Klee - Berge versetzen

Klee- Berge versetzen

Island / Universal
VÖ: 01.08.2008

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Tassen und Teller

Unverwundbar müsste man sein. In etwa so wie Klee aus Köln, die zu Zeiten ihres so benannten Debütalbums nicht ahnen konnten, dass es sich dabei um eine selbsterfüllende Prophezeiung handeln würde. Eigentlich war der Titel als Reflektion eines schweren Verkehrsunfalls der damals noch als Ralley firmierenden Band gedacht, doch seit einiger Zeit stehen Suzie Kerstgens und die Jungs auch für das Unkaputtbare im deutschen Pop. Mit inzwischen vier Alben, einigen Chartsingles und der gefühlten Zielgruppe Jedermann. Musik für Traumtänzer kann man das nennen - oder auch Lifestyle zum Hören. Man kann sich aber ebenso vorzüglich in den unaufdringlichen Songs und Kerstgens' Stimme verlieren, mit der die Sängerin die Dinge beim Namen nennt, die eben so passieren, wenn sich Junge und Mädchen treffen. Und sei es mit Tassen und Tellern, weil im Beziehungsgespräch die Argumente ausgegangen sind.

Dabei lassen Klee stets den Dom in der Stadt und profitieren vom Wissen darum, dass sie zwar bezaubernde Musik machen, es aber Wichtigeres im Leben gibt. Hauptsächlich die emotionalen Wirren des Zwischenmenschlichen, bei denen Bedeutsamkeit und Banalität dicht beieinanderliegen, und die die Band gerne hinlänglich auskostet. Man ahnt es schon: "Berge versetzen" ist ein Album, das weder enttäuscht noch bahnbrechende Erkenntnisse bringt. Grundiert wird mit flockigem elektronischem Fundament, hinzu gesellen sich hier ein paar leichte New-Order-Reminiszenzen, dort kleines Rock-Geknurre und ab und zu eine diskrete Dance-Kante. So macht man Hits, ohne gleich den Niveaubunker aufsuchen zu müssen. Und darum kann man es sich auch sparen, zu konstatieren, dass "Zwei Herzen" eine Klee-Single ist, wie sie sattsamer bekannt nicht sein könnte, denn spätestens nach dem die Arme ausbreitenden Refrain ist man dem Song trotzdem rettungslos verfallen. Noch ärger treibt es "Die Königin": Der Beat kickt, die Gitarre kratzt, Synthie-Glöckchen künden von nahender Glückseligkeit. Mehr Pop geht nicht. Wie die das bloß immer machen?

Dass es im im Gefühlsgebälk zuweilen kracht, gehört dazu. Da wird auch mal geweint, verlassen und sich handfest gefetzt, aber gleichzeitig schmunzelnd resigniert: "Im Grunde ist jeder Streit von uns gleich / Da sind wir nicht sehr einfallsreich". Und wer wird denn so gehässig sein und diese Zeile auf den offensichtlichen, wenn auch qualitativ hochwertigen Stillstand dieses Albums zu beziehen? Das verbietet die ungebrochene Knuffigkeit von "Berge versetzen" nämlich ausdrücklich. Die ist zwar weitgehend entwicklungs-, aber eben auch absolut katastrophenresistent. Und dass hier kein so zu Tränen rührender Herzensbrecher wie "Die Stadt" dabei ist, sei ihnen einfach einmal nachgesehen. Denn früher oder später kriegen Klee einen sowieso. Nicht nur Mädchen checken das.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Zwei Herzen
  • 7 Schritte
  • Die Königin
  • Offene Wunden

Tracklist

  1. Zwischen Glauben und Vertrauen
  2. Zwei Herzen
  3. Wie weit
  4. Weil es Liebe ist
  5. Weine nicht
  6. Du und ich
  7. 7 Schritte
  8. Ich lass ein Licht an für dich
  9. Die Königin
  10. Offene Wunden
  11. Mein Vertrauen
  12. Berge versetzen
  13. Wie das Wetter

Gesamtspielzeit: 49:45 min.

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