Rahim - Laughter

Rahim- Laughter

Pretty Activity / Flameshovel / Cargo
VÖ: 10.10.2008

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Im Halse

Im Zeugenschutzprogramm des FBI wechselt man bekanntlich die Personendaten aus, um eine ganz neue Identität zu erhalten. Das hilft der Gerechtigkeit, weil so unbeeinflusste Aussagen vor Gericht gemacht werden können. Die vierköpfige Band Rahim hat es jedoch anders gemacht: Sie behielten ihren Namen und ihre New Yorker Herkunft und wechselten einfach ihre Musik aus. Das hilft der Kunst, weil so ein von Vorurteilen und falschen Erwartungen unbeflecktes Album entstehen konnte.

Statt mit schief gewickeltem Postpunk bringen Rahim ihre Zuhörer jetzt mit schief gewickeltem Indierock aus dem Takt. Wie bei ihrem zackigen Debüt "Ideal lives" half ihnen J Robbins (Channels, Ex-Burning-Airlines, Ex-Jawbox) dabei, die Songs für die Nachwelt festzuhalten. Und wie beim Vorgänger reißen sich die Songs einfach wieder los, weil sie nicht zu bändigen sind - aber dieses Mal in Zeitlupe.

Das zurückgeschraubte Tempo und die mollenen Stimmungen machen aus der Gymnastik eine nachdenkliche Übung. Die Quadratwurzeln des Mathrock sind denn auch nicht allzu fern. Und doch ist der nach dem philosophisch getauften Blubberbisschen "Death" erste richtige Song ein sofortiger Hit für die Postapokalypse. "The same" klopft auf den Toms und teilt die Melodie zwischen Bass und einem ätherischen Synthesizer auf. Michael Friedrichs ähnlich wie Elvis Costello näselnde Stimme klagt dazu sanft: "It's true / You are the same / As me." Schon fühlt sich eine möglicherweise positive Botschaft äußerst mulmig an.

"Laughter" steht für selbstbewusste Verunsicherung und für zukunftsfähigen Nihilismus. "My friends are beautiful, but they all know / That they're all accidents" heißt es in "Endless caverns". "Through a window" drückt sich mit subtilen Verrenkungen um die Eingängigkeit herum. "Of course" zelebriert die eigene Hilflosigkeit mit berückenden Melodien. "Vision" punktiert die Gitarren, wirbelt auf den Kesseln und hadert mit den Unzulänglichkeiten der eigenen Erinnerung. Dabei geht es jedoch nicht um chemisch unterstützte Filmrisse, sondern um unbewusste Veränderungen in der Umwelt. "I remember without benefit of vision." Zeilen wie "Cities change / Strangers and fools move in / This neighborhood is gone now" blicken wehmütig auf New York. In dieser Stadt kann einem manches Gelächter im Halse stecken bleiben. Rahim hören zu. Und sollten deswegen auch selbst Gehör finden.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • The same
  • Vision
  • Endless caverns
  • Of course

Tracklist

  1. Death
  2. The same
  3. Through a window
  4. Vision
  5. Endless caverns
  6. Tired man
  7. Cities change
  8. Of course
  9. Every passing night
  10. Dark harbors
  11. Laughter

Gesamtspielzeit: 30:37 min.

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