Metallica - Death magnetic

Metallica- Death magnetic

Vertigo / Mercury / Universal
VÖ: 12.09.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die meiste Band der Welt

Ja, ja, verdammt noch Mal, ja! Metallica sind Arschlöcher, neurotische Millionäre, satt und ausgebrannt. Metallica sind _____ (abwertendes Adjektiv nach Wahl einsetzen). Kirk Hammetts Soli sind scheiße, James Hetfields Riffs sind langweilig, und Lars Ulrich frisst kleine Kinder in Mayonnaise. Und dann schreien sie von der anderen Seite: Metallica sind fucking true! Metallica sind nette Kerle! Rob am Bass geht klar, und "Master of puppets" war natürlich nicht zu toppen. Und wer das nicht checkt, ist ein Doofie, bäh. Pünktlich wie die Engländer zur Tea-Time zerreißen sich Fans und Hasser, Zu- und Abgewandte bei jedem neuen Metallica-Release werbewirksam das Maul und tappen doch nur großfüßig in Ulrichs bombastische Falle des Marketing-Ereignisses "Death magnetic". Nach wie vor gilt im Dunstkreis von Rock und Metal: Nicht über Metallica zu reden, geht nicht. Das ist zwar noch kein Indikator für Qualität, wohl aber einer für Relevanz.

Tatsächlich erreichte die Werbe-Machinerie dieses Mal nicht zuletzt dank einer eigens eingerichteten Website mit regelmäßigen Vorabinfos und Einblicken in die Studioarbeit eine neue Qualität und schürte schon weit vor der Veröffentlichung die ohnehin mächtige Erwartungshaltung, die sich die Band mit dem Ausbau ihrer Marke zur größten Metal-Band der Welt in den 90ern selbst eingebrockt hatte. Eine sündhaft teure Sargbox später war der Aufschrei groß, "Geldgeier" riefen manche, "Kundenfreundlichkeit" hieß es anderswo. Für flächendeckende Hyperventilation bei Sound-Nerds sorgten dann schließlich die vorab an die Öffentlichkeit gelangten Songfragmente - roh wie Sushi. Was taugt "Death magnetic" nun wirklich?

Einiges. Wenn nicht sogar richtig viel. Eine Art "St. Anger" 2.0 ist "Death magnetic" geworden, weil alles und jeder mitmachen durfte. Statt staubtrocken Knochen zu mahlen, massakriert das Album auch Melodien, zweistimmige Leads kitzeln die Riffs, Kirk Hammett darf sich zurecht wieder Sologitarrist nennen, und: Besser hat James Hetfield nie gesungen, man höre nur den Refrain von "Broken, beat & scarred". Vor allem aber lassen jene klassischen Thrash-Riffs, Double-Bass-Attacken und fiesen Breaks in 80er-Manier das Herz des Hörers höher schlagen, die etwa im knallenden Highlight "All nightmare long" nur verbrannte Erde hinterlassen. Metallica wollen dieses Mal in jedem Song alles: leiser/lauter, schneller/langsamer, härter/gefühliger, "Load" und "... And justice for all". Mehr als einmal ächzen die Songs deshalb unter der Fülle von Parts, Riffs und Melodien, die da in Mini-Epen von durchschnittlich sieben Minuten zusammengehalten werden wollen.

Die oft herbei geschriebene Abkehr von "Load" und Hinwendung zu Thrash-Klassikern wie "Kill 'em all" ist das neue Werk aber nicht. Schon alleine deshalb nicht, weil es die ja mit dem Dampfhammer "St. Anger" zur Genüge gab. Vielmehr integriert "Death magnetic" geschickt den Hardrock der 90er in den Metal der 80er und schafft über weite Strecken eine äußerst gegenwärtige Synthese von melodiösem Songwriting und Geschredder. In der starken ersten Albumhälfte klingen Metallica damit - ganze zwei Dekaden nach "... And justice for all" - stellenweise beinahe progressiv. Die zweite Albumhälfte aber schwächelt mitunter: "The unforgiven III" baut trotz Streicherwust kaum Atmosphäre auf, "The judas kiss" könnte auch von einer ambitionierten Metallica-Coverband sein, und das Instrumental "Suicide & redemption" reicht ohne die Musikalität eines Cliff Burton einfach nicht an Glanztaten wie "Orion" heran.

Und dann kommen die Herren Hetfield, Ulrich und Co. am Ende mit ihren deutlich über 40 Lenzen noch mit einem Thrash-Eisen wie "My apocalypse" um die Ecke, dass selbst Slayer aufmerken. Auch wenn etwas mehr Reduktion der Platte wohl gut getan hätte, auch wenn sie kühl kalkulierend möglichst viele Metallica-Identitäten abdeckt, und obwohl man den unnötigen Überfluss der Multi-Millionen-Dollar-Produktion im mäßigen Klangbild nicht direkt erkennen mag: "Death magnetic" ist überraschend gut und macht trotz seiner unterproduzierten Überfrachtung großen Spaß. Am Ende sind sie ja doch alle beim Konzert, die Meckerer, rammen die Frittengabel die Höhe und bangen auch zu "That was just your life". Der Band dürften die Vorbehalte spätestens mit diesem Album ohnehin egal sein. Wieder einmal hat Produzent Rick Rubin einer Band geholfen, sich frei zu spielen. "The slave becomes the master", singt Hetfield in "The end of the line". So vernetzt man die eigene Geschichte. Metallica haben wieder die Fäden in der Hand.

(Dennis Drögemüller)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • The end of the line
  • All nightmare long
  • My apocalypse

Tracklist

  1. That was just your life
  2. The end of the line
  3. Broken, beat & scarred
  4. The day that never comes
  5. All nightmare long
  6. Cyanide
  7. The unforgiven III
  8. The judas kiss
  9. Suicide & redemption
  10. My apocalypse

Gesamtspielzeit: 74:42 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Mr. Oh so
2015-05-13 15:15:42 Uhr
*brumm*

Mr Oh so

Postings: 1210

Registriert seit 13.06.2013

2015-05-13 14:43:19 Uhr
Sehe ich ähnlich. Top Album, was auch der krasse Loudness Mix nicht ändert.

Könnte sein, dass es ein Top-Album ist. Leider halte ich höchstens 5 Minuten durch, ohne dass mir der Kopf brummt, deshalb kann ich das leider nicht beurteilen.
Tanga
2015-05-13 14:37:51 Uhr
http://www.20min.ch/people/international/story/Ein-String-Tanga-stellt-die-Metal-Welt-auf-den-Kopf-21356964

bazilicious

Postings: 2909

Registriert seit 27.06.2013

2015-02-08 23:41:14 Uhr
Sehe ich ähnlich. Top Album, was auch der krasse Loudness Mix nicht ändert.

Demon Cleaner

Postings: 5648

Registriert seit 15.05.2013

2015-02-08 22:37:30 Uhr
Heute seit langem mal wieder gehört, für mich immer noch ein Top-Album (8.5). Sofern man den Guitar-Hero-Mix hört - die normale kann man leider getrost in die Tonne kloppen.

Generell funktioniert das Album sehr gut am Stück - der Vorwurf, dass die SOngs zu lang sind, ist nachvollziehbar, für mich manchen die langen Solos inmitten der SOngs aber genau den Reiz aus.

01. That Was Just Your Life 9/10
Tolles Intro und das Ding bekommt richtig schön Fahrt. Die SOAD-Vergleiche sind nicht weit hergeholt, aber der Song ist viel ausschweifender.

02. The End Of The Life 9/10
Großartiger Mittel-Solo-Teil, überhaupt vielleicht der wendigste Song des Albums.

03. Broken, Beat & Scarred 8/10
Sehr eingängig, und der treibende Refrain ist einer der besten Momente der Platte.

04. The Day That Never Comes 9/10
Das größte Selbstzitat unter den Songs, aber mich packt der Song einfach. Die zweite Hälfte ist der Wahnsinn.

05. All Nightmare Long 9/10
Noch so ein Ding. Für mich wird es trotz 8 Minuten Spielzeit keine Sekunde langweilig.

06. Cyanide 7/10
Gehört zu den schwächeren Songs. Schuld ist in meinen Augen die eher lahme Hook. Hat aber auch seine Momente.

07. The Unforgiven III 7/10
Sehr schönes Intro, was nur leider in ein etwas formelhaftes Stück überleitet. Der Bombast, der in der Mitte ausbricht, hat aber auch wieder was.

08. The Judas Kiss 7/10
Schwankt stark. Die Strophe ist rhythmisch und melodisch grandios, für mich sogar das beste an der Platte. Leider fällt ihnen kein geeigneter Refrain als Kontrapunkt ein und der Song dauert dann auch etwas zu lang.

09. Suicide & Redemption 9/10
Kann nicht an alte Glanztaten anknüpfen? Oh doch. Macht richtig Laune, 10 Minuten vergehen wie im Flug.

10. My Apocalypse 9/10
In der Tat musste ich hier mehrmals an "Reign In Blood" denken. Es würde mit den scharfen Riffs zumindest gut auch dort drauf passen.
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum