The WoWz - Long grain rights

The WoWz- Long grain rights

Riyl / BB*Island / Broken Silence
VÖ: 15.08.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Bilderbuchjugend

Was sind schon vier Jahre? Ich sag's Euch - vier Jahre, da vergehen hunderte von Liebschaften. Okay, mehr im Kopf als in Wirklichkeit, aber sie vergehen. Mit Glück vergeht auch ein ganzes Studium. Man wechselt die Stadt. Freundschaften bröckeln, andere leben auf. Auf Lebenszeit einkalkulierte Wegbegleiter gehen getrennte Wege. Vorlieben variieren. Das Interesse in Musik wird intensiviert oder verliert sich unter den Verpflichtungen des Alltags. Gestern schwarz, heute weiß. Vier Jahre sind im Ottonormalfall ein ganzes Leben, besonders wenn man Anfang 20 ist und keine Ahnung hat von Tuten und Blasen.

Vier Jahre können aber auch bedeuten, dass europäische Plattenfirmen und Vertriebe endlich auf die Idee gekommen sind, hierzulande nie veröffentliche Alben urplötzlich auf den Markt zu werfen. Der tiefere Sinn dieser Geschäfts- und Importpolitik, die schon des Öfteren den temporären Vogel abgeschossen und dem europäischen Musikenthusiasten viel zu viel vorenthalten hat, erschließt sich nicht nur dem Rezensenten bis heute nicht. Die dreiköpfige Herrenband The WoWz aus New York City können sich nun einreihen in die Liste der Langzeitvergessenen, die schon viel früher eine größere Hörerschaft verdient hätte.

"Sometimes I feel life is closin' in on me / But I don't know why it never does / Must have been something I did when I was a boy." So endet "Long grain rights", dass erste von zwei Alben der WoWz und offenbart noch einmal mit Nachdruck die Größe und Tiefe dieses Kleinods. Wie die perfekt vorgetragene Mehrstimmigkeit, die für den Moment nicht einmal Instrumente oder eine vernünftige Produktion benötigt, um sich voll und ganz entfalten zu können. Im kleinen Wohnzimmer und anderen Orten des Alltags aufgenommen, hört man Einflusse von Ragtime und Proto-Punk, Psychedelic-Flower-Pop und Mid-90s-Lo-Fi-Ästhetik, unschuldigem Beat und uramerikanischem Folk. The Byrds wurden mit der Muttermilch aufgesogen, in der anhaltenden Jugendphase stieg man auf Pavement und Bob Dylan um. Jonathan Richmans verquere Gesangslinien sind der Combo ebenso vertraut wie die verschlurfte Weitflächigkeit von Camper Van Beethoven.

"Long grain rights" ist gezeichnet von einem stetigen Auf und Ab. Jugendliche Ungehaltenheit wird abgelöst von dem Wissen, dass das entspannte Baumeln der Seele nicht von Dauer sein wird. Tiefe Krisen in Sachen Glauben und Liebe und unstillbare Sehnsüchte entsagen sich mit entwaffnender Selbstironie und lieblichen Melodien allzu großer Aufdringlichkeit. Vier Jahre sind inzwischen ins Land gegangen, die Protagonisten älter und reifer und womöglich weit entfernt von der Unberechenbarkeit von "Long grain rights". Als Zeitzeuge hätte man Band und Album im Zeitalter des Internets auch anno 2004 bekannt machen können. So bleibt es bei diesem entzückten Nachruf, der eigentlich keiner sein will. Mit Dank für schöne Stunden in Richtung Vergangenheit.

(Markus Wollmann)

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Highlights

  • Nothin' would be better
  • He wanders
  • Sometimes I feel life

Tracklist

  1. Happy today
  2. Birds fly high
  3. Twist in the end
  4. Nothin' would be better
  5. (646)
  6. 4 da Boydz
  7. He wanders
  8. When I die
  9. See you in the paper
  10. Snow covered eyes
  11. Head fell in love
  12. Sometimes I feel life

Gesamtspielzeit: 46:43 min.

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