Martina Topley-Bird - The blue God

Martina Topley-Bird- The blue God

Independiente / PIAS / Rough Trade
VÖ: 18.07.2008

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Mit Mann und Mouse

Manche Sachen sollte man vielleicht einfach nicht mehr erwähnen. Dass es draußen nur Kännchen gibt. Dass Querpässe vor der eigenen Abwehr tunlichst zu vermeiden sind. Oder eben, dass Martina Topley-Bird einst musikalisch wie privat mit einem Miterfinder des Trip Hop verbandelt war, dessen letztes Album so ähnlich heißt wie eine, die früher mal bei Destiny's Child gesungen hat. Und wenn man es doch nicht lassen kann, sollte man nicht der Annahme auf den Leim gehen, dass die gute Frau nun auch Trip Hop macht. Im Gegenteil. Sie macht alles Mögliche. Mitverantwortlich dafür ist auf "The blue God" Brian Burton aka Danger Mouse, der Mann, der seit geraumer Zeit massenwirksam mit Dance, Pop, Soul und Psychedelia hantiert - sei es bei Gnarls Barkley oder hinter den Mischpulten von Gorillaz, The Shortwave Set oder Beck. Dass "The blue God" trotzdem nach nichts von alledem klingt, spricht zunächst einmal für die Künstlerin - aber auch für eine gewisse Richtungslosigkeit.

Vielversprechende Ansätze sind gleich reihenweise vorhanden. "Phoenix" sorgt als elektronisch kokelnde Dunkelvariante von Goldfrapp für einen geschmeidigen Einstieg. "Carnies" torkelt auf einem trunkenen Piano groovig über einen Jahrmarkt voller Kuriositäten, auf dem die Freaks mal schrummelnde, mal jenseitig durch die Echokammer geschleuste Gitarren spielen und sich mit breitbeinigem Getröte an tuckernden Drumcomputern eine blutige Nase holen. Topley-Bird gibt dazu abwechselnd die unheilvoll orakelnde Rätselfrau und die laszive Diva - als würde Isabella Rossellini in "Blue Velvet" nicht bloß singen, sondern auch gleichzeitig einen ihrer neuesten Insektenpornos aufführen. "April grove" ist sogar ein mit verhallten Reverbs aufgefüllter Rocksong, bei dem ausnahmsweise ein kratziges Riff stets das letzte Wort hat. Und spätestens ab hier beginnt man sich zu wünschen, dass mehr Stücke auf "The blue God" eine solche Schärfe besitzen würden.

Denn statt auch mal eine Weile bei einer richtig guten Idee zu bleiben, hecheln Topley-Bird und Burton von Stil zu Stil, immer bemüht, noch eine Wendung und noch einen unvorhergesehenen Kniff unterzubringen, der oft zu viel des Guten ist und dann irgendwo anders fehlt. Bei "Shangri la" etwa, einem reizvollen, aber nicht zu Ende gedachten Bastard aus Lounge und Psych-Rock, oder auf "Da da da da", einer Art karikierten Nonsens-Version von Blondies "Sunday girl", der auf halber Strecke der Saft abgedreht wird. Da kann man dem Mächtigkeitsspringen von Künstlerin und Produzent so angestrengt zuhören, wie man will - oft bleibt man außen vor. Abwechslung ist eben nur das halbe Leben, und womöglich hätte etwas mehr Trip Hop doch nicht geschadet. Nur: Tricky war diesmal gar nicht mit im Studio. Und warum er jetzt doch noch erwähnt worden ist, bleibt ähnlich rätselhaft wie so einiges an diesem Album.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Carnies
  • Something to say
  • April grove

Tracklist

  1. Phoenix
  2. Carnies
  3. Something to say
  4. Shangri la
  5. Baby blue
  6. Valentine
  7. April grove
  8. Snowman
  9. Poison
  10. Razor tongue
  11. Da da da da
  12. Yesterday

Gesamtspielzeit: 39:16 min.

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