1000 Robota - Du nicht er nicht sie nicht

1000 Robota- Du nicht er nicht sie nicht

Tapete / Indigo
VÖ: 26.09.2008

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Auferstanden aus Ruinen

In Hamburg lodern die Flammen wieder mächtig. All denjenigen, die die kuschelige Gefühligkeit vieler deutschsprachiger Gitarrenpopbands bekritteln, sei eine gute Nachricht überbracht. Es rafft sich gerade erneut eine kleine Szene zusammen, die mehr will als ein schickes Ramones-Shirt von H&M und den Parka aus dem Quelle-Katalog. Im Zentrum des sich ankündigenden Infernos stehen 1000 Robota, drei gerade-eben-so-Erwachsene, die zu Beginn des Jahres mit ihrer wohlbetitetelten "Hamburg brennt"-EP das zündeln begannen. Und was die jungen Herren seitdem und vor allem auf ihrem Debütalbum "Du nicht er nicht sie nicht" anzubieten haben, lässt selbst die alten Hasen bedröppelt dreinschauen.

Auch wenn es bei 1000 Robota nicht ganz ohne die Liebe geht. Oder zumindest das, was davon noch übrig geblieben ist, nämlich Verdrängung und ein Neubeginn. Sänger Anton Spielmann nimmt's mit seinen achtzehn Lenzen auf wie ein Alter: "Das Leben ist viel leichter hinter sich zu bringen / Wenn man ab morgens einfach nichts mehr spürt." Manche brauchen vierzig Jahre für so einen Satz. Der Rest des Albums, das in genügsamen 26 Minuten runtergebrettert wird, ist ein wahres Feuerwerk jugendlichen Überschwangs, bei dem jedoch noch nicht alle Zünder an ihrem korrekten Platz angebracht werden konnten. Die Intensität der frühen Tocotronic - ohne deren Intellekto-Attitüde - paart sich mit der energetischen Tanzbarkeit der Arctic Monkeys und einer großkotzigen Rotzigkeit, die ihresgleichen sucht.

Die Liebe zum Gemeinschaftserlebnis Pop, die die deutsche Indieszene um Tomte und Konsorten in den letzten Jahren auszeichnete, wird erst einmal gepflegt in Schutt und Asche gelegt. Auf den Ruinen stehen 1000 Robota mit sicherem Blick und brüllen munter ihre Parolen durch den Raum: "Schmeiß Dein Ego weg / Und feier das, was Du liebst", "Auf der Flucht versteckst Du Dich am besten in der Menge" oder "Heute darfst Du fressen / Ich lass mich von Dir fressen" schneiden sich durch die dicke Luft. Manches wirkt diffus, weniges übereifrig, aber das meiste treffsicher. Auch wenn noch nicht alles so sitzt, wie es könnte: Da wächst etwas ganz Großes in Hamburg. Der weiße Rauch über der Hansestadt ist bereits aus der Ferne zu sehen.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Mein Traum
  • Ich blicke an Dir vorbei

Tracklist

  1. Heute
  2. Trocknet Eure Tränen
  3. Mein Regen
  4. Oh Oh
  5. Moral
  6. 1234567
  7. Mein Traum
  8. Diese Brille
  9. 48 Stunden
  10. Ich blicke an Dir vorbei

Gesamtspielzeit: 26:32 min.

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