Max Tundra - Parallax error beheads you

Max Tundra- Parallax error beheads you

Domino / Indigo
VÖ: 17.10.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Das Kleingedruckte

In Suppe ist manchmal mehr drin als man glauben will. Bei Jerry Seinfeld wurde schon der reine Akt der Bestellung zu einem religiösen Ritual aufgeblasen, das nicht nur George Costanzo einmal mehr in den Wahnsinn trieb. Lenny Kravitz legte sich wegen der Veröffentlichung seines "Baptism"-Albums in penibel abgeschmeckte Tomatenbrühe ein. Und bei Max Tundra gibt es zur neuen Platte jetzt eine Dose Hühnchensuppe dazu - zumindest für 200 hungrige Downloader von "Parallax error beheads you". Vorher hatte der Londoner Electro-Whiz seine Fans klugerweise auf strenge Sechs-Jahres-Diät gesetzt; nach zwei hervorragenden Alben zu Beginn des Jahrtausends verlegte sich Tundra auf Abwesenheit. Er lässt sich eben nicht gerne reinreden.

Nachdem nun "Parallax error beheads you" aber fertig und da ist, erübrigen sich alle Fragen zu Arbeitsmoral und -tempo von selbst: Wer ernsthaft vorhat, seine eigene Version der Pop-Geschichte von den Anfängen bis heute zu erzählen, braucht dafür eben ein bisschen Zeit. Jedes der zehn neuen Tundra-Stücke ist ein Musiklexikon für sich, die Homebase ist immer ein Computer, aber durchprobiert wird nun wirklich alles, was als Kombination von Melodien, Stilrichtungswechseln und Tönen denkbar ist. "Gum chimes" beginnt als Gegenüberstellung zweier verfremdeter Tasteninstrumente, futtert sich dann mit honigsüßen Vocals durchs Frühstücksradio und ist längst noch nicht am Ende, wenn Marschtrommeln und Fisher-Price-Fanfaren ihr ganz persönliches Wettwachsen in den Himmel veranstalten. Dass Tundra mit den ersten zehn Sekunden von "Will get fooled again" vorführt, wie einfach es für ihn wäre, einen Indierock-Gitarrenhit zu schreiben? Hat er sich verdient.

Auch dieser Track entscheidet dann doch, in alle Himmelsrichtungen gleichzeitig aufzuplatzen - getrieben von einem Reform- und Umziehwillen, der "Parallax error beheads you" sogar an Kirmestechno, HipHop und den Musik-Fragmentierungen von Laptop-Akademikern wie Matmos oder The Books vorbeiführt. Besonders wohl fühlt sich die Platte allerdings dort, wo die achtziger Jahre ranzig wurden: Tundra besucht Easy Listening und käsigen Softrock, pickt sich die guten Stücke raus, zitiert, verschiebt, geht ins Detail und wird mit "Nord lead three" zum Garagenpunk, der sich von seinem eigenen Hausroboter die Gitarre verstimmen lässt. "Parallax error beheads you" kann sich dabei schon mal im stets sehr hohen Tempo verstricken oder auf planloses Übungsgedudel zurückfallen, wo es einfach den Stecker ziehen sollte. Tundra aber fängt all das mit großem Eifer und Enthusiasmus auf. Er ist die Ein-Mann-Wikipedia der Popmusik - nur ohne die ganzen Flüchtigkeitsfehler.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Gum chimes
  • Will get fooled again
  • Which song

Tracklist

  1. Gum chimes
  2. Will get fooled again
  3. Which song
  4. My night out
  5. Orphaned
  6. Nord lead three
  7. The entertainment
  8. Number our days
  9. Glycaemic index blues
  10. Until we die

Gesamtspielzeit: 41:47 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
koe
2010-02-22 01:56:27 Uhr
Schoen mal wieder darueber zu lesen... . Schon lange nicht mehr gehoert.... .
Paul Paul
2010-02-21 21:32:20 Uhr
Heute im Golden Pudel Club, HH, wenn mir jemand zufällig über den Weg laufen möchte. ;)
georg
2008-10-21 19:08:28 Uhr
Ist auf jeden Fall ein super Album, nur dass die Songs gegen Ende der Platte wirklich ein bisschen schlechter werden und somit mit den drei Knallern am Anfang nicht ganz mithalten können.
Daen
2008-10-13 10:34:28 Uhr
Jae, aeh, ja.
Pascal
2008-10-12 21:52:26 Uhr
Fehlt Dir in England das "ä" auf der Tastatur, Dän? ;)
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