Zach Hill - Astrological straits

Zach Hill- Astrological straits

Ipecac / Southern / Soulfood
VÖ: 17.10.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Ein Weltraum voller Helden

Zach Hill ist wohl der Prototyp eines Autodidakten. Vor dreizehn Jahren brachte er sich selbst das Schlagzeugspielen bei, kreierte von Beginn an seinen ganz eigenen Stil und hat diesen mittlerweile bis zur Perfektion dramatisiert. So wie Hill schlägt heutzutage wirklich niemand auf die Felle und über die Strenge - so sehr, dass die Mitspieler seiner zahllosen Projekte oft genug noch nicht einmal hinterher wussten, wie ihnen dabei geschah. Verlieren konnten sie jedoch nicht: Hills Hyperaktivität auf Snare und Bassdrum kennt keine Opfer, bringt ausschließlich Helden hervor. Wer sich hier durchsetzt, hat nicht etwa gewonnen, sondern an einer heroischen Schlacht teilgenommen. Alle anderen sind zumindest einen echten Märtyrertod gestorben. Mit "Astrological straits" tritt Hill nun erstmals unter eigener Regie in den Ring. Und befiehlt sogleich all diejenigen ans Set, die sich schon in der Vergangenheit die Hi-Hat-Töne beibringen ließen.

Über Primus, !!! und The Flying Luttenbachers bis zu den Deftones, LCD Soundsytem oder No Age versammelt "Astroligical straits" alles, was dem Rock schon mal die Zacken aus der Krone gebrochen hat. Das Album ist ein echter Blockbuster des alternativen Rock-Castings und verfügt doch über einen Hauptdarsteller, der sich kaum die Show stehlen lässt. Hill gibt seinen mitspielenden Hochkarätern nicht allein Raum. Er bindet sie ein, lässt sie seine Vision teilen - und bearbeitet sie wie seine Trommelfelle: so lange, bis alle an einem Strang ziehen. Entsprechend zeigt sich "Astrological straits" als ein einziges Hin und Her zwischen Genre und Experiment. Hill schafft es durchgehend, den Anspruch seiner Songs auf populäre Verlaufsmuster im wahrsten Sinne in die Tonne zu kloppen, zugleich aber echte Perlen entstehen zu lassen. Wenn wie in "Dark art" oder dem Titelsong dicke Rockriffs aufzuziehen, so werden sie sofort gemörsert, zerbröselt, windelweich gedroschen. Sie zeigen sich aber kampferprobt genug, um sich doch irgendwann gegen Hills Berserkertum durchzusetzen.

In der Tat scheint von Claypool bis Moreno alles nur darauf zu lauern, dass Hills Tri- und Bizeps vor Erschöpfung kurzfristig bis zu den Kniekehlen schlackern, um sich angemessen nach oben zu schrauben. Hill antwortet dann als guter Gastgeber und zeigt sich gütig genug, um den ein oder anderen Kopfnickerbeat einzuschenken. "Ummer" gerät so zu einem überall zuckenden und knackenden Bigbeat, und "Stoic logic" ist ein echter Punk-Brummer, der ständig vor sich selbst davonläuft. Überhaupt spielen Hills Songs oft genug Schicksal mit sich selbst. Ihre Bestimmung wechselt so häufig wie ihr Temperament. Jedenfalls bis das eine eigene CD fordernde "Necromancer" sein Zielpublikum mit einer guten halben Stunde Schlagzeug- und Klavier-Halligalli derart wachrüttelt, dass es noch Tage später verwirrt durch die Straßen wankt. Die Schmeißfliegen-Kolonie, die den Kopf des Hörers bei derart superinfektiöser Hibbel-Mucke oft genug überfällt, ist damit zwar auch auf "Astrological straits" die dickste zu schluckende Pille. Doch dieser Schwarm bewegt sich in solch abgefeimten Figuren, dass es beinahe zu einem meditativen Showdown wird, ihm dabei zuzuhören. Ob die letzte Einstellung den Guten oder den Bösen gewinnen lässt, alle Beteiligten zur Rudelumarmung zusammenführt oder doch aus einer fußballplatzfüllenden Keilerei gen Weltall zoomt, lässt das Album ebenso offen wie das Schicksal seiner Protagonisten. Märtyrer oder Champions - auf "Astrological straits" ist das einmal mehr ein und dasselbe.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Dark art
  • Hindsight is nowhere
  • Astrological straits

Tracklist

  • CD 1
    1. Iambic straits
    2. Toll road
    3. Street people
    4. Dark art
    5. Keep calm and carry on
    6. Hindsight is nowhere
    7. Ummer
    8. Stoic logic
    9. Uhuru
    10. Momentum
    11. Unseen forces
    12. Tick on
    13. Astrological straits
  • CD 2
    1. Necromancer

Gesamtspielzeit: 92:38 min.

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