Death Vessel - Nothing is precious enough for us

Death Vessel- Nothing is precious enough for us

Sub Pop / Cargo
VÖ: 29.08.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die kleine Prinzessin

"Diese Angaben sind wie immer ohne Gewähr", "Rauchen tötet", "Nicht den gelben Schnee essen" - es gibt Dinge, die vorsichtshalber und noch immer bei jeder Gelegenheit dazugesagt werden. Das denken sie auch in Seattle, wo die guten Leute von Sub Pop schon wieder ein Folk-Goldstück aus ihrer Pazifikverbindung gezogen haben und nun darüber schreiben: "This collection of music was written and sung by Joel Thibodeau." Jener Thibodeau läuft im Wesentlichen unter dem Künstlernamen Death Vessel. Er sieht aus, als hätte man den Häuptling eines ehrenwerten Indianerstamms in die aktuelle Indierock-Mode gesteckt. Und er singt, als hätte er mal ein kleines Mädchen verschluckt, das sich anschließend seiner Stimmbänder ermächtigt hat.

So was passt natürlich gerade ganz hervorragend zwischen Fleet Foxes, Bon Iver, Bowerbirds und die anhaltende Folk-Verweichlichung des Indierocks. Thibodeaus Akustikgitarre macht da keine Fehler; sie verwechselt niemals Eile mit Hektik, die Songs operieren stets souverän oberhalb der Langweiligkeitsgrenze, und auch die Ausstattung ist häufig fantasievoller, als es zunächst scheint. "Fences around field" etwa tut zwar sehr kinderliedmäßig, entdeckt aber hintenrum die Funkyness eines Schellenkranzes. "The widening" stellt sein karges Arrangement ganz in den Dienst von Barmann-Klavier und einer prima trotteligen Schalldämpfertrompete. Und "Peninsula" täuscht erst größere Geduldsproben vor, bis es von einem wüsten Gitarrensolo versenkt wird, bei dem man jede Saite einzeln reißen hören kann. Ein Glockenspiel klimpert das Ganze dann zu Ende.

"Nothing is precious enough for us" lässt sich auch im Endspurt nicht mehr von seinen gemütlichen Folkrock-Ansichten abbringen: "Belt of foam" lädt nochmals die schallgedämpfte Quengel-Trompete nach und spielt die Sache mit letzter Erhabenheit nach Hause. Thibodeau hat einen da längst drangekriegt - alles, was hier anfangs harmlos und allzu puddingweich erscheint, entpuppt sich irgendwann als jene Sorte von Ausgefuchstheit, die einfach keine große Verbissenheit nötig hat. "My throat hurts not from yelling but from holding back", singt Thibodeau in "Block my eye" und macht daraus sein Mission Statement. "Exploded view" stellt dem Album dann wenig später auch noch so etwas wie Rasanz vor - und spätestens dann ist es gut, dass ihm auch mal die Stimme versagt.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • The widening
  • Exploded view
  • Peninsula

Tracklist

  1. Block my eye
  2. Jitterakadie
  3. The widening
  4. Bruno's torso
  5. Obadiah in oblivion
  6. Exploded view
  7. Fences around field
  8. Peninsula
  9. Circa
  10. Belt of foam

Gesamtspielzeit: 36:30 min.

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