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Grandaddy - The sophtware slump

Grandaddy- The sophtware slump

Will / V2
VÖ: 08.05.2000

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

KO Computer

Ein Stilleben zwischen Gänseblümchen und Gebirgsbächen könnte fast eine fröhliche Begrüßung darstellen, aber da hat man bei Grandaddy die Rechnung ohne den Maler gemacht. Jason Lytle, Bart- und Hoffnungsträger aus der kalifornischen Provinz, will nichts beschönigen, denn dafür ist die Welt zu schlecht. "The sophtware slump", in Zeiten des Kurssturzes der dot.com-Firmen fast schon philosophisch betitelt, führt uns denn auch in eine jenseitige Welt. Dort, wo die Keyboards zerschlagen und verrottend im Dreck liegen (wie im Booklet) und die Hardware lebendig wird (wie in "Jed the humanoid"), findet keine Abrechnung statt. Hier wird geweint und das ist gut so.

War auf dem Vorgänger "Under the western freeway" mit "Summer here kids" wenigstens noch ein wohlwollend als treibend zu bezeichnender Hit, schlurft man hier fast nur noch durch kaputte Leben, Lieben und Landschaften. Das macht aber gar nichts, denn im zurückgenommenen Tempo hat man mehr Zeit, sich auf die traurige Schönheit der Songs einzulassen. Im Opener "He's simple, he's dumb, he's the pilot" dauert das dann auch schon mal 8:52 Minuten. Die Songs "Jed the humanoid" und "Jed's other poem" erzählen die Geschichte eines zusammengestückelten Roboters, der sich die Schaltkreise kaputt säuft. Wie ein liebeskranker Koyote heult Lytle hier und erinnert nicht nur darin an Neil Young. Auch seine gelegentlichen Gitarrenausbrüche ("Chartsengraf", "Broken household appliance national forest") tragen das bekannte Holzfällerhemd.

In der Vorabsingle "The crystal lake" verläßt man das weite Feld der Klagen für ein paar Zentimeter. Aber auch das ist falsch. "Should have never left the crystal lake" beginnt es und ein pluckerndes Keyboard erinnert uns daran, daß trashige Klänge nicht unbedingt Schrott sein müssen. "The crystal lake it only laughs / It knows you're just a modern man" Dieser jedoch ist vom Aussterben bedroht, wenn man der Philosophie Grandaddys folgen kann. Auf der Suche nach dem Lachen läßt Lytle denn auch nichts unversucht. In "Underneath the weeping willow" will er sich von den Tränen der Trauerweide in den Schlaf heulen lassen, um am nächsten Tag wieder glücklich aufwachen zu können. Auch eine Methode...

Der Kopf der Band hält "das Unerklärliche, das Unfaßbare, das Geheimnisvolle" für das wichtigste in seiner Musik. Taucht man in diese ein und nimmt die düster mäandernden Flächen, die traurigen Klänge des Pianos, die kratzenden Gitarren und die scheppernden Trommeln in sich auf, braucht man keine Lösungen. Offen gelassene Fragen wirken ja auch viel melancholischer. Über allem schwebt stets die Stimme Lytles, "zerbrechlich wie Eierschalen". Rost, Staub, Dreck und Schrott finden sich überall. Auch wenn die Botschaft von "The sophtware slump" keineswegs eine aufbauende ist, wissen Grandaddy doch wenigstens, die Geschichte vom bevorstehenden Verfall in beeindruckende Musik zu kleiden.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • He's simple, he's dumb, he's the pilot
  • The crystal lake
  • Broken household appliance national forest

Tracklist

  1. He's simple, he's dumb, he's the pilot
  2. Hewlett's daughter
  3. Jed the humanoid
  4. The crystal lake
  5. Chartengrafs
  6. Underneath the weeping willow
  7. Broken household appliance national forest
  8. Jed's other poem (Beautiful ground)
  9. E. Knievel interlude (The perils of keeping it real)
  10. Miner at the dial-a-view
  11. So you'll aim toward the sky

Gesamtspielzeit: 46:47 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Mr Oh so

Postings: 1534

Registriert seit 13.06.2013

2020-10-23 01:26:24 Uhr
Garmadon
...
Bin schon sehr gespannt auf die anderen Sachen der Band.


Es gibt da noch so einiges zu entdecken. Allerdings ist The Sophtware Slump schon ihr absolutes Meisterwerk.

Garmadon

Postings: 213

Registriert seit 29.08.2019

2020-10-22 21:46:00 Uhr
Auch so eine lastfm-Empfehlung, die ich mir nach einiger Zeit dann doch mal angehört habe.
Und... wow! Kommt selten vor, dass mich ein Album auf Anhieb dermaßen begeistert. Tolle Atmosphäre, tolle Songs.
Bin schon sehr gespannt auf die anderen Sachen der Band.

Der Opener ist wunderschön.
Oh, ja!
Erinnert mich stark an "Transatlanticism" (Bzw. chronologisch gesehen andersrum).

myx

Postings: 1434

Registriert seit 16.10.2016

2020-09-18 19:24:58 Uhr
Finde ich auch!

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 23344

Registriert seit 07.06.2013

2020-09-18 19:14:35 Uhr
Der Opener ist wunderschön.

myx

Postings: 1434

Registriert seit 16.10.2016

2020-09-02 10:25:05 Uhr
"Jed's other poem" in der Piano-Version ist einfach nur wunderschön.
Zum kompletten Thread

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