Euros Childs - Cheer gone

Euros Childs- Cheer gone

Wichita / Cooperative / Universal
VÖ: 24.10.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Strings of Nashville

Man hört es immer wieder von den wirklich wahren und wichtigen Experten: Die Proudzenten-Rolle ist überbewertet. Eins muss an dieser Stelle richtig gestellt werden: Es gibt, wie in den allermeisten Fällen, solche und solche. Man kratze sich bitte das Bild des tonnenschweren Geldgebers aus dem Kopf, der unschuldige Girl-Group-Acts mit einem satten Bündel großer, grüner Scheinchen lockt und ihnen mit bitterbösen Hintergedanken im Schädel den Weg zum Ruhm ebnet. In wesentlich anspruchsvolleren Gefilden sieht das nämlich anders aus. In Nashville zum Beispiel, wo Mark Nevers sein Zuhause hat. Dort findet sich ein voll funktionsfähiges, heimeliges Studio, in dem schon mancher Künster Blut, Schweiß und Tränen gelassen hat. Ein kleiner Auschnitt aus der bisherigen Gästeliste liest sich bunt und vielschichtig: die ortsansässigen Lambchop, die Country-Legenden George Jones und Bobby Bare, Tausendsassa Will Oldham, feine Damen wie Candi Staton und Simone White, Traumwandler wie The Clientele und die leider noch zu unbekannten Summer Hymns.

Den Weg nach Nashville zum Beech-House-Studio hat nun auch der Waliser Euros Childs gefunden, der mit "Cheer gone" sein viertes Album nach dem Split seiner früheren Band Gorky's Zygotic Mynci vorlegt. Sechs Tage hat es gedauert, und die Aufnahmen waren im Kasten. Ein relativ kurzes Unterfangen. Fast entschuldigend fügt Childs an, dass man auf Overdubs und sonstigen Schnickschnack verzichtet habe. Alles first oder second take. Klarstellen möchte er auch, dass "Cheer gone" kein Country-Album sei. Recht hat er. Und doch saust er in aller Leichtigkeit durch jede Zeile, der Einfluss der Umgebung: von Nahsville, von Folk, Country und Americana, von Lap Steel, Pedal Steel, Fiddle und Banjo. Die Überlieferungen von Gorky's Zygotic Mynci, der psychedelische Pop mit manch ekstatischem Ausreißer, der vor allem Childs erstes Soloalbum "Chops" geprägt hat, ist dagegen fast gar nicht mehr zu hören.

Bei all den umliegenden, greifbar nahen Referenzen, die zur oberflächlichen Kopie verlocken, sind es aber immer noch der betörende, spartanische Kammer-Folk-Pop und Childs feminin anklingendes Gesangsorgan, die "Cheer gone" auszeichnen und den Ton angeben. Düsterer und selbstverlorener in den Nuancen, sei dazu gesagt. Verlust und Verlangen bilden den lyrischen Standard. So höre man das von akustischer Gitarre angetriebene kühle Klagelied "Farm hand murderer" in minimalistischer Ausrichtung. Ebenfalls getrieben von schwarzen Gedanken und inspiriert von Nick Drake und britischem Folk, ist "Love is gone", mit hypnotischem, frei fliegendem Banjo. Mark Nevers setzt derweil die Feinheiten, ist er doch ein Meister darin, den Raum bei jedem noch so sprödem Songwriting voll klingen zu lassen und damit fehlende Intensität herauszufordern. Geschafft hat er das in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit Childs auch auf "Cheer gone", das mit "Sing song song" zum Schluß doch noch das Tempo aufs Allerherzlichste anhebt. Die großen, grünen Scheinchen - man wünscht sie beiden.

(Markus Wollmann)

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Highlights

  • Always thinking of her
  • Farm hand murderer
  • Sing song song

Tracklist

  1. Autumn leaves
  2. Summer days
  3. Her ways
  4. Nineteen fifties
  5. My love is gone
  6. Always thinking of her
  7. Farm hand murderer
  8. Saving up to get married
  9. O ein dear
  10. Medicine head
  11. Sing song song

Gesamtspielzeit: 32:25 min.

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