James - Pleased to meet you

James- Pleased to meet you

Mercury / Universal
VÖ: 02.07.2001

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Kunst der Beständigkeit

"Habe immer ein Handtuch dabei!" - "Love the one you're with!" - "Über sieben Brücken mußt du gehen!" - So wie es unzählige goldene Lebensregeln von unerläßlich bis schwachsinnig gibt, existieren auch Regeln, die eine Band befolgen muß, sofern sie längere Zeit im Geschäft bleiben will. Nach diesen Regeln spielen James bereits seit 1983, und bisher hat keine noch so gemeine Krise die Band auseinanderbringen können. James sind die Bonds der britischen Popmusik: zeitlich immer aktuell, nie einem Trend folgend und trotz einiger Besetzungswechsel mit genügend Humor und Ausdauer im Rücken.

"Pleased to meet you" ist also die neue Art, der Welt ein "Wir sind zurück!" entgegenzurufen. Aufgeben war nie ihre Stärke, weshalb das neue Werk auch wieder mit dem daherkommt, was in der Vergangenheit in der Heimat wie auch in Amerika bestens funktioniert hat: intelligente Texte, wunderschöne Liebessongs und all das, was Engländer eben immer noch am besten können, wenn es um Pop geht.

Oft wurde die Band mit den Smiths verglichen, sogar von Morrissey zu Anfang als "beste Band der Welt" bezeichnet. Abgesehen davon, daß sich diesen Titel inzwischen eindeutig zu viele Combos angeeignet haben, besteht vor allem ein nicht ganz irrelevanter Unterschied zwischen James und den Smiths: Während die Smiths immer mit einer eher distanzierten, zynischen Weltansicht aufwarten, haben James den Schalk im Nacken sitzen und zeigen mit augenzwinkernder Selbstironie, daß sie sich selbst nicht so furchtbar ernst nehmen. Auch dies setzt sich auf "Pleased to meet you" fort. In "Senorita" etwa verlangt Sänger Tim Booth "Don't treat me like a God / Treat me like a dog" und verspricht schließlich "I'll come home to you / To you / I'm addicted to you".

Während die jüngeren Musiker von der Insel mit Vorliebe ihr schwieriges Dasein im Zeichen der globalen Verwirrtheit beweinen, sind James konsequent, haben sich Naivität und Lockerheit zum Prinzip erklärt und schauen nicht nach den Trends, sondern nach der Schönheit der Songs. Egal ob es sich nun um ein fast clubtaugliches Stück wie "Fine", eine Ballade wie "Alaskan pipeline" oder einen Popsong wie "Getting away with it (All messed up)" handelt, schön ist auf "Pleased to meet you" alles auf individuelle und klischeefreie Weise. Ohne auf die Tränendrüse zu drücken, berührt einen dieses Album mit seiner zwar optimistischen, aber nie oberflächlichen oder einfältigen Art. Daß sich auf "Pleased to meet you" kein einziger Hit befindet und alles wie aus einem Guß klingt, war möglicherweise sogar beabsichtigt und wird den landläufigen James-Fan weder überraschen noch stören. Denn Konstanz und Freundlichkeit lassen manchmal eben keinen Raum mehr für großartige Klassiker wie "Sit down" oder "She's a star".

(Laura Scheiter)

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Highlights

  • Falling down
  • The shining
  • Fine
  • Getting away with it (All messed up)

Tracklist

  1. Space
  2. Falling down
  3. English beefcake
  4. Junkie
  5. Pleased to meet you
  6. The shining
  7. Senorita
  8. Give it away
  9. Fine
  10. Getting away with it (All messed up)
  11. Alaskan pipeline

Gesamtspielzeit: 48:05 min.

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