Don Caballero - Punkgasm

Don Caballero- Punkgasm

Relapse / SPV
VÖ: 22.08.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Der Klimaxwandel

Die Wiederauferstehung von Don Caballero gehört wohl zugleich zu den süßesten Bonbons und größten Skandalen der jüngeren Musikgeschichte. Es passte nur zu gut zu Drumgetier Damon Che, dass er sich nach meist ganzkörperverunglückten Engagements und Kollaborationen das Oeuvre der Math-Rock-Institution allein auf die Fahnen schrieb und eine neue Mannschaft um den alten Namen herum rekrutierte: Zu groß erschien stets das Ego des Ausnahmeschlagzeugers, zu manisch seine Kontrollsucht, als dass man sich wirklich verwundert zeigen konnte. Was seine ehemaligen Kollegen davon hielten? Nun, zumindest Ian Williams hatte mit Battles zuletzt genug zu tun. Zudem wird sie Che nicht einmal gefragt haben.

Ganz allein ist dieser auch auf "Punkgasm" natürlich nicht. Vielmehr halten es Eugene Doyle und Jason Jouver an Gitarre und Bass nun bereits seit zwei Jahren mit ihm aus. Sollte der gute Che etwa milde geworden sein? Nun, zumindest ein wenig müde wirkte er schon auf "World class listening problem". Vorbei die Zeiten des Hochgeschwindigkeits-Jazz-Metals der Frühphase, vorbei auch die beinahe loungig anmutenden Heldentaten von "American Don". Auch "Punkgasm" zeigt sich eher diätistisch. Dafür aber umso hungriger. Don Caballero spielen hier wie zuletzt in den 90ern. Mit anderen Mitteln zwar, jedoch eindeutig: als Band.

Derart einvernehmlich hat man Che zuletzt wohl bei Bellini gehört - bevor er auch hier im Suppenkasper-Wahn vom Hocker kippte, den Tourvan kidnappte und zur Belohnung nicht nur auf die Stille Treppe, sondern gleich aus der Band gerollt wurde. Unter anderem von Bellini scheint er aber eine gehörige Portion Noise mitbekommen zu haben, die Songs wie "Bulk eye" oder "Lord Krepelka" weniger durchstrukturiert, aber doch ihre Klimax bildet. In der Tat: Don Caballero gewittern schon längst nicht mehr, sie formulieren und konstruieren eindeutiger. Der Metal ist nun ganz verschwunden, dafür die Bandbreite gewachsen. Doyles Gitarrenspiel imitiert zwar die Tapping- und Effekthaschereien eines Ian Williams, bleibt aber auch konzentrierter bei der Sache. Das verwandelt die unruhigen Geister von "Challenge jets" oder "The irrespective dick area" zu wahren Melodieschwärmern im Nachhall der genialen Pele, "Why ist the couch always wet" zu einem erhebenden Post-Rock-Kleinod inklusive Sigur-Rós-Chorälen und schenkt "Slaughbaugh's ought not own dog data" seinen unerwartet melancholischen Schlusssatz.

Je mehr Che zurücksteckt, desto offensiver inszenieren sich die Songs. "Dirty looks" und das Titelstück geben davon so viel zurück, dass Che sich aus einer grundsätzlichen Entspanntheit heraus gar das Mikrophon zutraut. Und seine Sache hier ebenso beiläufig wie gut macht. Das alles ist zwar nach wie vor rein gar nichts gegen das, was Don Caballero zu ihrer Großzeit anrichten konnten. Und immer noch wäre Damon Che gut beraten, nicht unter diesem Namen zu veröffentlichen. Dennoch wissen die neuen Don Caballero auf "Punkgasm" zum ersten Mal durchgehend zu gefallen. Und zwar, indem sie genau die Egos demontieren, die sie einst außergewöhnlich machten. Ein Ikonoklasmus mit echter Klasse.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Bulk eye
  • Why is the couch always wet?
  • Punkgasm

Tracklist

  1. Loudest shop vac in the world
  2. The irrespective dick area
  3. Bulk eye
  4. Shit kids galore
  5. Celestial dusty groove
  6. Pour you into the rug
  7. Challenge jets
  8. Lord Krepelka
  9. Why is the couch always wet?
  10. Slaughbaugh's ought not own dog data
  11. Dirty looks
  12. Who's a puppy cat
  13. Awe man that's jive skip
  14. Punkgasm

Gesamtspielzeit: 49:03 min.

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