Primal Scream - Beautiful future

Primal Scream- Beautiful future

B-Unique / Warner
VÖ: 01.08.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Bleibt alles anders

Wenn in den letzten 25 Jahren auf etwas Verlass war, dann darauf, dass auf Bobby Gillespie und seine Band Primal Scream überhaupt kein Verlass ist. Vom psychedelischen Jangle Pop der frühen Jahre über Acid, Dub, Gospel, Rock and Roll, Krautrock bis hin zu den Electroclash-Großtaten zum Jahrhundertwechsel und wieder zurück zum Stones-infizierten Britrock der letzten Platte "Riot City Blues" bot Gillespie alles an, was er und seine Mitstreiter in ständig wechselnder Besetzung auf der Pfanne hatten. Meistens gegen jeden Zeitgeist und jegliche Konventionen. Auf "Beautiful future" verschiebt sich das Fensterchen erstmals nur minimal. Das musikalische Pendel schwingt nun Richtung Pop, bleibt aber Primal Scream durch und durch.

"Beautiful future" wirkt wie ein Ritt durch die bandeigene Geschichte, komprimiert auf 47 Minuten und höchst professionell feingeschliffen. Alles, was bisher gut war, wurde einer Veredelung unterzogen. Das wenige Schlechte darf weiter in den Lagern der Plattenfirmen verrotten. Über radioaffinen Handclap-Singalong in bester Kaiser-Chiefs-Manier und glückliche Glöckchen spuckt der große Zyniker Bobby Gillespie im Titeltrack Gift und Galle: "Take a ride to the city / Tell me, what do you see? / Empty houses, burning cars, naked bodies hanging from the trees." Produziert wurde der Hit, ebenso wie die Reißbrettsingle "Can't go back", von Paul Epworth, der sich vor allem durch seine Arbeit mit Bloc Party einen Namen machen konnte. Epworth ist nicht die einzige Größe, mit der sich Primal Scream für die Aufnahmen zum mittlerweile neunten Album zusammengetan haben. Der sympathisch hingeschlunzte "Necro hex blues" wurde um ein treibendes Riff des Wüstengottes Josh Homme gebastelt, "I love to hurt (You love to be hurt)" klingt mit seinem Rumpelbeat verdächtig nach "Some velvet morning", und Gastvokalisten Lovefoxx könnte ebenso Kate Moss sein. Zu guter Letzt darf dann auch noch die alternde Folkchanteuse Linda Thompson in "Over & over" Gillespie zu einem herzzerreißenden Duett herausfordern.

"Suicide bomb" ist ein vergessener Track des übergroßen Albums "XTRMNTR", so geradlinig und mit angezogener Handbremse pumpt der Song mal weniger, mal mehr abseitig fast sechs Minuten vor sich hin. Dazu gibt es mit "Uptown" eine Portion 70er-Disco, "Beautiful summer" beschwört depechemodesken Wave herauf und das lebensbejahend fröhliche "Zombie man" ertrinkt im Refrain in Glamgospel und lässt vermuten, dass Gillespie Mansons "I don't like the drugs (but the drugs like me)" wieder einmal eine Spur zu wörtlich genommen hat.

Dass sich Professionalität und Routine zwar wie ein roter Faden durch die Produktion von "Beautiful future" ziehen, letztlich aber doch nicht alles sind, ist Gillespie in seiner gelebten No-Bock-Attittüde zu jeder Zeit anzuhören. Hinzu kommen die feine Ironie und der beißende Sarkasmus in den Texten, die selten so offenherzig zur Schau getragen wurden. Primal Scream nehmen sich selber einfach nicht allzu ernst. Wahrscheinlich ist dies das Erfolgsgeheimnis, um seit mehr als zwei Jahrzehnten auf alle Trends einen großen Haufen setzen zu können und sich die Welt so zu machen, wie sie Bobby Gillespie gefällt. Dass das so bleibt, sei versichert. Wahrscheinlich.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Beautiful future
  • Suicide bomb
  • I love to hurt (You love to be hurt)

Tracklist

  1. Beautiful future
  2. Can't go back
  3. Uptown
  4. The glory of love
  5. Suicide bomb
  6. Zombie man
  7. Beautiful summer
  8. I love to hurt (You love to be hurt)
  9. Over & over
  10. Necro hex blues
  11. The glory of love (Single version)

Gesamtspielzeit: 47:00 min.

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