Sparks - Exotic creatures of the deep

Sparks- Exotic creatures of the deep

Lil' Beethoven / Al!ve
VÖ: 04.10.2008

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Senior boys

Die schlechte Neuigkeit, die keine ist, ganz zu Anfang: Alter schützt vor Torheit nicht. Die gute: vor Cleverness, die Sparks alle paar Jahre von neuem unter Beweis stellen, genausowenig. Keyboarder Ron Mael hat inzwischen die 60 hinter sich gelassen, und sein Bruder Russell ist mit 55 Lenzen ebenfalls nicht schlecht bedient. Trotzdem wäre es verfehlt, bei "Exotic creatures of the deep" von einem Alterswerk zu sprechen. Es ist schlicht und ergreifend ein Sparks-Album. Übrigens das bereits einundzwanzigste. Was sie selbst am wenigsten beeindrucken dürfte, denn für Erbsenzählerei war bei den beiden noch nie Platz.

Der geht nämlich schon für viele andere Dinge drauf, die bei ihnen weiterhin ganz hoch im Kurs stehen: Grandeur und Camp auf textlicher wie musikalischer Ebene, Falsettgesang, Disco-Glam in Abendgarderobe, das ganze Programm. Und irgendwie ist es eine bizarre Selbstverständlichkeit, wenn Ron Mael dicke Klavierläufe, x-fach übereinandergeschichtete Vocal-Spuren und orchestrales Vaudeville zu Höhen auftürmt, von denen andere Duos nur träumen können, während Russell Mael auch im fortgeschrittenen Alter liebenswerte kleine Teenage-Angst-Dramen mit Mut zum Peinlichen und Verpeilten inszeniert. So das Aufwachen neben einer unbekannten Person am nächsten Morgen, das mit einem ratlosen "I must have been drinking / And said something clever" erklärt wird. Oder der Wunsch, mit der Liebsten auf der Rückbank mal richtig zur Sache zu kommen, während ein Schimpanse am Steuer sitzt. Dazu schrammen die Tasten stets zielsicher an etwas vorbei, das früher mal ein House-Piano gewesen sein muss, und die Streicher begeben sich im Hintern des Protagonisten auf hektischen Hummelflug.

Dass sie damit ungestraft davonkommen, ist für Sparks aber auch nach fast 40 Jahren immer noch keine Selbstverständlichkeit, zumal sie die eigene Musik und deren vermeintliche Unzulänglichkeit auch auf "Exotic creatures of the dark" mehr als einmal thematisieren. Faustregel: sich lieber mal selbst hinterfragen, bevor das jemand anders tun kann. Auch wenn sich die Maels im stillen Kämmerlein wahrscheinlich für Genies halten. Und sich deswegen sogar einen Spaß daraus machen können, im groben Rock-Shuffle "Lighten up, Morrissey" einen ihrer größten Fans wohlwollend auf den Arm zu nehmen. Über seichte Planschereien wie "I've never been high" oder das an sich großartige, aber leider mit deplatzierten Metal-Gitarren zugeschüttete "Strange animal" kann man da hinwegsehen - vorausgesetzt, der Song stiftet Limp Bizkit nicht dazu an, sich demnächst in Spandexhosen wieder zusammenzutun. Den fälligen Kommentar für alle, denen dieses Album doch wieder ziemlich gut gefällt, liefern Sparks auf "I can't believe that you would fall for all the crap in this song" dann auch gleich mit. Und sind vermutlich die einzigen, die wissen, ob das nun ernst gemeint ist oder nicht.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Good morning
  • Let the monkey drive
  • Lighten up, Morrissey

Tracklist

  1. Intro
  2. Good morning
  3. Strange animal
  4. I can't believe that you would fall for all the crap in this song
  5. Let the monkey drive
  6. Intro reprise
  7. I've never been high
  8. (She got me) Pregnant
  9. Lighten up, Morrissey
  10. This is the Renaissance
  11. The director never yelled "Cut"
  12. Photoshop
  13. Likeable

Gesamtspielzeit: 50:04 min.

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