutend besser ausfallen lassen würde ...
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