TK Webb & The Visions - Ancestor

TK Webb & The Visions- Ancestor

Kemado / Rough Trade
VÖ: 29.08.2008

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Genialogie

Viele Menschen interessieren sich für die eigene Abstammung. Die meisten kennen zwar die eigenen Eltern und vielleicht Großeltern, ein paar Onkel und Tanten sind bekannt, aber sobald die Verwandschaftsbezeichnung ein "Ur-" oder gar "Urur-" enthält, wird die Luft schnell dünn. Häufig treibt dann die Hoffnung, vielleicht etwas königliches Geblüt oder ähnlich aufregendes in der Ahnenreihe zu entdecken, zur semiprofessionellen Familienforschung an. Vielleicht ist man ja gar mit einem waschechten Star verwandt.

Bei TK Webb & The Visions ist die Erkundung der Familienchronik viel einfacher. Die Bilder der Urgroßeltern hängen auf alten Postern im Proberaum: Die Stones, Led Zeppelin, die Doors in einer Seitenlinie sind die Größten unter Ihnen, Grateful Dead und Hawkwind nicht wesentlich kleiner. In den Generationen davor findet man erdige Bluesgrößen wie Muddy Waters, Howlin' Wolf oder Screamin' Jay Hawkins. Die Masters Of Reality sind Patenonkel und zu den zahlreichen Vettern zählen die Blues Explosion und Mudhoney.

"Ancestor" ist aber viel mehr als ein langweiliger und starrer Familienstammbaum. Vielmehr entwerfen TK Webb und seine Band ein flirrendes Bild voller ungeahnter Querverbindungen. Schmutzige kleine Familiengeheimnisse werden äußerst charmant ausgeplaudert, wilde Affären heraufbeschworen und die One-Night-Stands der lieben Verwandten kurz, aber sehr explizit mit wenigen Gitarrenakkorden skizziert. Von einer klassischen Ahnentafel bleibt in diesem Kosmos aus komplexen Miniaturen genauso wenig übrig wie von einer Chronik im engeren Sinn.

Dafür kommt der New Yorker aus Michigan dem Herz und der Seele seiner Familie auf den Grund. Der Blues ist kein feiner alter Herr, er flirtet immer wieder mit mehreren Partner gleichzeitig und jagt jedem Rock hinterher, egal ob Doom-, Stoner- oder Garagen-. Das es dabei nicht inzestuös zugeht, unterscheidet Herrn Webb von weniger talentierten Mitgliedern seiner Familie. Schneller Sex muss weder billig noch pornografisch sein. Wer sich dem Umfeld dieser Familie mit den großen Ahnen zurechnet, wird wahrscheinlich viel Spaß an den Anekdoten von TK Webb & The Visions finden, und dabei die ein oder andere überraschend neue Sichtweise kennenlernen. "Ancestor" ist so unterhaltsam wie der Denver Clan. Aber so gehaltvoll und genial wie die Buddenbrooks.

(Rüdiger Pater)

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Highlights

  • Year 33
  • God bless the little angels
  • Shame
  • Dreen drone death

Tracklist

  1. Teen is still shaking
  2. Year 33
  3. God bless the little angels
  4. Closed captioned slang
  5. Patience & fortune
  6. Shame
  7. Hope you all are gone
  8. Dreen drone death
  9. 1000 horns
  10. Isle of Grizzly White
  11. Time to go

Gesamtspielzeit: 46:15 min.