T.Raumschmiere - I tank you

T.Raumschmiere- I tank you

Shitkatapult / Random Noise / Al!ve
VÖ: 16.09.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Knochen T. Rocken

Der Begriff "knarzen" wird immer wieder gerne in Musikrezensionen benutzt. Dass man das Wort sogar im Duden findet, ist für derlei Begriffe zwar kein Muss, aber immerhin ein interessantes Detail. Selbstredend erklärt der Eintrag "landsch. für knarren" dem informationswilligen, aber uninformierten Rezipienten den damit beschriebenen Klang eher nicht. Der Musikrezensent an sich schreibt eben gerne in frei interpretierbaren Rätseln. Und würde eher auf sämtliche Gästelistenplätze und Bemusterungsprivilegien verzichten, als dies pauschal zuzugeben.

Zum Schaffen von Marco Haas als T.Raumschmiere wird gerne mit Kunstwörtern wie "Dreckelektro", "Rabaukendisco", "Electroclash" bzw. "Electropunk" oder eben "Knarz" hantiert. Gerne denken sich freischaffende Musikbeschreiber zu den unsauber gefrästen Gitarrenimitaten, dem in Toiletten eingeklopften Schlagwerk und den windschiefen Analogsounds Attribute wie "industriell", "räudig", "rumpelnd" oder "bollernd" aus. Die Vehemenz der Musik von T.Raumschmiere erfährt man aber sicherlich nicht durch die Sprache. Es braucht einen ganz anderen Zugang: die Körperlichkeit.

Haas' Körpereinsatz distanziert sich von Laptop-Sakralbauten genauso wie von wohlüberlegten Mausklicks und Filtereinstellungen. Er lässt Bässe jedweder Art gegeneinander wogen, bis die Membran kollabiert. Konsequente Repetition steht für die Club-Funktionalität von "E". Für "The front row is nothing for the fragile!!" und "Crack a smile" wildert Haas im Hoheitsgebiet von Marilyn Manson, und zusammen mit Deichkind und The Crack Whore Society geht er für "Brenner" einem Kollegen von "Remmidemmi (Yippie yippie yeah)" ziemlich auf die Nerven. Barbara Panther trägt schwer an "111 kg DNA" und triumphiert mit melancholischem Nachdruck. "What are you talking about?" zerreibt sich erst sein Nervenkostüm, um dann mit Tim VanHamel (Millionaire, Eagles Of Death Metal, dEUS) ganz friedlich zu entschlafen. Das hört sich nicht nur nach Schweiß an, das fordert ihn unter Schmerzen unmittelbar heraus.

Immer wieder reiben sich gitarrenartige Sounds an den wie auf Ketten rollenden Rhythmen und begraben Funk und HipHop mit dicken Schlammschichten. Und mit Kraftwerkscher Effektivität wringt Haas dazu aus den Hüllkurven allerlei Piepsiges. Mit Lautstärke wird nicht einmal in den sanften Passagen gespart. Es knarzt. Und zwar heftig. Wäre "I tank you" jetzt aber kein vorwiegend computergeneriertes Album, sondern eine handelsübliche Gitarrenplatte, könnte man auf all den linguistischen Selbstzweck verzichten, der auch hier wieder nicht vermieden werden konnte. Der elektrisierte Gesamteindruck müsste wie bei einer Liveshow genügen, und es bliebe ein kurzes Statement übrig: T.Raumschmiere rockt. Völlig ohne störende Wortakrobatik.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • I tank you
  • The front row is not for the fragile!!
  • 111 kg DNA (feat. Barbara Panther)
  • Brenner (feat. Deichkind & The Crack Whore Society)

Tracklist

  1. I tank you
  2. The front row is not for the fragile!!
  3. Animal territory (feat. The Puppetmastaz)
  4. 111 kg DNA (feat. Barbara Panther)
  5. Crack a smile
  6. E
  7. Pedal to the metal (feat. Gene Serene)
  8. Untilted (feat. Warren Suicide)
  9. Brenner (feat. Deichkind & The Crack Whore Society)
  10. What are you talking about? (feat. Tim VanHamel)
  11. Nuclear bedtime story (feat. Lilian Hak)

Gesamtspielzeit: 42:19 min.

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