Jud - Sufferboy

Jud- Sufferboy

Nois-O-Lution / Indigo
VÖ: 08.08.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Der Kehrtmarsch

Eigentlich dachte man schon, David Judson Clemmons habe seine Bandprojekte zugunsten seiner Solokarriere auf ewiges Eis gelegt. Doch nachdem letztes Jahr mit "Yes sir" schon The Fullbliss reanimiert wurden, gehen nun auch Jud nach siebenjähriger Pause wieder an den Start. Mit dieser Band lebte der vielseitige Musiker bisher seinen Hang zu düster-melancholischem Rock aus, der auf dem letzten Album "The perfect life" einen Hauch Leichtigkeit verliehen bekam. In jedem Fall waren Jud immer die Wahl derjenigen Clemmons-Jünger, die vor allem auch verzerrte Stromgitarren hören wollten.

Daran hat sich auch anno 2008 nichts geändert. Vielmehr vermittelt "Sufferboy" das Gefühl, ein Ventil für all den wüsten Rock und Noise zu sein, der auf den letzten Platten des Bandleaders keinen Platz gefunden hat. Damit gewinnt das Album eine Aggressivität, die auf den ersten Blick mehr als verstörend wirkt. David Judson Clemmons keift und faucht, brüllt den Hörer an und stößt ihn auch mal brüsk zurück. Fiese Gitarren werden wie Krummsäbel geschwungen, schneiden tief ins Ohr, vorangepeitscht von treibenden Drums und einem Pitbull von Bass. Das sind definitiv nicht die Jud, die man für die offenen Arme und die kraftvoll-dunklen, aber auch warmen und weichen Sounds geliebt hat.

Phasenweise klingt "Sufferboy" wie ein Lagerkoller im Proberaum von Tool. Kalt und gnadenlos wird die eigene Wut ohne Rücksicht auf liebgewonnene Hörgewohnheiten vertont. Die Welt ist in den vergangenen sieben Jahren nicht besser geworden. Jud reagieren auf die immer brennenderen Probleme mit der Aufgabe ihrer Resignation. Mit Lamento und ein wenig Sarkasmus ist ebenso wenig zu erreichen wie mit dem Bau kleiner, einigermaßen behaglicher Rückzugsräume. Jud walzen die Mauern, mit denen sie ihre Hörer früher einmal so kunstvoll umfingen, brutal nieder und legen den Finger in offene Wunden. Zum Schmerz mischt sich die Dankbarkeit darüber, dass es mal wieder eine Band geschafft hat, ein Comeback mit einer Kehrtwende zu verbinden, die nicht in die Belanglosigkeit führt.

(Rüdiger Pater)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Accelerate
  • Asylum
  • That's life
  • Chasing the pain away

Tracklist

  1. Bright white light
  2. Drained
  3. Universal
  4. Daylight
  5. Accelerate
  6. Cowboy song
  7. The maggots
  8. What are you made for
  9. Asylum
  10. That's life
  11. Chasing the pain away
  12. Satisfy
  13. Unless

Gesamtspielzeit: 51:31 min.

Bestellen bei Amazon

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum

  • Jud (33 Beiträge / Letzter am 03.12.2018 - 12:56 Uhr)