Oomph! - Ego

Oomph!- Ego

Virgin
VÖ: 09.07.2001

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Besen, Besen, sei's gewesen

Daß man sich bei unbedachtem Herumspielen das eine oder andere Problem einfangen kann, wissen wir nicht erst seit Goethes Zauberlehrling. Eine solche Erfahrung mußten zuletzt auch Oomph! machen. Düstere Elektronik und Bratgitarren hatten die drei niedersächsischen Soundpioniere schon gekreuzt, als mit NDH noch lediglich eine kleine Netzwerkfirma im Rheinischen bezeichnet wurde. Die Braunschweiger Plastikmetaller gingen an keiner Geschmacklosigkeit vorbei und schufen mit Songs wie "Ice coffin" sogar die eine oder andere Hymne. Ein paar Rammsteine später sind Kürzel und Sound in aller Ohr. Die Väter dieser klinischen Klangästhetik aber sitzen bloß in der zweiten Reihe, da man ihnen kurzerhand einen ostdeutschen "Engel" vor die Nase gesetzt hatte. Oomph!s bislang erfolgreichstem Album "Plastik" unterstellte man denn auch fälschlicherweise, es sei bei den Herren um Till Lindemann entlehnt. So kann's gehen.

Kein Wunder also, daß sich die Band mal wieder nach Veränderung sehnte. Wenn Rammstein nach Oomph! klängen, wolle man nicht mehr nach Oomph! klingen, weil man ja dann nach Rammstein klänge. So läßt man die Zwangsjacken der Neuen Deutschen Härte weit hinter sich und verläßt dieses Irrenhaus auf dem hymnischen Weg, der schon "Das weiße Licht" zum Hit werden ließ. Dennoch fühlen sich Oomph! nur im Düsteren wirklich wohl. Themen wie falsche Abhängigkeiten, Depression und "Kontrollverlust" bestimmen das Bild. Fröhliche Zeitgenossen waren Oomph! eh noch nie.

Dafür werfen sie mittlerweile ihre Breitwandmelodien auf andere Leinwände. Statt testosteron-schwangerem Geknüppel setzen Dero, Crap und Flux mitunter auf subtile Klangdetails, was besonders in den Instrumentals "Serotonin" und "Dopamin" gelingt. Aber auch wenn sie alle Feinsinnigkeit beiseite lassen und den großen Eimer mit dem Bombast auspacken, geraten ihnen angenehm finstere Songs wie "Ego", "Bitter" oder "Rette mich". Dennoch bleibt die Hand beim Griff nach den Sternen oftmals im überbordenden Schwulst stecken. Nur noch das dreiste Wühlen in der Unterwäsche einer gewissen "Billie Jean" sorgt durch ein dort "gefundenes" Riff dafür, daß eine "Supernova" aufgeht. Auch wenn sich diese beim genaueren Hinblick lediglich als weißer Zwergstern entpuppt, bemerkt man, daß in Zeiten von teutonischen Rohrkrepierern auch ein kleines Licht wärmen kann.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Ego
  • Supernova
  • Serotonin

Tracklist

  1. Ego
  2. Supernova
  3. Willst Du frei sein?
  4. Drop the lie
  5. Bitter
  6. Transformation
  7. Atem
  8. Serotonin
  9. Swallow
  10. Viel zu tief
  11. My darkest cave
  12. Rette mich
  13. Who you are
  14. Kontrollverlust
  15. Dopamin
  16. Träum weiter

Gesamtspielzeit: 59:10 min.

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