Mothlite - The flax of reverie

Mothlite- The flax of reverie

Southern / Soulfood
VÖ: 19.09.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle

Wie man es auch dreht und wendet - alle Lieder kreisen um Hinterhalt und Tod. Jedenfalls wenn es nach Daniel O'Sullivan und Antii Uusimaki geht. Der Nachtfalterflug ihres Debüts "The flax of reverie" orientiert sich durch ein Sonar, das sich aufbäumt und wieder zusammensackt wie ein krumm getaktetes EKG - zwischen Herzstillstand und Arrhythmie ist hier alles drin, was den Lebensmuskel aus der Bahn kugelt. Mothlites Arrangements versuchen sich nie am geraden Flug, korrigieren ihre Winkel stets aufs Neue. Sie zielen auf Harmonie und Erleuchtung, operieren aber auch aus einer tiefen Dunkelheit heraus. Äußere Ausrichtung und innere Fixierung schlagen eine Schlacht um Schatten und Licht, und O'Sullivans Stimmerhebungen flimmern dazu wie weiße Flecken durch die Songs. Auch sie sind Öffnungen, Schlupflöcher und Einfalltore in tiefster Nacht, die Wege durchs Gestrüpp aufzeigen und doch die Falle stellen. Sie verlocken und werden ewig umkreist, um schließlich doch betäubt aus allen Wolken zu fallen.

Gleich "Riverside" stößt den Hörer in eine wegsterbende und wieder auferstehende Dubmosphäre - ein postapokalyptisches Sperrgebiet, durch das einst auch die frühen Elbow schlotterten. Zwischen Klavierauftakten und in Zeitlupe hüpfenden Gitarren und Drums flackern Klarinette und Saxophon herein, als habe sich die Beta Band auf Augenhöhe ihrer Pilzplantagen gemorpht und würde nun von hypnotisch vor sich hin wabernden Aga-Kröten durch die Walachei gejagt. Auch die halluzinogenen Trips von "Neverbegoodwood" und "Cauldron" lassen sich nie wirklich unter den Rock gucken. Sie sind in erster Linie visuell konzipiert, wirken aber trotz voller Dröhnung nie ätherisch, sondern höchst körperlich, sind an Body-Language interessiert. In ihrer Brust schlagen stets zwei Herzen zugleich: Die rechte, knöcherne Hand zieht sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf, während die linke den Nacken unter die Wasserfläche drückt.

So fährt man in dem mehrminütig dräuenden Intro von "The Untouched dew" mit der Gondel nach ganz tief unten. Ein Hellride der besonderen Sorte, vorbei an bitterbösen Twin-Peaks-Cellos und die Lebensuhr zäh herunterzählenden Klavierakkorden. Rechts neben einem: ein im choralen Selbstlamento vor und zurück schaukelndes Maskulinum, das seine Magengeschwüre von innen heraus verätzt haben. Und links ein dürres Kalkleisten-Bürschchen, das unter tiefen Paukenschlägen die Lippen zusammen und den Blick auf den Boden presst, und dem man weder ins Profil noch direkt in die Augen, geschweige denn in die Seele schauen möchte. Dann reißt für kurze Zeit der Horizont auf und gibt den Blick frei in den Bauch einer riesigen Höhle, mit eigener Rotationsachse, Atmosphäre und wie Warnfeuer blinkenden Fixsternen. Bis alles zu Zittern beginnt und im weißen Rauschen der Streicher und Samples zusammenkracht. Zum Schluss ein Zeitlupenlauf vorbei an den versammelten Verdammten dieser Erde, kein Gruß, kein Schulterklopfen, bloß ein Krümmen, Bibbern, Klagen. Dann ein Blinzeln. Schluss und aus. Schwarz, taub, allein. Im Himmel ist die Hölle los.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • The untouched dew
  • Cauldron

Tracklist

  1. Riverside
  2. The one in the water
  3. The untouched dew
  4. Neverbegoodwood
  5. Cauldron
  6. Hypnogogue

Gesamtspielzeit: 49:06 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Boneless
2009-10-11 18:56:21 Uhr
3 neue songs + ein songsnippet sind schon seit einer weile auf myspace zu hören.

dazu das hier:

The new one...
Friends, romans, etc,

We are snails. We move slow. But we leave trails.

The new Mothlite music is for larger creatures. Larger than ourselves. It's a jungle out there, as we're so often told. Time to see the giants with our own eyes.

"Zebras & Lions" is being assembled and we're nearly there. "Flax" was in the details, those details are now in "Flux". We hope you follow.

We're playing out a bit more often. Maybe a lot more, we'll see. You'll hear new things.


man darf gespannt sein.um einiges poppiger klingen die 4 neuen songs schonmal...und wunderbar!
fitzkrawallo
2008-11-29 13:32:52 Uhr
Recht hat er, Schwechater. Im Guapo-Unfeld ist dieses Jahr mal wieder EEEEEiniges los.
Mendigo
2008-11-29 13:26:39 Uhr
ganz groß.
dr.gonzo
2008-09-30 12:41:28 Uhr
^^ dito
toolshed
2008-09-29 01:27:58 Uhr
Ach was, war doch nur Spaß. :) Es haben hier aber defintiv schon mehrere ins Album reingehört, wie dem "Welches Album hörst du gerade"-Thread zu entnehmen ist. Wie auch immer. Diese Album ist großartig, es erfordert natürlich mehr Zeit und Aufmerksamkeit als die erwähnten A Whisper In The Noise + die Referenzen in der Rezension, der Lohn ist allerdings hier mehr als ausreichend, die Faszination wächst und wächst stetig.

Eine wirklich innovative, eigenständige Postrockband die einen wirklich glücklichen Fund darstellt. Ich bin erfreut und kann sie jedem nur empfehlen!

9/10.
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