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Miss Li - Miss Li

Miss Li- Miss Li

Devilduck / Indigo
VÖ: 24.10.2008

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Die Braut, die sich traut

Wo hört Hässlichkeit auf und fängt Schönheit an? Ohne eine neue Diskussion anregen zu wollen, muss man einfach unverblümt objektiv feststellen, dass Miss Li zumindet mit dem Look auf ihrem Cover keine Jessica Alba ist und nicht das, äh, Wesen von Heidi Klum hat. Linda Carlsson alias Miss Li hat das selbst erkannt und reflektiert im gleichnamigen Song auf dem gleichnamigen Album: "Yes I'm ugly / And I wear all this make-up / Cus it make you think / I'm cute (...) I've got a pair of big ones / But the truth is without support / They're hanging down to my knees". "Miss Li" ist stellvertretend für das ganze Album ein tragikomischer Song, der Ehrlichkeit versprüht, Größe zeigt und damit schon einmal jeden Satz in den Schatten stellt, den Heidi Klum bei der Suche nach Topmodels bislang gesagt hat und wohl auch je sagen wird. Und plötzlich erstrahlt die Braut mit der Tischdeckenstrumpfhose in ihrer eigenen Schönheit.

"I write all the stupid songs / To find out what I'm doing wrong", singt Miss Li in "Seems like we lost it". Dumm oder simpel sind einzelne Textfragmente in der Tat: "The sky is blue my skirt is black / The fear of losing you is back" mutet so kindlich und nervtötend an, wie ihre Stimme mitunter klingt. "The morning sun is shining bright / The postman rides his yellow bike." Und so weiter. Während man andere Künstler mit dem nackten Zeigefinger auf der Anklagebank beschimpfen würde, schaut man bei Miss Li gerne darüber hinweg. Das liegt am Pippi-Langstrumpf-Effekt. Der hat auch niemand die Zöpfe lang gezogen, weil sie glaubt, zwei mal drei mache vier.

Miss Li hat ordentlich Spaß im Hirn und überträgt das etwa in "Ba Ba Ba", einen Ohrwurm erster Güte, der eigentlich davon handelt, mit einem Verflossenen wieder anzubandeln, allerdings klingt, als hätte sie gerade in ganz Schweden Klingelmännchen gespielt. Das Album "Miss Li" mag für Nörgler eintönig wirken, wegen der Dominanz des Pianos und dem cool gezupften Kontrabass im Stile einer Sechziger-Jahre-Kombo. Reduziert man den Sound jedoch darauf, übersieht man die geschickt gestreuten Bläser, verpasst die Polka in "Why don't you love me", wandelt nicht im Tango durch "Leave my man alone", schluckt nicht bei der Piano-Ballade "High on you", überhört die zahlreichen Tempowechsel innerhalb der Songs und wird wohl nie Stan Laurel und Oliver Hardy durch das Zimmer schimmern sehen.

Betrachtet man nur die wenigen textlichen Schwächen, versäumt man die Kate Nash-Momente wie "Leave my man alone you bitch" oder das Bester-Freundin-den-Schwarm-Ausspann-Szenario in "I'm sorry he's mine": "I am sorry that I lost you friend / But I would do it once again". Nicht zu vergessen die selbstdenunzierende Ehrlichkeit von Miss Li, immer wieder: "Yes I am Miss Li / Poor poor me / I am so tragic / This is the real truth about me." Das tragische Knallbonbon hat gesprochen.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Oh boy
  • Why don't you love me
  • Ba ba ba
  • Miss Li

Tracklist

  1. Oh boy
  2. Let her go
  3. I'm sorry, he's mine
  4. Gotta leave my troubles behind
  5. Why don't you love me
  6. High on you
  7. Kings & queens
  8. Seems like we lost it
  9. Leave my man alone
  10. Ba ba ba
  11. Miss Li
  12. Hard loved man
  13. Don't try to fool me
  14. Good morning

Gesamtspielzeit: 43:21 min.

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