The Wave Pictures - Instant coffee baby

The Wave Pictures- Instant coffee baby

Moshi Moshi / Cooperative / Universal
VÖ: 24.10.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Reife Früchte

Sie gehören zu den Vernünftigen. Zu denen, die Mamas und Papas Vorschlag annehmen und ihr Studentendasein nicht ohne ordentlichen Abschluss hinter sich lassen, um erst dann im bunten und schnelllebigen Popzirkus ausgebildet zu werden. 1998 gegründet, verbrachten The Wave Pictures erst einmal gute zehn Jahre unter Verschluss, veröffentlichten sechs nur schwerlich aufzutreibende Homerecording-Alben und tourten im Vorprogramm oder als Backing Band von Gleichgesinnten wie Darren Hayman, The Mountain Goats oder dem leider viel zu unbekannten Genius Jeffrey Lewis. Auch ein Coveralbum von Herman-Düne-Songs gehört zu dem frühen Repertoire, das man selbst nicht wirklich allzu ernst nahm. Erst mit "Sophie", der kaum beachteten Vorgängerplatte zu "Instant coffee baby", erhoben sich die drei Mitglieder der englischen Band über ihren D.I.Y.-Status und fingen an, sich einen eigenen Namen zu machen. Die Singles "We dress up like snowman", "I love you like a madman" und "Strange fruit for David" waren verdienter Stein des Anstoßes und sind Grund genug, dass ihr offiziell zweites Album nun auch in unseren Landen durch die Presse rutscht.

Bei aller Vernunft, die David Tattersall (Gitarre, Gesang), Franic Rozycki (Bass) und Jonny ''Huddersfield'' Helm (Drums) von Haus aus mit sich bringen: In ihrem Schaffen unterliegen sie einer bewundernswerten Narrenfreiheit, die sowohl ihren Sound als auch die lyrischen, manchmal schwer zu deutenden Assoziationen von Songschreiber Tattersall bestimmen. So lausche man folgenden spaßigen Zeilen, die sich mit einem himmlisch-melodischen Refrain aus kantigen Jingle-Jangle-Intervallen erheben: " A sculpture is a sculpture / Marmalade is marmalade / And a sculpture of marmalade is a sculpture but it isn't marmalade." Das Schöne ist: Man braucht sich noch nicht mal an diesen feinen Zeilen von "Strange fruit for David" festzuklammern, auch wenn der Moment, wenn Tattersalls näselndes, bissiges Genöle feinstem Ariengesang weicht, jeden noch so schüchternen Feingeist der Extroversion nahebringt und langanhaltenden Jubel nach sich zieht. Denn sie findet sich in vielen Abschnitten von "Instant coffee baby", diese literarische Spinnerei und wohlbekömmliche Eigenart, die Kreativität und Hingabe von Seiten des Hörers einfordert.

Damit sich aber die Popkultur (über die Tattersall gekonnt zu reflektieren weiß) nicht wieder einzig und allein an textlichen Höhenflügen aufhängt, die sonst nichts zu bieten haben, überzeugen The Wave Pictures auch an ihren Instrumenten. Wie im sarkastisch-bösen "Kiss me", das zu Beginn die Verhältnisse von wirklich guten Alben richtig stellt und mit einem eindrucksvollen, garagigen Gitarrensolo abschließt. Ein Solo, wahrlich auf den Punkt gebracht: nicht selbstverliebt, sondern im Fluss von rhytmischem Minimalismus mit authentischer Lo-Fi-Struktur. Neben diesen eigenständig erbrachten Eruptionen bündeln die quirligen Engländer ihre vielen famosen Referenzen zu einem Idealbild. Allen voran der oben genannte Darren Hayman, Wegbegleiter und Ex-Frontmann von Hefner, der Pate von "Instand coffee baby" zu sein scheint. So hört man seinen schief-schrägen britischen Folk mit fein gespielter Viola an allen Ecken und Enden heraus. Dazu Jonathan Richmans süßlich-infantiles Melodienspiel, die innovative Gitarrenarbeit eines Tom Verlaine, Dan Treacy oder Stephen Malkmus, der weitreichende Flow von The Feelies und The Velvet Underground. The Wave Pictures schaffen den Sprung nach oben. Und ehren ihre Eigenarten und langjährig aufgesogenen Einflüsse mit einem grandiosen Debüt für die Massen.

(Markus Wollmann)

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Highlights

  • I love you like a madman
  • Kiss me
  • Red wine teeth
  • Strange fruit for David

Tracklist

  1. Leave the scene behind
  2. I love you like a madman
  3. We come alive
  4. Kiss me
  5. Instant coffee baby
  6. Avocado baby
  7. Friday night in Loughborough
  8. Red wine teeth
  9. Strange fruit for David
  10. Just like a drummer
  11. I remembered
  12. January and December
  13. Cassius Clay

Gesamtspielzeit: 46:29 min.

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User Beitrag
Wow
2011-02-13 19:33:11 Uhr
gestern, im rahmen des wunderbaren one of a million festivals (noah & the whale, oh no oh my, the green apple sea ua.) live gesehen.....eines der besten konzerte, dass ich seit langen gesehen habe.
Mixtape
2008-11-09 12:10:15 Uhr
Ich sehe da überhaupt keine Parallelen zu den Libertines.
m.caliban
2008-11-09 10:52:20 Uhr
ich finds lahm, wie liberines für Wdr 4 zurechtgemacht
adwRXCVSDrwqre
2008-11-08 22:12:08 Uhr
Ist gerade meine Lieblingsscheibe!
Mixtape
2008-10-30 12:10:38 Uhr
Mehr Aufmerksamkeit bitte für dieses großartige Album. Wird gut plaziert sein in meinen Jahres-Top 10.
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