Dr. Dog - Fate

Dr. Dog- Fate

Park The Van / Rough Trade
VÖ: 01.08.2008

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Oberkante Unterlippe

Während sich andere Bands den Kopf darüber zerbrechen, wie sie möglichst eigenständig klingen, Stilrichtungen kombinieren und diese mit einem lauten Knall auf die Menschheit loslassen können, gestaltet sich das Quintett Dr. Dog aus Philadelphia ein unaufgeregtes Dasein mit minimalen künstlerischen Vorstößen. Altbewährtes soll altbewährt und damit Erfolg versprechend bleiben. Heißt für Dr. Dog: Die Beatles zitieren, die Beach Boys aufleben lassen und ein bisschen Motown zelebrieren. Zugegeben: Es gibt weitaus dramatischere Reisen in die Vergangenheit.

Immerhin reicht diese Rezeptur für die Band nun bereits für das fünfte Studioalbum aus. "Fate", das wesentlich gefälliger ausfällt, als das gähnend langweilige "We all belong", greift den Faden der mittleren 60er auf, tobt sich zwischen "Rubber soul", "Pet sounds" und "The Temptations sing smokey" aus. Natürlich ohne an deren großartige Zeitlosigkeit anzuknüpfen. Aber welchem künstlerischen Verbund gelingt das schon in diesen schnelllebigen Zeiten? Und dennoch ist die Kraft der Langsamkeit und die Schönheit ihrer Entfaltung auf "Fate" der Schlüssel zum Erfolg.

Da genehmigt sich "The breeze" zwar noch einen holprigen Einstieg, kommt aber nach kurzer Zeit quietschfidel aus den Puschen. Das mahnt im aufpolierten Soundgewand an die Figurines, Scott McMickens Stimme an Caleb Followill. Das Tempo wird im weiteren Verlauf der Platte etwas verlangsamt, die Melodiequote erhöht. Ohrwürmer auf voller Distanz, Harmonien in einem rasanten Rausch. Das tolle "The old days" stiehlt sich dabei so pfiffig in den Vordergrund, dass man es unter anderen Vorzeichen auch im Backkatalog von The Band einsortieren könnte. "Army of ancients" hingegen, zurückgelehnt und bis Oberkante Unterlippe mit Soul gedopt, sollte dringend als Single bei Motown erscheinen.

Trompeten und Posaunen bahnen sich ihren Weg auf "Fate". Der Bass bleibt hölzern, wie er einst in den seligen 60ern zu klingen hatte. Auch die Gitarren sparen nicht an bluesigen, dreckigen Licks. Die Orgel, eine weitere Verbeugung vor The Band, fettet die Ecken und Kanten, während der Rhythmus die Diktatur der Songs übernimmt. Dr. Dog kommen dabei so weise und gut informiert um die Ecke, dass es schwer fällt, Kritik an ihnen zu üben. Und doch muss gesagt werden: Die Originalität liegt bei den Originalen. Dr. Dog wissen zumindest eine Menge damit anzufangen.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • The old days
  • Army of ancients
  • My friend

Tracklist

  1. The breeze
  2. Hang on
  3. The old days
  4. Army of ancients
  5. The rabbit, the bat, and the reindeer
  6. The ark
  7. From
  8. 100 years
  9. Uncovering the old
  10. The beach
  11. My friend

Gesamtspielzeit: 44:19 min.

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