Son Ambulance - Someone else's déjà vu

Son Ambulance- Someone else's déjà vu

Saddle Creek / Indigo
VÖ: 22.08.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Radio ga ga

Bei Joe Knapp piept's wohl. Das können wir guten Gewissens behaupten, weil bereits die ersten Sekunden von "Someone else's déjà vu" den hype- und stichfesten Beweis dafür liefern: Allerlei Federvieh tiriliert vergnügt, während die in den kommenden sechzig Minuten omnipräsente Percussion sich vorbildlich eingroovt. Wie die thematische Verbindung zwischen Vögeln und "A girl in New York City" zu deuten ist, soll an dieser Stelle lieber ungeklärt bleiben. Die Synapsen haben ohnehin schon genug daran zu knapsen, dass das Eröffnungsangebot - ein wahnwitziger Samba, der kein bisschen "de Omaha" ist - Nebraska trommelwirbelnd und trillerpfeifend ein pulsierendes Stückchen Südamerika implantiert. Da kommt Ihr jetzt nicht mehr mit? Macht nichts, Knapps Stimme auch nicht. Er klingt traditionell, als müsse er gleich ein mangelhaft vorbereitetes Referat halten: ein bisschen zögerlich, ein bisschen schief, ein bisschen dünn. Aber auch in die schmalste Brust passt ein Herz. Und was für eins.

Joe Knapp hat wohl nicht mehr alle Tasten am Klavierkasten. Auch das können wir mit gutem Grund, und ohne anmaßend oder gar beleidigend zu werden, annehmen, denn "Someone else's déjà vu" distanziert sich deutlich von der Pianodominanz seines großartigen Vorgängers "Key". Es wird weniger geklimpert, dafür mehr experimentiert. Psychedelische Klangsphären aus den Sechzigern und Siebzigern werden importiert, Songstrukturen aus vollster Überzeugung antiautoritär erzogen und sich vor allem viel Zeit gelassen - schon Lied Nummer zwei knackt genüsslich die Sechs-Minuten-Marke: "We met in some enchanted forest / We met far beyond the city walls", haucht Knapp, während ein elfenhaftes Wesen verwunschen aus der Ferne zwitschert und eine idyllische Zuckerwattenmelodie die wogenden Baumkronen umschmeichelt. Was sagt der Wegweiser? Noch 100 Meter bis zur Klapse? Nicht ganz. Noch 100 Meter bis zu Pink Floyd, circa "Animals"-Ära. Jetzt wissen wir auch, wo das Vogelgezwitscher herkam.

Joe Knapp hat 'nen Schatten. Jeffrey Koster heißt der, war einst Gründungsmitglied von Son Ambulance und bekleidet nun das Amt des kongenialen Sidekicks. Ob er diesen seltsamen Albumtitel mitverbrochen hat, ist nicht bekannt. Déjà entendu ist dafür eine Menge hier: "Quand tu marches seul" kommt direkt aus den düsteren Gewölben eines gewissen Leonard Cohen, das schunkelnde "Wild roses" ist mehr als nur ein Schwippschwager von "Wild horses" und "Yesterday morning" saßen anscheinend noch Simon & Garfunkel am Frühstückstisch - flankiert von einer himmlischen Oboe. Aber Knapp darf so viel zitieren, wie er will. Nicht, weil er Narrenfreiheit hätte, sondern weil er selbst genug Zitierwürdiges hinbekommt. Zum Beispiel "Juliet's son", den sicheren Hit mit der zwölfsaitigen Gitarre, der sanften Cabasa-Percussion und dem unwiderstehlichen "Uh-la-la-la". Neben der Spur? Ist hier rein gar nichts.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Legend of Lizeth
  • Yesterday morning
  • Juliet's son

Tracklist

  1. A girl in New York City
  2. Legend of Lizeth
  3. Quand tu marches seul
  4. Wild roses
  5. Horizons
  6. Yesterday morning
  7. Constellations
  8. And
  9. Juliet's son
  10. The renegade
  11. Awakening
  12. Someone else's déjà vu
  13. Requiem for a planet

Gesamtspielzeit: 60:00 min.