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Jude - King of yesterday

Jude- King of yesterday

Maverick / Warner
VÖ: 25.06.2001

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

König der Löwen

Mal ehrlich: Würden Sie diesem Mann eine Versicherung abkaufen? Dem Mann mit H&M-Sakko, scheußlicher roter Sonnenbrille, einem Hemd, das seine Brustbehaarung in voller Pracht zeigt und vor allem: diesem Vollbart und dieser Frisur? Selbst wenn Jude Christodals vertrauensvoller Blick, nähme er die rote Brille ab, ihm womöglich den Michael Schanze-Gedächtnispreis auf Lebenszeit sichern könnte: Wenn der Judemann zweimal klingelt, würden ihm bei diesem Outfit wohl sämtliche Türen vor der Nase zugeschlagen. Was sollen denn bloß die Kinder denken?

Glücklicherweise ist dieser Mann nicht auf den behaarten Kopf gefallen. Nachdem ihn sein Aussehen nicht dafür qualifiziert, Versicherungen oder Schuhcreme an der Türschwelle zu verkaufen, hat er den einzigen Beruf neben dem des Fernsehmoderators eingeschlagen, in dem Hair Crimes ungesühnt bleiben. In bester Tradition von Modern Talking, Barry Gibb oder Reinhold Messner stellt er seine Haarpracht zur Schau und legt gleichzeitig das geschmackloseste Fellfressen-Albumcover seit Kenny Loggins' "High adventure" vor.

Was in diesem Fall beinahe schon zur Nebensache verkommt: Er hat passend zum Cover einen Tonträger eingespielt. Während bereits die beiden Vorgängeralben mehr von Kritikern gelobt als von Musikfans gekauft wurden, führt Jude auf "King of yesterday" seinen gänzlich unzeitgemäßen Ansatz unbeirrt weiter. Die Beatles zählt er zu seinen Lieblingsbands, geht in der Tradition von Singer-Songwritern wie Elvis Costello auf, wirft gleichzeitig Einflüsse aus anderen Stilrichtungen mit in den Topf und schert sich ums Popbusiness einen Dreck.

Wer jetzt denkt, unter diesen Voraussetzungen sei "King of yesterday" ein langweiliges Album geworden, liegt dabei gar nicht so verkehrt. Anders als auf dem achtbaren Vorgänger "No one is really beautiful" halten sich die Highlights, die Jude auf "King of yesterday" aus dem Sakkoärmel schüttelt, in Grenzen und beschränken sich auf den Titeltrack und ein halbes Dutzend namenloser Nettigkeiten. Egal ob seine Songs wie beim Opener "Everything's alright (I think it's time)" mit Pauken und Trompeten oder aber wie in "Red room" ganz intim arrangiert sind - der Funke will nie so recht überspringen. Das Backcover der CD und diverse Fotos des guten Mannes schließlich machen doch noch Hoffnung: Jude Christodal ist in Wirklichkeit ein ganz normaler Typ mit ganz normaler Frisur und trägt offenbar höchst selten so viel Haar wie auf dem Albumcover. Und er sollte dies auch besser nie, nie wieder tun. Es sei denn, er findet Gefallen daran, auf der Straße eines Tages mit Paul Breitner verwechselt zu werden.

(Armin Linder)

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Highlights

  • King of yesterday
  • Oh boy

Tracklist

  1. alright (I think it's time)
  2. King of yesterday
  3. Red room
  4. The not so pretty princess
  5. Everything I own
  6. Sit ups
  7. Indian lover
  8. Oh boy
  9. I do
  10. I will not die
  11. Teenage girlfriend

Gesamtspielzeit: 42:47 min.

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