American Hi-Fi - American Hi-Fi

American Hi-Fi- American Hi-Fi

Def Jam / Island / Universal
VÖ: 13.08.2001

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Riesenblasen klebefrei

Verdammt. Siebenuhrirgendwas, der Wecker geht ohne Erbarmen zum x-ten Mal los und kümmert sich nicht darum, daß man in diesen warmen Hochsommernächten nicht wirklich schlafen kann. Der Schluck Wasser aus der Flasche am Bett macht auf ein weiteres Problem aufmerksam: Ein dichter Pelz belegt die Zunge. Zum Zähneputzen reicht die Zeit nicht, zum Frühstücken genauso wenig, und für den heißen Kaffee ist es nicht nur viel zu spät, sondern auch schon wieder viel zu warm. Schnell noch einen Kaugummi zwischen die Zähne geschoben und raus aus der Tür.

Schon nach ein paar Mal Kauen breiten sich Süße und eine angenehme Frische im Mund aus. Sogar der Blutzuckerspiegel steigt leicht an und schaltet den Kreislauf behutsam auf wach. Den Rest erledigt das akustische Kaugummi-Äquivalent aus dem Autoradio: "Flavour of the weak" von American Hi-Fi. Etwas ähnliches wie College Rock in Dur und schnell strömt aus den Boxen und verbreitet typisch amerikanische Heiterkeit - freundlich, aber weitgehend unverbindlich. Wäre diese Musik Verkäuferin in einem Supermarkt, hätte sie wegen ihres ständigen süßen Lächelns schon zum x-ten Mal den Titel "Mitarbeiterin des Monats" eingeheimst. Was soll's? Es ist ja noch frühmorgens, da braucht man das manchmal. So nickt der Kopf gelassen mit, und die Laune wird allmählich besser. Schon den zweiten Refrain kann man mühelos mitsingen.

Nach einer Weile aber wird der Kaugummi zu einem Fremdkörper in meinem Mund. Das ständige Wiederkäuen hat ihn hart werden lassen, und der frische Geschmack ist schaler Labbrigkeit gewichen. Den Hunger hat er nicht gestillt, nur einen Moment unterdrückt. Schon droht die Zunge wieder pelzig zu werden. Auch American Hi-Fi sättigt nicht wirklich. Nachdem der Atem erfrischt ist, sehnt man sich nach mehr Substanz. Leider laufen brauchbare Ansätze immer wieder ins Leere. So amerikanisch wie Wrigley's Spearmint können und wollen American Hi-Fi ihre Herkunft keine Sekunde lang leugnen. Immer wieder durchzuschmeckende Aromen von Cheap Trick oder Big Star sind jedoch selten von Dauer. Zwar zitiert man durchaus gekonnt die Smashing Pumpkins ("Safer on the outside") oder Nirvana ("Hi-Fi killer"), doch die Songs versanden in den allzu süßlichen Refrains. Dabei hätte mit veränderter Rezeptur und etwas mehr Mut zur Bitterkeit aus den Zutaten ein wirklich leckerer, herzhafter Snack werden können. Zur Zeit sind American Hi-Fi als Vorspeise von Bon Jovis aktueller Tour aber noch ganz gut aufgehoben.

(Rüdiger Hofmann)

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Highlights

  • Flavour of the weak
  • Don\'t wait for the sun
  • Scar

Tracklist

  1. Surround
  2. Flavour of the weak
  3. A bigger mood
  4. Safer on the outside
  5. I'm a fool
  6. Hi-Fi killer
  7. Blue day
  8. My only enemy
  9. Don't wait for the sun
  10. Another perfect day
  11. Scar
  12. What about today
  13. Wall of sound

Gesamtspielzeit: 48:56 min.

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