Marbleheroes - Icicles cracking

Marbleheroes- Icicles cracking

Pyramid / Cargo
VÖ: 10.10.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Gletscher spalten

Finnland hat sich auch nach dreizehn Jahren EU-Mitgliedschaft nicht unterkriegen lassen. So stecken weiterhin im üblichen Mehrfach-Gebinde von Bier nicht läppische sechs, sondern gleich zwölf Dosen. Seine Eurovision-Song-Contest-Sieger haben seltsame Schminkgewohnheiten. Und die derzeit schickste Rockgruppe kommt mit ungewohnten acht Bandgliedern daher, von denen niemand eine Gitarre anfasst. Marbleheroes heißt das Objekt der Begierde und hat sich einer abgedunkelten Eleganz verschrieben, wie sie sonst nur Künstler wie VAST oder Archive hinbekommen.

Mit seinen bauchnabellangen Dreadlocks ist Sänger und Vordenker Seppo Santala schnell als Blickfänger der Marbleheroes ausgemacht, doch auch sein barmender Gesang sorgt für Aufmerksamkeit. Schon im Opener "Hold me down" spielt er sein Stimmvolumen aus und wandert von Betörung zu Flehen und von Zügellosigkeit zur Bedrohung. Dazu zeigt das bandeigene Streicherquartett, was man einem Synthesizer mit Violinen und Cello noch alles vormachen kann. Ein fließendes Klavier und das von J Salonen gerne um ein paar Ecken gespielte Schlagzeug tun ihr Übriges, um gleich am Anfang von "Icicles cracking" den gekonnten Artpop kinoreif zu inszenieren.

"So pretty bird, you say 'Sadness is pointless and selfish'", lästert Santala in "Scarecrow" und spielt weiter mit Opulenz und Dramatik, als wären es Bauklötze. Die schweren Streicher künden stets vom Unheil, das da zwischen den Zeilen lauert. Mit Zeilen wie "I tried to give you / All that you need / I tried to please you / Hopelessly" wächst die Verzweiflung. Der triphopinformierte Groove kommentiert das Drama trocken und feuert die Abwärtsspirale nur noch an, in die sich "Falling out of love" schon gestürzt hat.

Natürlich siedelt "Icicles cracking" in vielen Momenten nahe am Kitsch. Doch wenn sich in "Our sweetest dream" der schönste Traum zu unheimlichem Tonleitern und quengelndem Kontrabass in einen Alptraum verwandelt, hat das eine enorme Anziehungskraft. "Traveller" hüpft zu sanftem Jazz, während "The easy way" die Welt enden lässt und dazu im Takt tänzelt. Die delikate Produktion, für die die Finnen beinahe vier Jahre brauchten, verschafft den Songs "Icicles cracking" eine seltsame Größe. Wie das Prickeln eines alten Rotweins oder der Charme eines höflichen Vampirs.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Hold me down
  • Scarecrow
  • Our sweetest dream
  • The easy way

Tracklist

  1. Hold me down
  2. Scarecrow
  3. Falling out of love
  4. Our sweetest dream
  5. Traveller
  6. Was it worth it?
  7. The easy way
  8. One quiet moment
  9. Snow white dress
  10. Too easy for you

Gesamtspielzeit: 41:29 min.

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