Bang Gang - Ghosts from the past

Bang Gang- Ghosts from the past

Discograph / Al!ve
VÖ: 15.08.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Eindeutig uneindeutig

Ein halbgarer Kalauer als Bandname, so aussagekräftig wie schnödes Graubrot. Dahinter steht mit Bardi Johansson jedoch einer, den die Eindeutigkeit und Festlegung langweilt, der als Erotik-Show-Regisseur, Fernseh-Jingle-Komponist und Modemacher die Abwechslung vom Musiker- und Sängerdasein sucht und die Nischen zwischen Kunst, Kitsch und Kommerz ganz bewusst auslotet. Sein drittes Solowerk "Ghosts from the past" wählt deshalb einmal mehr den großen Rahmen zwischen verträumtem Space-Pop, melancholischen Songwriter-Momenten und widerspenstigen Indierock-Anleihen und pendelt gekonnt zwischen sanft-perlender Oberflächlichkeit und anrührendem Tiefgang.

Wieder ist es die musikalische Träumerei-Fabrik Europas, der Vulkaninselstaat Island, der uns die kühle Sanftheit beschert, mit der Johansson seine feinen Gesangsflächen und kuschelweichen Synthesizer ineinander webt. Während der Auftakt "The world is gray" Johanssons Graustufen-Weltsicht und die isländischen Lichtverhältnisse noch recht schlicht in eine Popnummer verpackt und "I know you sleep" und vor allem das hypnotische "Black parade" erfolgreich die Rockgitarre zum Stelldichein laden, gewinnen zur Albumhälfte die langsameren und schwermütigeren Stücke die Oberhand.

Ohne den ausufernden Mittelpart hätte schließlich das Beinahe-Instrumental "Lost in wonderland" auch eine Inselnation weiter westlich entstehen und auf dem "Once"-Soundtrack erscheinen können. Plötzlich ist sie überall, die unterkühlte Romantik, der Kontrast von heiß und Eis, von musikalischer Leidenschaft und heimischer Witterung. Vor allem der Titeltrack ergießt in seiner anschmiegsamen Traurigkeit einen Schwall Schmelzwasser über den Hörer, und "Don't feel ashamed", duettiert mit Johanssons Lady-&-Bird-Kollegin Keren Ann, platziert sich mit seiner stillen Epik zwischen den steil aufragenden Wänden einer moosbewachsenen Schlucht.

Dass die Texte tiefere Einsichten größtenteils vermissen lassen, stört den Gesamteindruck des eklektischen "Ghosts from the past" keinesfalls. Wie die Instrumentierung sind sie mehr Mittel zum Zweck bei Johanssons Jagd auf die gewissen Momente. Deren flüchtiges Auftauchen und Verblassen in den verschiedenen und verschiedenartigen Songs des Albums - gleich dem Sternenhimmel, den Johanssons für seine Webseite als Hintergrund gewählt hat - sorgt für anhaltende Spannung. So bleibt am Ende kein klarer Eindruck von Bang Gang alias Bardi Johansson. Schlicht und gefühlvoll präsentiert er sich. Und eindeutig uneindeutig.

(Dennis Drögemüller)

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Highlights

  • Black parade
  • Ghosts from the past
  • Don't feel ashamed

Tracklist

  1. The world is gray
  2. One more trip
  3. I know
  4. Black parade
  5. Lost in wonderland
  6. Every time I look in your eyes
  7. Ghosts from the past
  8. Forever now
  9. Don't feel ashamed
  10. You won't get out
  11. Stay home

Gesamtspielzeit: 48:24 min.

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