Lackthereof - Your anchor

Lackthereof- Your anchor

City Slang / Universal
VÖ: 01.08.2008

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Half awake

In Hunderten von Jahren, wenn sich die tiefkühltechnisch am Leben gehaltenen Körper von Oliver Geissen und Thomas Stein in einer RTL-Show an das Popjahr 2007 erinnern werden, wird sicherlich niemand versuchen, das Gespräch auf The Nationals "Fake empire" zu lenken. Natürlich, dieser rotweinschwere Schwebebalken zwischen Springsteens "Streets of Philadelphia" und vage infrage gestellter Hoffnungslosigkeit war damals die Hymne der Halbtoten - aber bitte, wer soll das noch im Langzeitgedächtnis haben? Selbst ein Jahr danach und auf der Lackthereof-Platte "Your anchor" scheinen die Erinnerungen schließlich schon zu verschwimmen: Der Menomena-Drummer Danny Seim covert den Song hier als auseinander gefallene Fünf-Uhr-früh-Version seiner selbst, und das passt dann schon gut so zu seinem Soloalbum der Halbtoten.

Eigentlich ist man ja froh um jeden Schlagzeuger, der seine Alleingänge nicht mit übertriebenem Drumstick-Enthusiasmus bestreitet. Seim allerdings, vom Menomena-Album "Friend and foe" noch als durchaus beweglicher Zeitgenosse bekannt, kommt hier kaum über den selbstvergessenen Phil-Selway-Shuffle aus "In rainbows" hinaus, und bringt auch darum herum selten genug auf die Reihe, um wenigstens das Hinterrad seiner aufregenden Hauptband halten zu können. "Your anchor" wird nie ganz wach, Seims Gesang bleibt immer eine unscharfe Ahnung im Hintergrund, und selbst wenn Gitarre und Bass die Songs mal frecher piesacken, lässt sich das Album nicht zu plötzlichen Bewegungen hinreißen. Es steckt wenig Freude in dieser Platte - und es dauert nicht lange, bis man sich gerade deshalb mit ihr anfreundet.

"The new year is the old year again", wirft Seim zum Auftakt in die Runde; "Your anchor" ist bereits sein neuntes Soloalbum und außerdem die Platte, auf der er sich von brüchigen Singer/Songwriter-Plänen zu einer brüchigen Menomena-Lightversion vorarbeitet. Die wirklichkeitsnahe Vertonung trister Alltagserfahrungen steht dabei im Mittelpunkt: "Chest pass" gleicht seine Mangelerscheinungen mit einen klug hinausgezögerten Start aus. Die krächzenden Gesangsharmonien aus "Locked upstairs" bohren sich einmal quer durch die Gleichgültigkeit des Songs. Und "Last November" treibt irgendwo noch das letzte bisschen Bestimmtheit auf, das nötig ist, um sich über die immer drohende Ereignislosigkeit von "Your anchor" zu erheben. Zur Party wird die Platte selbst hier nicht - Seim aber dürfte schon die Gewissheit reichen, dass er auch in Zukunft genug zu tun haben wird, um sich zwischen zwei Menomena-Alben angemessen zu langweilen.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Chest pass
  • Choir practice
  • Last November

Tracklist

  1. Chest pass
  2. Fire trial
  3. Choir practice
  4. Doomed elephants
  5. Locked upstairs
  6. Last November
  7. Ask permission
  8. You can
  9. Vacant eyes
  10. Fake empire

Gesamtspielzeit: 30:08 min.

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