Anathema - Hindsight

Anathema- Hindsight

Peaceville / Kscope
VÖ: 29.08.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Hochspannung

Vielleicht hast Du das auch schon mal erlebt: Du sitzt da, und plötzlich gehen die Lichter aus. Der Strom ist weg, nichts geht mehr. Nicht der Rechner, nicht die Lavalampe und die Playstation schon gar nicht. Schuld war vielleicht ein Gewitter. Eine rausgesprungene Sicherung. Oder aber eine Stromrechung, mit der Du sieben Monate im Verzug geraten bist. So ähnlich muss das auch bei Anathema gewesen sein: Der Plattenvertrag war schon länger futsch, und in der Portokasse reichte es für einmal Dosenravioli. Eine Stunde Krisenmanagement, einmal die Schultern gezuckt, den Kumpel mit dem Cello auf ein Bier eingeladen. Die Klampfen rausgeholt, im Dunkeln mit der Blanken geschrubbt, quasi aus der Not eine Tugend gemacht. Do it yourself, und wer braucht heute schon noch Strom?

Klar hätte man viel, viel lieber richtig viel Neues von Anathema gehört als nur einen wirklich frischen Song. Doch auf "Hindsight" offenbart die ein oder andere alte Liebe neue Reize. Denn "Hindsight", das sind neun alte, intime Anathemasongs, die (fast) ohne Saft - ein bisschen Elektrizität war dann doch im Spiel - so zerbrechlich scheinen, dass man sie direkt in den Arm nehmen möchte. Wer beim "Eternity"-Highlight "Angelica" 1996 schon nahe dran war, in Tränen auszubrechen, der legt das 08er-"Hindsight"-"Angelica" am besten gar nicht erst auf, wenn gerade die Schnüffeltücher ausgegangen sind. "Temporary peace" wird seinem Namen auf "Hindsight" erst so richtig gerecht. Und dass das 03er-"Are you there?" auch ohne Effekte kann, dafür tritt "Hindsight" ebenfalls den Beweis an.

Aber, ganz ehrlich, diese Platte macht auch ein wenig Angst und Bange. Zwar ist ein reguläres Studioalbum bereits in Sicht, und Anathema konnten dafür Porcupine Trees Steven Wilson begeistern. Das Teil wird wohl auch genau so DIY, wie es "Hindsight" ist. Aber diese Platte, dieses "Hindsight", sie ist so offensichtlich aus der Laune der Situation geboren. Was passiert denn nun, wenn jemand auf die dumme Idee kommt, diese Band vielleicht doch noch mal unter Vertrag zu nehmen? Reicht es dann wieder für bezahlte Stromrechnungen? Es mag jetzt etwas gemein klingen. Doch "Hindsight" hat Momente, da möchte man, dass das niemals geschieht. Heute mal Egoist.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Leave no trace
  • Angelica
  • Temporary peace

Tracklist

  1. Fragile dreams
  2. Leave no trace
  3. Inner silence
  4. One last goodbye
  5. Are you there?
  6. Angelica
  7. A natural disaster
  8. Temporary peace
  9. Flying
  10. Unchained (tales of the unexpected)

Gesamtspielzeit: 52:42 min.

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