iO - For the masses

iO- For the masses

Rocker Team / Intergroove
VÖ: 01.08.2008

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Der aufrechte Gang

Anspruch und Wirklichkeit, die beiden ungleichen Brüder. Widmen wir uns dem Anspruch: Vom Ende einer Ära "aufrichtiger, energetischer Rockmusik" und "der erfolgreichsten heimischen Alternativerock-Band" ist da zunächst die Rede. Haben Blackmail sich aufgelöst? Nein, tatsächlich fabuliert die Presseinfo hier über die Guano Apes, deren Ära der Aufrichtigkeit (eine des Einfallsreichtums war es zumindest nicht) 2003 eher unbemerkt endete. Die Auferstehung der Musikersektion plus emigriertem Ami als neuem Sänger wird dann auch nicht weniger marktschreierisch angepriesen: "Eine musikalische Reise durch den tighten Rock, wie man sie heute nur selten erlebt", hört die PR. "Wie man sie auch nicht erleben möchte", fügt der augenrollende Leser im Geiste hinzu.

Nach weiteren platten Phrasen aalglatten Verkaufsgewäschs schreckt dann das peinliche Cover mit Goldene-Himbeere-Nominierung für das schlechteste Posen einer Rockband potenzielle Hörer ab. Ein wenig zu Unrecht, denn richtig schlimm ist in diesem Fall in erster Linie die Verpackung: Was iO auf "For the masses" musikalisch anbieten, ist erträglicher als das erwartete Desaster. Die soulige Stimme von Neuling Charles Simmons gibt dem eingefahrenen Musikertrio immerhin ein paar neue Impulse, so dass der nach wie vor präsente, mäßig inspirierte Alternative Rock eine Ladung amerikanischen Pathos verpasst bekommt. Eine weichere, europäischere Version von Übersee-Epigonen wie Sevendust oder Disturbed steht am Ende der Gleichung.

Sogar eine Botschaft beanspruchen viele der Songs plötzlich für sich, wo zuvor sinnfrei die "Lords of the boards" abgefeiert wurden - "Say something", "Fightback" oder "Rage" sprechen schon im Titel eine deutliche Sprache. Dass eben jene oft zu simpel und plakativ daherkommt, soll nach Aussage der Band der Verständlichkeit zugute kommen. Dennoch: Der Opener kracht trotz unnötigem One-Two-Three-Four-Einzähler angenehm, "Don't mean nothing" schafft eine gelungene Synthese aus Wackelmelodie und kräftigem Shout-Refrain, und die Powerballade "In you" schielt zwar noch schwerer in Richtung Radio als alle seine Kollegen, hat aber einen sehr schön gesungenen Refrain anzubieten. Aussetzer wie "Attention" oder "Legacy" hätte es wiederum definitiv nicht gebraucht.

Dass "For the masses" nicht als totaler Reinfall erscheint, ist letztlich allein Sänger Charles zuzurechnen; wie ein Schuldeingeständnis wirkt es, dass die Band seinem Gesang (zum Vorteil des Hörers) bewusst viel Raum gelassen hat. Musikalisch bewegt sich jedoch auch über zehn Jahre nach Crossover nichts bei den Ex-Affen, und Orientierungslosigkeit als Stilmittel oder Entwicklung verkaufen zu wollen, ist dann doch eine Spur zu billig. Für eine gerechtfertigte Rückkehr auf die Bühnen des Kontinents braucht es nun mal mehr als die drei richtig guten Songs von "For the masses". Auch wenn Gitarrist Henning Rümenapp das natürlich anders sieht: "Wir können die Leute wieder begeistern - viel mehr kann man doch gar nicht erwarten." Liest man ein bis zwei Fragezeichen in diesen Satz hinein, lautet die Antwort unweigerlich: Man kann.

(Dennis Drögemüller)

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Highlights

  • Say something
  • Don't mean nothing

Tracklist

  1. Say something
  2. Don't mean nothing
  3. In you
  4. Attention
  5. Stupid people
  6. Mind game
  7. Fight back
  8. Stand my ground
  9. Rage
  10. The last to know
  11. Legacy
  12. When I fall

Gesamtspielzeit: 43:05 min.

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  • iO (2 Beiträge / Letzter am 12.08.2008 - 17:48 Uhr)

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