Crosby, Stills, Nash & Young - Déjà vu live

Crosby, Stills, Nash & Young- Déjà vu live

Reprise / Warner
VÖ: 18.07.2008

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

No, they can't

Ein Konzertabend 2006 in den Vereinigten Staaten: Die reformierten Crosby, Stills Nash & Young singen "Let's impeach the president for lyin'" mit Nachdruck und fordern Ungemach heraus. Das Publikum verabschiedet sich in kleinen Teilen mit frechem Mittelfinger, wütenden Parolen und "Buh"-Rufen aus dem Saal. Viele der Zuschauer aber bleiben, spenden solidarisierenden Applaus oder starren desillusioniert auf die Bühne. Neil Young hat sicherlich einiges an Respekt und Hochachtung verdient für seinen von Leidenschaft und fundiertem Hintergrundwissen geprägten künstlerischen Kampf gegen das Bush-Imperium, gegen die Wirren der Kriege in Afghanistan und im Irak und für den Ruf nach Frieden. Dennoch: Ein fieser Beigeschmack bleibt und lässt sich nicht so einfach wieder reinwaschen. Man erinnere sich nur an "Let's roll", Youngs verbitterte und emotional verblendete Hymne im Zuge der Terroranschläge des 11. Septembers 2001, die alles andere als friedensträchtig klang.

Sein erneuter Umschwung in Richtung Frieden und die daraus resultierenden Einbußen in Sachen Authentizität sollen daher keine große Überraschung sein. Daran ändert auch die neu gefundene Gemeinschaft von David Crosby, Stephen Stills, Graham Nash und eben jenem Neil Young nichts. Young trommelte anno 2006 seine alten Weggefährten in Eigenregie zusammen, um mit ihnen gemeinsam auf Tour zu gehen, die neben der CD-Veröffentlichung auch für den gerade in deutschen Kinos gestarteten Dokumentarfilm "CSNY - Déjà vu" festgehalten wurde. Den Spirit der CSNY-Konzerte gegen den Vietnam-Krieg vor fast vierzig Jahren wollte man heraufbeschwören. Nicht aber mit der publikumsnahen Neuvertonung des Klassikers "Déjà vu", wie es der Titel suggeriert, sondern mit einem Konglomerat aus den Soloalben der Protagonisten, ihren gemeinsamen Werken und allen voran "Living with war", das hier den Ton angibt.

Es mag ein wenig verwundern, aber es ist letztlich dann doch mit einfachen Argumenten zu belegen, dass auf dieser Live-Zusammenstellung gerade die Stücke von "Living with war" so dominierend wirken und die wunderschönen, mehrstimmigen Gesangsharmonien alter CSNY-Stücke verblassen. Die hintergründige Band, die die vier Gitarristen und Vokalisten um Crosby, Stills, Nash & Young unterstützt, entstammt dem "Living with war"-Lineup und ist demnach eingespielt und notensicher. Man höre das wütende, rotzige "Shock and awe", dass mit Youngs unvergleichlichem Gitarrenspiel und fabelhaftem Bandkonstrukt über das Publikum hinwegfegt. "Roger and out" erklingt dagegen tiefschürfend-hypnotisch, mit einem Neil Young tief in Saiten und Gedanken versunken, fern von funktionierenden Strukturen. Crosbys, Stills' und Nashs Harmoniegesang aus dem Hintergrund blüht auf als gespenstische Antithese. Leider ist das auch einer der wenigen Momente, in den das Zusammenspiel von CSNY so begeisternswert in Erscheinung tritt. So verliert "Wooden ships" mit völlig kraft- und belanglosen Soli den Boden unter den Füßen. Stephen Stills sucht im Buffallo-Springfield-Klassiker "For what it's worth" seine Stimme. Und Graham Nashs "Military madness" klingt so, als sei eine betrunkene Karaoketruppe am Werk. Die vier ehemals glorreichen Stimmen passen schlichtweg nicht mehr in jeder Situation aufeinander.

Als strahlender Lichtblick erwähnenswert bleibt abschließend der einzige Ausflug von CSNY in countryeske Gefilde mit dem fabelhaften "Teach your children", das selbst junge Lauscher nostalgisch macht. Was im dazugehörigen Dokumentarfilm, der neben Konzertausschnitten einen kritischen und sehr persönlichen Blick auf die Hintergründe der Kriege bietet, allerbestens funktioniert, bleibt auf Platte allerdings weitgehend farblos. Ihr Engagement in Ehren, aber bei der Hinführung zu einer neuen Protestbwegung scheitern Crosby, Stills, Nash & Young hier an ihrer eigenen Mittelmäßigkeit. Leider.

(Markus Wollmann)

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Highlights

  • Shock and awe
  • Roger and out
  • Teach your children

Tracklist

  1. What are their names?
  2. Living with war - Theme
  3. After the garden
  4. Military madness
  5. Let's impeach the president
  6. Déjà vu
  7. Shock and awe
  8. Families
  9. Wodden ships
  10. Looking for a leader
  11. For what it's worth
  12. Living with war
  13. Roger and out
  14. Find the cost of freedom
  15. Teach your children
  16. Living with war - Theme

Gesamtspielzeit: 69:15 min.

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