Late Of The Pier - Fantasy black channel

Late Of The Pier- Fantasy black channel

Parlophone / EMI
VÖ: 29.08.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Gluck gehabt

Wenn's im Badezimmer gluckert, kommt man in der Regel um vermutlich äußerst umweltunfreundliche Abflussreiniger nicht herum. Das wissen auch Late Of The Pier aus Leicestershire und haben nach diesem Umstand direkt ein Stück benannt. "Bathroom gurgle" befand sich unlängst auf einem Sampler des französischen Labels Kitsuné und pustete vielleicht keine Rohrleitungen, dafür aber einige Gehörgänge frei. Los geht's wie im DAF-Proberaum Anfang der 80er Jahre, hinzu gesellen sich wattierte New-Order-Keyboards, bis der Song plötzlich einen verblüffenden Break-Haken mit infernalischem Gekreische schlägt. Und zum Schluss wird noch mal Fahrt aufgenommen, bis alle Insassen des abenteuerlichen Kettenkarussells gegen die Geisterbahn geklatscht sind. Stars geboren. Wenigstens vorläufig.

Und damit das auch so bleibt oder auf lange Sicht etwas daraus wird, sicherten sich Late Of The Pier für ihr Debüt gleich den renommierten DJ und Remixer Erol Alkan als Produzenten. Aber selbst der dürfte einige Mühe gehabt haben, all die wilden Sachen zu bändigen, die auf einen einprasseln, wenn das Quartett Beats, Elektronik und Gitarren in eine riesige Gulaschkanone stopft und dann eine Dreiviertelstunde lang mit lärmenden Speckklumpen um sich schießt. Da hat man sich gerade zum alles überstürzenden Kracher "Space and the woods" doof getanzt - schon fährt das waghalsige "The bears are coming" mit kreischenden Oszillatoren und jeder Menge anderem Lärm dazwischen und legt bei voller Fahrt den Rückwärtsgang ein. Die Sinne funken S.O.S., die Beine versagen den Dienst. Ein Problembär, mal wieder. Diesmal einer, der nicht so schnell tot zu kriegen ist.

Dabei spielen Late Of The Pier nicht nur ständig mit ihren Instrumenten, sondern auch mit den Erwartungen der Hörer Ping-Pong. "Random firl" könnte ein exquisites Stück Jangle-Indie sein, wenn die Gitarre nicht dauernd mit Schmackes durch die Heißmangel gedreht worden wäre. Beim durchgeknallten Maschinenpark-Ausflug "Focker" klingt Sänger Samuel Eastgate dann wie Kele Okereke auf Helium, der natürlich von nichts wusste: "Give me a clue / What have I done to you?" Dreimal dürfen er und seine Band raten. Und dann auch noch: "I wanna be your friend". Das hätte er sich früher überlegen müssen. Unglaubliche Frechheit. Und doch geht man am Ende von "Fantasy black channel" zufrieden, mitunter sogar begeistert nach Hause. Weil Late Of The Pier mehr bieten als den handelsüblichen New-Rave-Bausatz und so viele Löcher graben, dass kein Halogenscheinwerfer ausreicht, um Unfallfreiheit zu garantieren. Will man ihnen etwas vorwerfen, dann höchstens, dass sie nicht alles wieder zugeschüttet haben. Doch auf die Nase fallen kann man in der heimischen Badewanne schließlich auch. Nur eben nicht so schön wie hier.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Broken
  • Space and the woods
  • Focker
  • Bathroom gurgle

Tracklist

  1. Hot tent blues
  2. Broken
  3. Space and the woods
  4. The bears are coming
  5. Random firl
  6. Heartbeat (CT Vsn 2)
  7. White snake
  8. VW
  9. Focker
  10. The enemy are the future
  11. Mad dogs and Englishmen
  12. Bathroom gurgle

Gesamtspielzeit: 42:45 min.

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User Beitrag

Earl Grey

Postings: 179

Registriert seit 14.06.2013

2017-09-03 20:33:11 Uhr
Ja, es war viel zu früh Schluss...

Gordon Fraser

Postings: 1038

Registriert seit 14.06.2013

2017-09-03 19:37:12 Uhr
Same here (bis auf das Wetter natürlich). Gut gealtert, während mir z.B. Shitdisco letztens beim Wiederhören eher peinlich vorkamen.

Ituri

Postings: 107

Registriert seit 13.06.2013

2017-05-16 22:26:11 Uhr
Immer noch groß, gerade wieder ausgekramt bei dem tollen Wetter.
:-(
2015-05-22 14:53:41 Uhr
"On May 21st 2015, the band's former label Parlophone announced the passing away of drummer Ross Dawson. A press release from the musician's family, via the label, stated that Dawson was "involved in a very sudden and tragic accident" on May the 15th. Dawson's family write, "Ross was a monumental force in the lives of everybody who knew him, multi-talented, modest, kind and generous; he loved and was loved by his family. The world has become a sadder place without him. He will be eternally missed by all who knew and loved him."
Sleepyheadphone
2010-05-08 13:19:20 Uhr
Ja, best in class lässt auf etwas hoffen, das es aber mal locker mit Fantasy Black Channel aufnehmen kann. Und ihre Craziness haben sie auch (zum Glück) nicht verloren, wie man ja am Schluss ganz gut merkt ;)
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