Blood Ceremony - Blood Ceremony

Blood Ceremony- Blood Ceremony

Rise Above / Soulfood
VÖ: 29.08.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Hexenküche

Rockmusik ist tot. Zumindest ihre Gefährlichkeit hat sie schon lange eingebüßt. Heavy Metal füllt Stadien, Punk die komplette Kölner Live Music Hall. Sich mit Schwimmärmchen, Quietscheentchen und Sauerstofflasche in die Badewanne zu begeben, birgt mehr Gefahrenpotenzial als beide Veranstaltungen zusammen. Es sind lediglich noch ein paar Randbezirke, eine Hand voll dunkler Ecken, in die sich kaum jemand ohne Begleitung wagt, die noch Hoffnung machen. Blood Ceremonys selbstbetitelte Langspielplatte ist in so einer zu Hause. Vielleicht nicht mal, weil ihre Musik über alle Maßen gefährlich wäre. Oder weil sie für die radikalsten Ansichten einträte. Sondern weil sie so was von gestern ist, dass sie kaum jemand mit der Kneifzange anpacken würde. Dem Zeitgeist einen Stinkefinger. Es lebe der Anachronismus!

H.G. Wells hätte seine wahre Freude an diesem Teil gehabt. Denn "Blood Ceremony" versetzt den Hörer gute drei Jahrzehnte in der Zeit zurück. Jeder, wirklich jeder Ton, jeder Anschlag, jede Akzentuierung atmet die Luft einer längst vergangenen Zeit. Blood Ceremony verbinden Riffs der klassischen Sabbath-Schule mit Folk, 70er-Prog und Psychedelic Rock. Dass ihre Sängerin Alia O'Brien an die legendäre Grace Slick erinnert, das kann kein Zufall sein. Wie steht's eigentlich mit Hammond-Orgeln? You bet.

Dass diese Platte nebenbei mehr ist, als eine Hommage an die Vergangenheit, sollte nicht ganz unerwähnt bleiben. Denn es ist diesem Umstand zu verdanken, dass sie überhaupt erst funktioniert, statt ein Dasein als leidlich unterhaltsames Retro-Gimmick zu fristen. Die Sorte, die sich zwar recht schick im Regal macht, die man aber eigentlich nie zu irgendwas gebraucht. Das Album mag nämlich ein Stück Musikgeschichte sein, vergisst im Hier und Jetzt allerdings niemals, ein gleichberechtigtes Studioalbum einer vollwertigen Band zu sein. Gute, eigene Songs und so.

Bemerkenswert sind vor allem die vielen reinen Instrumentalpassagen, die sich bei Blood Ceremony über Minuten ziehen können. Es ist nicht ganz überliefert, welche Pilze hier genau am Start waren. Und ob überhaupt. Aber wenn: Dosen-Champignons werden es nicht gewesen sein. Über trockene Riffs spielen Blood Ceremony Abfahrer-Flöten, die kaum mehr zu bremsen sind. Die zudem der heimliche Star der Platte sind. Grace Slick und Black Sabbath zum Trotz. Und davon abgesehen: Das ist mal eine verboten teuflische Allianz, sowieso.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Into the coven
  • Hop toad
  • Hymn to pan

Tracklist

  1. Master of confusion
  2. I'm coming with you
  3. Into the coven
  4. A wine of wizardry
  5. The rare lord
  6. Return to forever
  7. Hop toad
  8. Children of the future
  9. Hymn to pan

Gesamtspielzeit: 48:03 min.

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