Volbeat - Guitar gangsters & cadillac blood

Volbeat- Guitar gangsters & cadillac blood

Mascot / Rough Trade
VÖ: 29.08.2008

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Smørrebrett und Skå(l)

Glaubt man der deutschen Synchronisation einer durchschnittlichen amerikanischen Sitcom, sind die Dänen dem Deutschen, was die Deutschen dem Amerikaner. Ob bei "Malcom mittendrin" oder "Scrubs" - wann immer des deutschen Stahlhelm kokett von rechts in die Kamera grüßt, denken fantasiegescheitelte Redaktionspraktikanten scheinbar automatisch an Smørrebrød und Pølser. Präziser wären da zwar die Sachsen, die Polen oder Franzosen, vielleicht auch die Ostfriesen, doch was soll's. Und außerdem: Witzchen macht man mit Volbeat lieber nicht. Die vier Dänen sind tätowiert bis Oberkante Unterlippe, tragen Kinnbart zu Dauerstirnrunzeln und herabhängenden Mundwinkeln, schmieren sich das Motoröl vom Bizeps direkt in den Haaransatz. Das Testøsterøn sprüht ihnen aus Augen, Brusthaaren und Gitarren, wie sie mit ihrem mittlerweile dritten Album erneut unter Beweis stellen.

"Guitar gangsters & cadillac blood" bewegt sich in Street-Punk-Distrikten, mit mal weniger, mal mehr Metal-Anteil. Die Brat-Gitarren braten alles gut durch bis die Double-Bass im gestreckten Galopp davonzieht, der Refrain in mehrstimmigen Chorälen versinkt und die Leadgitarre die "Wo-ho-hos" mitspielt. Es gibt das Country-Zwischenspiel, unverzichtbarer Bestandteil gerade amerikanischen Punkrocks, um nicht die Bodenhaftung zu verlieren - auch Dänen wissen das. Es gibt die paar Takte Reggae und Ska, um dem Schlagzeuger zu sagen: "4/4 das, Du alter Stiernacken!" Und dann natürlich die Power-Ballade inklusive Synthie-Streichern, um die Stimme von Sänger Michael Poulsen nicht nur grollen, sondern auch mal zittern zu lassen. Zudem das Hank-Williams-Cover "I'm so lonesome I could cry" und dann noch eins von Kitty Wells beziehungsweise Social Distortion, als Bonus, ganz zum Schluss, falls es irgendwer immer noch nicht verstanden haben sollte. All das zeigt Energie, Inspiration und Druck. Derart reizvoll wie auf dem in allen Songphasen mit Slide-Gitarren aufgebockten "We" ist es aber nur selten.

Denn insgesamt ist die Mischung, die Volbeat vorstellen, ebenso spannend wie kontraproduktiv umgesetzt. Nicht immer ergeben sich in sich konsistente Songverläufe. So sind all die Metal-Attacken oft genug einfach nur auf Konfrontationskurs, wollen zeigen, wo's lang geht. Das aber bliebe als Effekt selbst dann abgenutzt, wenn der Bollerwagen nicht immer wieder im Thrash-Treibsand stranden würde, dessen Zeit und Klang nun schon etwas länger unbedingt vorbei sind. Nichtsdestotrotz gibt sich "Guitar gangsters & cadillac blood" nie zufrieden. Mangelnde Abwechslung etwa kann man dem Album beileibe nicht vorwerfen. Zudem ist es immer wieder doch spannend zu hören, wie Volbeat dem Geholze von "Wild Rover of hell" oder "Mary Ann's place" in ihre Power-Pop-Refrains entwischen. Auf dem Terrain, auf dem sie sich nun schon seit einigen Jährchen recht erfolgreich bewegen, ist das aller Ehren wert. Wären sie Kanadier, man würde doch glatt eine Ostfriesenmischung mit ihnen trinken. Skål.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • We
  • Wild Rover of hell

Tracklist

  1. End of the road
  2. Guitar gangsters & cadillac blood
  3. Back to prom
  4. Mary Ann's place
  5. Hallelujah goat
  6. Maybellene I Hofteholder
  7. We
  8. Still counting
  9. Light a way
  10. Wild Rover of hell
  11. I'm so lonesome I could cry
  12. Broken man and the dawn
  13. Find that soul
  14. Making believe

Gesamtspielzeit: 48:31 min.

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