Brett Anderson - Wilderness

Brett Anderson- Wilderness

BA / Edel
VÖ: 17.10.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der Gratwanderer

Der arme Brett Anderson: Suede sind Geschichte, The Tears machen noch immer Pause, und er scheint demnach nicht wirklich viel zu tun zu haben. Gerade eineinhalb Jahre nach Veröffentlichung seines Solodebüts schiebt er nun seinen Zweitling nach; sei es aus Langeweile, überschäumender Energie oder unerschöpflicher Kreativität. Anders als auf "Brett Anderson" zeigt er sich hier hauptsächlich von seiner traurigen, zerbrechlichen Seite. Sanfte Melodien gehen Hand in Hand mit der alles anderen als dünnen Stimme des Engländers. Und doch: Obwohl es sich auf musikalischer Ebene reduziert hat, ist das Album an sich größer und tiefgehender.

Die Single "A different place" verspricht einen guten Einstieg und gibt gleichzeitig die Richtung für die folgende halbe Stunde vor. Streicher, ein Klavier, kaum hörbare Gitarrenarrangements und der Gesang Andersons sind im Grunde alles, was man hört und braucht. Jeder Song steht für sich allein und vervollständigt doch wieder das Ganze. "Chinese whispers" sorgt für Gänsehaut. Der mittlerweile 41-Jährige besingt das komplizierte Thema einer Liebe, die zerbrochen ist, mit einem herzzerreißenden "I don't need you, but I want you", nur um es im nächsten Satz wieder umzukehren. Überhaupt ziehen sich die Gegensätze auf dem Album förmlich an. "Clowns" hat natürlich nichts mit den lustigen Spaßmachern aus dem Zirkus gemein, sondern steht vielmehr metaphorisch für zwei Leute, deren Gesichter sich beim gegenseitigen Anschreien zu Fratzen verziehen. "Blessed", welches das einzige wirkliche Liebeslied des Albums ist, gibt sich diesem Umstand voll und ganz hin. Auch wenn die Botschaft - ich liebe dich mit all deinen Fehlern und Macken und all den Schwierigkeiten, die es in einer Beziehung geben kann - sicher nicht neu ist, vermittelt er sie mit der Hoffnung, dass es diese seltsame Sache namens "wahre Liebe"™ doch irgendwo gibt. Sogar im Herzen eines sonst so rastlosen Geistes, wie es der Sänger selbst zu sein scheint.

Anderson schafft auf diesem Album die schmale Gratwanderung zwischen emotionaler Tiefe und purem Kitsch meisterhaft. "Funeral mantra" beschwört die Dämonen, ohne dabei albern zu wirken. "Back to you", bei dem er von der französischen Schauspielerin Emmanuelle Seigner begleitet wird, steigert sich von Sekunde zu Sekunde, ohne jemals wirklich auszubrechen. Das abschließende "P. Marius" zeichnet dem Hörer eine wunderschöne Landschaftsidylle, lässt ihn aber am Ende mit dem mehrdeutigen "And I'll see you once again" in Unkenntnis darüber, ob es sich dabei vielleicht um ein verstecktes Liebeslied handelt. Genau das macht das Album aus: "Wilderness" ist nie einfach nur schwarz oder weiß, sondern immer mit diesem Wink versehen, der alles davor Gedachte über Bord werfen lässt.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Chinese whispers
  • Blessed
  • Back to you
  • P. Marius

Tracklist

  1. A different place
  2. The empress
  3. Clowns
  4. Chinese whispers
  5. Blessed
  6. Funeral mantra
  7. Back to you
  8. Knife edge
  9. P. Marius

Gesamtspielzeit: 32:46 min.

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User Beitrag
The MACHINA of God
2008-11-14 17:30:36 Uhr
Perfekter Rotwein-Soundtrack. Ich mag es sehr. Obwohl ich bis jetzt das Debut bevorzuge... besonders wegen "Infinite kiss".
Raventhird
2008-11-07 18:06:14 Uhr
Tolles Album. Aber insgesamt gleichen sich die Songs dann doch etwas. Der perfekte Soundtrack zum Suizid, jedenfalls ;).
Mr. Rail
2008-10-05 21:59:39 Uhr

...ach ja, ich geb' ne 7,5/10
Mr. Rail
2008-10-05 21:58:27 Uhr

Das perfekte Album für den Herbst!!!
musie
2008-09-05 10:53:47 Uhr
ich hatte den abgeschrieben. aber zumindest die erste hälfte und der schluss des neuen albums sind richtig gut.
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