Broken Social Scene Presents: Brendan Canning - Something for all of us...

Broken Social Scene Presents: Brendan Canning- Something for all of us...

Arts & Crafts / Al!ve
VÖ: 29.08.2008

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Kurz vor Kabelbrand

Jason Collett hat es ausgeplaudert: Mit Brendan Cannings "Something for all of us..." wird die groß als "Buena Vista Club of Indierock" angekündigte "Broken Social Scene Presents"-Serie auch schon wieder eingestellt. Zu verwirrend für alle Beteiligten, und außerdem ist das Mutterschiff ja längst auf einer Farm in Mexiko gelandet, um neue Kollektivsongs zu schreiben. Bevor sich da Konkreteres abzeichnet, seien Canning aber seine 15 Minuten Ruhm noch gegönnt. Er wirkt im Kontext der Großband schließlich immer wie der zu kurz Gekommene, das vergessene Gründungsmitglied, das auf der Bühne so leidenschaftlich Löcher in die Luft tritt, aber bisher erst dreimal die Leadvocals übernehmen durfte. Dass sein Studioinput wahrscheinlich sehr viel größer ist als bisher angenommen wurde - das bringt einem nun ausgerechnet Cannings erstes "Solo"-Album bei.

Anders als Kevin Drew, dessen "Spirit if..." mit dem größten Vergnügen eine Schweinerei an die nächste reihte, lässt Canning keine Ferienatmosphäre aufkommen. Sein "Something for all of us..." ist so etwas wie der inoffizielle Nachfolger von "Broken Social Scene": zwar weniger beängstigend in den bloßen Ausmaßen, aber ähnlich verschwommen und verschwurbelt in seinem Blickwinkel auf den Indierock. Hier wehren sich Lieder noch gegen ihr Schicksal. "Chameleon" etwa wird nur äußerst widerwillig zum Song, und das halb-elektronische Bettkanten-Instrumental "All the best wooden toys come from Germany" hegt gleich gar keine Ambitionen, die über seinen Zwischenstück-Status hinausgehen würden. Mehr will da schon die ungeduldig trippelnde Gitarre in "Hit the wall", aber selbst wenn Canning zum Zupacker wird, bleibt die Raumtemperatur auf "Something for all of us..." seltsam unterkühlt.

Man könnte da vorschnell seinen gepressten Nuschelgesang verantwortlich machen, müsste sich dann aber vom frostigen Hornbrillen-Funk aus "Love is new" beibringen lassen, dass eine andere Leadstimme hier ja überhaupt keinen Sinn ergäbe. Das Gästemikrophon steht trotzdem jederzeit kurz vorm Kabelbrand: "Churches under the stairs" ist nicht nur der spursicherste Rocksong der Platte, sondern auch das weltweit erste Canning/Drew-Duett. "Antique bull" reserviert einen Vocal-Slot mit Beiboot für Lisa Lobsinger und ihre Prinzessin-Leia-Frisur. Und in "Been at it so long" krönen sich Amy Millans Gesang und extra-majestätische "Lover's spit"-Bläser gegenseitig zum heimlichen Prinzenpaar der Platte. Canning wird da kurz vom eigenen Album gedrängt, aber wenn alles so gut läuft, will er es natürlich gar nicht anders.

Inmitten dieser fransigen Gitarrenflugshow ist es schon eine Überraschung, wenn "Snowballs and icicles" knapp am Space-Folk von Mojave 3 vorbeischrammt, während allerlei Zusatzgeräusche an der Oberfläche des Stücks herumfummeln. Wegen solcher Songs sollten Soloalben gemacht werden: Canning entfernt sich hier von den Stapelarbeiten seiner Hauptband, bleibt aber immer zu erkennen und findet alternative Ausdruckswege, ohne sich dazu zwingen zu müssen. Für gekünstelte Neuerfindungen ist "Something for all of us" ohnehin viel zu klug - auch wenn all sein Selbst-Bewusstsein letztlich auf Kosten einer Platte geht, die mehr über Cannings Rolle innerhalb von Broken Social Scene als seine Gehversuche außerhalb des Laufstalls erzählen kann. Drew hatte sich ohne Eitelkeit selbst offen gelegt. Canning schlägt das Buch schon wieder zu, bevor man überhaupt den Prolog zu Ende gelesen hat.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Something for all of us
  • Snowballs and icicles
  • Churches under the stairs
  • Been at it so long

Tracklist

  1. Something for all of us
  2. Chameleon
  3. Hit the wall
  4. Snowballs & icicles
  5. Churches under the stairs
  6. Love is new
  7. Antique bull
  8. All the best wooden toys come from Germany
  9. Possible grenade
  10. Been at it so long
  11. Take care, look up

Gesamtspielzeit: 48:07 min.

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