Tom Morello: The Nightwatchman - The fabled city

Tom Morello: The Nightwatchman- The fabled city

Columbia / Sony BMG
VÖ: 26.09.2008

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Der Linke

Rote Banner wehen, aufrechter Zorn wallt auf, ehrlicher Schweiß tropft aus den Poren. Oder man steht eben mal vor einem Negativ der Stars And Stripes. Es ist klassische Arbeiterklassensymbolik, die Tom Morello als The Nightwatchman bemüht. Wer zur Achse der Gerechtigkeit gehört, kann nicht anders. Auch wenn er selbst schon den einen oder anderen Dollar mit anderen Aktivitäten gescheffelt hat, steht er auf Straße mitten in der nächsten globalisierungskritischen Kundgebung. Es ist immer die politisch korrekte Extrawurst, die sich Morello so brät. Wenn alle Welt Barack Obama als den Retter feiern will, hält Morello sein Ralph-Nader-Fähnchen stramm dagegen.

Morellos dunkle Kehle war schon auf dem Debüt "One man revolution" Motor der mit sozialdemokratischem Ernst aufgeladenen Protestsongs. Jetzt seien seine Texte persönlicher geworden, lässt er zu "The fabled city" wissen. Kryptische Entschlossenheit wie im flotten "Whatever it takes" gehört wohl dazu: "In my hands I hold the proof / That's something sure to hit you." Ein wenig Resignation macht sich auch breit: "It's over, man / You just don't know it." Das Leben ist schwer.

Mit dem Aufzählen von Ungerechtigkeiten allein lassen sich vielleicht Wahlen gewinnen, aber keine Platten verkaufen. Denn wer die Massen bewegen will, muss auch deren Melodien singen. So kennt "The lights are on in Spidertown" das stadionerprobte "Na na hey hey kiss him goodbye" von Steam, und zusammen mit Shooter Jennings rollt "The iron wheel" in Richtung Irish Pub. Allzu akademische Strukturen stehen der Revolution ohnehin nur im Weg. Harmonien aus der Mottenkiste hingegen lassen sich prima mitgrölen und fördern die internationale Solidarität.

Produzent Brendan O'Brien hat den rauen Schunklern ein paar scheppernde Grooves und flockige Banjo-Mätzchen spendiert. Morellos Folk hat sich so ein paar Hemdsärmel dazu verdient und darf jetzt auch schon mal einen stolzen Rock mit sich führen. Im Titelstück sind die Straßen mit Gold gepflastert, und das spukige "The king of hell" zieht dem Teufel den Thron unterm feurigen Arsch weg. Die Akustikgitarre schrubbt die Akkorde dazu gerne in schickem Moll. Und wenn's um die passende Stimmung geht, schwelgt im Hintergrund des molligen "Lazarus on down" zu stiller Akustikgitarre und einem Cello auch mal ein Serj Tankian mit.

Hier ist alles ganz aufrecht und engagiert und richtig und wichtig. Effektivität geht trotzdem anders. Dass "The fabled city" mit dem hitzigen Zorn von Rage Against The Machine immer weniger zu tun hat, ist dabei nicht einmal das Problem. "Night falls" schnarcht mit behäbiger Alte-Männer-Sensibilität weg. Im abschließenden "Rise to power" nimmt Morello dem eigentlich selbstbewussten Slogan durch sanftes Gurren jeden Schneid. Mit Wiegenliedern lässt sich die Welt aber kaum verbessern.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Whatever it takes
  • The lights are on in Spidertown
  • The iron wheel

Tracklist

  1. The fabled city
  2. Whatever it takes
  3. The king of hell
  4. Night falls
  5. The lights are on in Spidertown
  6. Midnight in the city of destruction
  7. Saint Isabelle
  8. Lazarus on down (feat. Serj Tankian)
  9. Gone like rain
  10. The iron wheel (feat. Shooter Jennings)
  11. Rise to power

Gesamtspielzeit: 39:52 min.

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